Lenzburg
Lenzburger wollen vom Emmental lernen

Mitglieder der «Lebensraum»-Kerngruppe Regionalplanung schauten sich in Burgdorf neue Ansätze zur Mobilität an.

Fritz Thut
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Martin Wälti (links) orientiert Mitglieder der Kerngruppe Regionalplanung des «Lebensraum Lenzburg Seetal» über Mobilitätsmassnahmen in Burgdorf. tf

Martin Wälti (links) orientiert Mitglieder der Kerngruppe Regionalplanung des «Lebensraum Lenzburg Seetal» über Mobilitätsmassnahmen in Burgdorf. tf

Fritz Thut

«Eine neue Strasse von A nach B zu bauen, ist etwas Einfaches.» Diesen Satz hörten die Teilnehmer einer Studienreise der Kerngruppe Regionalplanung des Gemeindeverbandes «Lebensraum Lenzburg Seetal» (LLS) am Tor zum Emmental mehrmals.

Die Politiker und Planer aus dem Aargau wollten sich in Burgdorf jedoch anhören und ansehen, welche Alternativen zu dieser simpelsten Lösung von Verkehrsproblemen besteht; auch Burgdorf leidet zu Stosszeiten an langen Stauzeiten. Organisatorin und Kerngruppenleiterin Gabi Lauper stellte den Anlass denn auch unter das Motto «Clevere Mobilität im Emmental».

Unter dem Titel «emmental bewegt» zeigt ein mehrjähriges Programm Alternativen zum traditionellen motorisierten Individualverkehr auf und stellt verschiedene Massnahmen, die teilweise schon viel länger laufen, unter ein gemeinsames Dach. Die Büros für Mobilität AG und die Stiftung Intact mit ihrem breit gefächerten Beschäftigungs- und Integrationsangebot bilden weitere Klammern der Angebotspalette für Alternativen zum üblichen Auto-Verkehr.

Geschätzter Hauslieferdienst

Die Besucher aus dem Aargau staunten nicht schlecht über die Breite der Möglichkeiten, die den Bewohnern in Burgdorf und Umgebung geboten werden. In der ebenso schmucken wie zweckmässigen Mobilitätszentrale beim Bahnhof wird ein Rundum-Service für Velos mit und ohne Elektrounterstützung angeboten.

Von hier aus wird der Hauslieferdienst koordiniert. Konsumenten können sich die gefüllten Posti-Taschen per Velokurier nachliefern lassen. «Ich bin begeistert von diesem Service», bestätigte eine Frau, die im Migros gleich drei grosse Säcke deponierte. Typisch für das Burgdorfer Modell ist hier der stetige Ausbau: Die Kuriere nehmen nach dem Liefern Leergut mit. Oder schmutzige Wäsche, die am Folgetag gebügelt wieder nach Hause geliefert wird. Alles mit der Absicht, Autofahrten überflüssig zu machen.

«Vieles geht auf die Initiative von Einzelnen oder Gruppen zurück», blickte der Grünen-Gemeinderat Andrea Probst auf die Entstehung des Angebots zurück. Ein solcher Impulsgeber ist Martin Wälti, der als Intact-Co-Geschäftsführer ein Verfechter der Diversifizierung ist: «Je grösser unser Betrieb, desto mehr Synergien gibt es.» So gehören mittlerweile auch eine Recyclingstation oder ein Handarbeits- und Keramikatelier zur Stiftung.

«Als Spinner angeschaut»

Die Emmentaler Referenten machten den Gästen aus dem Raum Lenzburg keine falschen Hoffnungen. Wälti: «Jede unserer Massnahme allein löst das Verkehrsproblem nicht und viele Projekte brauchen Zeit.»

Zudem brauche es von den Politikern enorm viel Mut, sich nicht für die einfachste Lösung zu entscheiden, betonte auch der GLP-Grossrat Christoph Grimm in einem abschliessenden Referat: «Wir werden noch oft als Spinner angeschaut.»