Lenzburg
Lenzburger will 1000 Bücher verkaufen, dann gibts eine grosse Party

In seiner kleinen Buchhandlung am Rathaus will Hansueli Ernst 1000 Bücher des gleichen Titels verkaufen. Er ist überzeugt, mit kleinen Einkaufserlebnissen die Kunden für den Einkauf im klassischen Buchladen zu gewinnen.

Ruth Steiner
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Hansueli Ernst und seine Partnerin Margrit Gut glauben fest an die Zukunft des BuchladensPascal Meier

Hansueli Ernst und seine Partnerin Margrit Gut glauben fest an die Zukunft des BuchladensPascal Meier

Pascal Meier

Der klassische Buchhandel ist heutzutage ein hartes Pflaster. Online-Händler und Leser, die ihre Bücher lieber in digitaler Form konsumieren, stellen die Fachgeschäfte vor grosse Herausforderungen.

Wer am Markt erfolgreich sein will, braucht Stehvermögen und jede Menge Fantasie. Daran mangelt es Hansueli Ernst in seinem Einmann-Buchladen in der Rathausgasse beileibe nicht. Regelmässig überrascht er mit originellen Einfällen, mit welchen er die Leute für das klassische Bücherlesen begeistern will.

Eintausend Bücher verkaufen

Ernsts jüngste Aktion ist im Schaufenster aufgetürmt: Innerhalb eines halben Jahres sollen eintausend Exemplare desselben Buches über den Ladentisch gehen. Die geplante Absatzmenge kommt nicht von ungefähr. Der Buchhändler erklärt: «Die Buchhandlung am Rathaus ist eine Genossenschaft, deren Anteilscheine einen Nennwert von je 1000 Franken haben. Diese Grösse wird mit den eintausend Büchern visualisiert.» Wer mehr als ein Exemplar kauft, kommt in den Genuss einer Vergünstigung.

Doch nicht nur die Idee ist ausgefallen, auch deren Verbreitung ist ein Gag. Ernst und seine Partnerin Margrit Gut haben den Werbeflyer nach Art der japanischen Origami, ganz ohne Klebstoff, zu einem Umschlag gefaltet und als persönlich adressierten Brief verschickt.

Das Bücher-Angebot hat die Buchhandlung am Rathaus ihrer vornehmlich weiblichen Kundschaft angepasst: Belletristik und Reiseliteratur, vor allem aus Europa, steht in den Regalen. Dieses ist ergänzt mit weiteren Titeln aus verschiedenen Fachbereichen. Ernst liebt es, mit seinen Kunden über Literatur zu diskutieren. Er selber ist ein belesener Mann. «Ein Buchhändler muss neugierig sein, anders geht es gar nicht», unterstreicht er seine Haltung.

Nächste Überraschung steht

Bevor die Aktion beendet ist, wird im kleinen Bücherladen bereits die nächste Überraschung aus dem Köcher gezogen: «Ein elfjähriger Schüler hat mich mit seinen Literaturkenntnissen dermassen beeindruckt, dass er nun jeweils am Mittwochnachmittag bei mir im Laden den Bucheinkauf für seine Altersgenossen tätigen und diese auch beraten darf.»

Hansueli Ernst ist überzeugt, dass Kleinbuchläden eine Zukunft haben: «Ich glaube, wenn man den Kunden kleine Einkaufserlebnisse bietet und ihren Lese-Appetit etwas anregt, schwören sie der Einbahnstrasse Internet-Bestellung ab», gibt er sich kämpferisch. Bereits bei der Übernahme der Buchhandlung im Frühling 2011 hatte Ernst das Pensionsalter erreicht. Doch nach wie vor ist die Leidenschaft des Buchhändlers für das gedruckte Worte ungebrochen.