Der Lenzburger Verkehrsminister machte nicht lang Federlesens und sprach Klartext: «Irgendeinmal können wir diesen Verkehr nicht mehr schlucken. Wir werden ihn dosieren müssen», sagte Stadtrat Martin Steinmann bei der öffentlichen Präsentation des Kommunalen Gesamtplans Verkehr (KGV) in Lenzburg. Über einhundert Massnahmen umfasst die Mobilitätsplanung der drei Nachbargemeinden Lenzburg, Niederlenz und Staufen. Gemeinsam hatte man sich in den vergangenen drei Jahren Gedanken zur Entwicklung des Schnell- und Langsamverkehrs in der Region gemacht.

Dass man sich in dieser Thematik mit der Bezirkshauptstadt zusammentun wollte, stand für die beiden Nachbarn in diesem Fall ausser Frage. «Die drei Gemeinden sind in der Verkehrsführung aufeinander angewiesen», erklärte der Niederlenzer Gemeinderat Toni Grob. Gemeinderat und SVP-Grossrat Pascal Furer aus Staufen ergänzte: «Verkehr ist etwas, das wir alle verursachen. Wir müssen über die Gemeindegrenze hinweg denken.» Bedingt durch den Bauboom vergangener Jahre rücken Lenzburg, Niederlenz und Staufen immer näher zusammen. Da und dort sind die Gemeindegrenzen heute von blossem Auge gar nicht mehr zu auszumachen. Gemäss kantonaler Prognosen wird die Bevölkerung in den kommenden Jahren weiter ansteigen. Aktuell wohnen gut 16 000 Personen in den drei Gemeinden, in wenigen Jahren werden es 20 000 sein.

Autoarmes Wohnen fördern

Die Reaktionen aus dem Publikum im alten Gemeindesaal zum 150 000 Franken teuren Planwerk waren wohlwollend bis skeptisch. Ein derart grosser KGV sei wohl einmalig im Kanton Aargau, hiess es. Umfassende Planungswerke, so wurde jedoch befürchtet, hätten die Tendenz, nach deren Bewilligung im Büchergestell zu verstauben. Um die Bedenken auszuräumen, dass hier ein möglicher Papiertiger produziert wird, wurde der Aufbau eines Controllings angeregt. In der Diskussion wurden auch ganz andere Ideen eingebracht, um dem zunehmenden Verkehrsaufkommen zu begegnen, etwa die Förderung von autoarmen Wohnquartieren. «Gibt es auch Massnahmen zur Reduktion des Verkehrs?», wollte ein Teilnehmer wissen.

Stadtammann Daniel Mosimann wies darauf hin, dass die übergeordneten Verkehrsplanungen wie die Netzstrategie «Unteres Seetal» und die anstehende Entlastung des Knotens Neuhof beim Autobahnzubringer A1 Stadt und Region zusätzlich vom Verkehr entlasten werden.

Mitwirkung läuft noch

Seit Ende März läuft die Vernehmlassung zum rund 160 Seiten umfassenden KGV. Man werde Anregungen in schriftlicher Form auch dann noch entgegennehmen, wenn die Frist (5. Mai) schon einige Tage abgelaufen sei, munterte Stadtrat Steinmann zur Mitwirkung auf. Der KGV-Entwurf liegt bei den Gemeinden Lenzburg, Niederlenz und Staufen auf und kann auf den Websites heruntergeladen werden.