Reben, soweit das Auge reicht: Um 1900, zu Zeiten von Schlossbesitzer August Edward Jessup, war der Hügel von Schloss Lenzburg gänzlich mit Reben bepflanzt. Heute wachsen unter den Schlossmauern Gräser, Büsche und Bäume.

Schloss Lenzburg 1905 mit grossem Rebberg

Schloss Lenzburg 1905 mit grossem Rebberg

Trauben reifen nur noch auf etwa 40 Aren im Rebberg der Ortsbürger. Der von der Lenzburger Rebbauern-Vereinigung angebaute Pinot Noir ist eine alte und edle Traubensorte. Rund drei Tonnen Trauben jährlich ernten die «Räblüs», wie die freiwilligen Helfer genannt werden, unterstützt von ihren Kellermeistern Kathrin und Claudio Hartmann aus Schinznach (ck-Weine).

Diese Ernte soll künftig etwa doppelt so gross ausfallen. Die Ortsbürger-Rebbauern wollen am Schlossberg rund 2800 zusätzliche Rebstöcke pflanzen und die produktive Fläche ihres Rebberges durch eine Erweiterung nach links und nach oben Richtung Schloss verdoppeln. «Wir möchten so dieses Kulturgut stärken, denn der Rebbau gehört seit Jahrhunderten zu Lenzburg», sagt der Rebberg-Verantwortliche Kurt Wernli.

Sein Vereinskollege Max Werder, Projektleiter der Erweiterung, ergänzt: «Unser Rebberg ist klein. Mit dem Ausbau können wir finanzielle Einbussen in einem schlechten Jahr besser abfedern.»

Freuen sich auf den neuen Rebberg: Kurt Wernli, Max Werder, Werner Volkmar und Hansjörg Salm.

Freuen sich auf den neuen Rebberg:

Freuen sich auf den neuen Rebberg: Kurt Wernli, Max Werder, Werner Volkmar und Hansjörg Salm.

Ein weiteres Plus: Mit der Erweiterung wächst der hinter Bäumen versteckte Rebberg am Fuss des Schlosshügels in die Höhe und wird von weitherum zu sehen sein. «Eine Visitenkarte für die Stadt», freut sich Hansjörg Salm, Präsident der Rebbauern-Vereinigung.

Der Schlossberg wird damit ansatzweise wieder dem Rebberg von anno 1900 gleichen. Den ganzen Hang wie dazumal mit Reben zu bepflanzen, ist für die Ortsbürger-Rebbauern derzeit aber kein Thema. «Die Erweiterung ist bereits ein grosser Brocken», sagt Salm.

Finanzierung noch nicht geklärt

Wann am erweiterten Rebberg erstmals Trauben geerntet werden, ist noch nicht klar. Die Rebbauern hoffen in zwei bis drei Jahren. Derzeit liegt das Baugesuch für die Rebberg-Erweiterung öffentlich auf – dies nach jahrelanger Vorarbeit.

Kernstück ist die Terrassierung dieses Teils des Schlossbergs: Die Reben werden laut den Plänen nicht wie beim bestehenden Rebberg vertikal, sondern horizontal auf Treppen angeordnet. Die Terrassenanlage mit Drahtgestell und Bewässerung soll 1900 Laufmeter umfassen, die Rebfläche möchte die Rebbauern-Vereinigung mehrheitlich mit Pinot Noir bestocken.

Die Terrassierung hat mehrere Vorteile: Ohne Gefälle ist die Pflege der Reben für die «Räblüs» einfacher und der Boden weniger in Bewegung.

Die Rebberg-Erweiterung mit Terrassierung wird voraussichtlich rund 100 000 Franken kosten. Zudem möchte die Rebbauern-Vereinigung einen Geräteunterstand bauen, der auf rund 200 000 Franken veranschlagt ist.

Letzteres ist jedoch noch eine vage Kostenschätzung, wie Kurt Wernli betont. «Wir stecken erst im Bewilligungsverfahren, das zeigen wird, was überhaupt möglich ist.» Vieles hänge noch in der Luft. «Bei der Bewilligung des Projektes sind viele Stellen involviert.»

Ist das Vorhaben bewilligt, werde dann die Versammlung der Rebbauern über die Details der Finanzierung diskutieren und einen Kredit sprechen. «Wir möchten möglichst viel Geld selber aufbringen», so Kurt Wernli. Der Verein hoffe aber auch auf die Unterstützung von Ortsbürger- und Einwohnergemeinde sowie der Stiftung Schloss Lenzburg. Letztere ist Eigentümerin des Landes, auf dem der erweiterte Rebberg erstellt wird, und unterstützt das Projekt.

Erschlossen wird der neue Rebberg westlich von der Schlossstrasse. Der bestehende Feldweg zwischen Strasse und Rebberg soll verbreitert und ausgebessert werden. Erleichtert werden soll der Zugang auch für Spaziergänger: Die Rebbauern-Vereinigung möchte den Rebberg an das öffentliche Fussnetz anschliessen. «Wir wollen den schönen Rebberg so auch für die Bevölkerung erlebbar machen», sagt Max Werder.