Grosser Rat

Lenzburger Kandidat: «Ich bin hungrig und mache keine halbbatzigen Sachen»

Will für die FDP in den Grossen Rat: Luca Russo.

Will für die FDP in den Grossen Rat: Luca Russo.

Der Lenzburger Luca Russo (23) will für die FDP in den Grossen Rat.

Es sei vor allem die Untervertretung der jungen Politiker im Grossen Rat, die ihn zu einer Kandidatur bewogen habe, sagt Luca Russo. «Derzeit gibt es im Grossen Rat nur eine Person, die unter 30 Jahre alt ist», so Russo, und meint damit Uriel Seibert (29, EVP). «Wir haben viele Themen und Probleme, die wir angehen müssen. Das geht am besten über die Politik», so der 23-Jährige.

Der Schritt in die Politik war für den Lenzburger keine Bauchentscheidung, seinen Wahlkampf hat er gut geplant. Für die Freisinnigen kandidiere er, weil er mit der Partei «die grössten Schnittmengen» habe, so Russo. Dem Zufall überlässt der Jungpolitiker bei seinem Wahlkampf wenig. So lächelt er nicht nur von verschiedenen Plakaten oder ist bei Standaktionen anzutreffen, Russo wirbt auch auf den sozialen Medien für seine Wahl in den Grossen Rat. Dafür lancierte er gar das Format #RossomitRusso. In mehreren kurzen Folgen stellt sich Russo dabei vor und beantwortet im Lenzburger Lokal «Mike’s Wineloft» Fragen zu seiner politschen Einstellung. Die Idee zum Format sei «bei einem Bier gekommen», sagt er. Bei einem Interviewformat im Weinloft bot sich das Wortspiel wohl an.

Russo, der bei der Neuen Aargauer Bank als Kundenberater arbeitet, steht auf der Liste der FDP und der Jungfreisinnigen auf dem vorletzten Listenplatz. Eine Listenfüllerkandidatur sei es aber keineswegs: «Ich bin hungrig, und ich mache keine halbbatzigen Sachen.»

Die Grossratskandidaten aus dem Bezirk Lenzburg:

Ja zur Legalisierung von Drogen und zu Kampfjets

Für seinen Wahlkampf hat der Jungpolitiker ein Budget von ungefähr 2000 Franken. Ein Teil des Wahlkampfes sei durch Spenden finanziert. «Der grösste Ausgabenposten waren sicherlich die Plakate und Flyer», sagt er. Vergleichsweise günstig ist das Schalten von Werbung auf Facebook. «Ein gesponserter Post, der 8000 Personen erreicht, kostet mich knapp 30 Franken», so Russo.

Sollte es nicht klappen, wäre er sicher «sehr enttäuscht». Aber auch für diesen Fall hat er bereits Pläne geschmiedet: «Es ist wichtig, dass wir uns einbringen. Möglichkeiten gibt es viele und in vier Jahren stehen wieder die nächsten Wahlen an.» Einen Moment länger überlegt Russo bei der Frage, was seine erste Amtshandlung als Grossrat wä-re. «Es gibt viele Themen, die ich als wichtig erachte», sagt er. «Handlungsbedarf besteht sicherlich beim Kampf gegen den Klimawandel», so Russo. «Als Lösungsansatz sehe ich hier Lenkungsabgaben oder Mobility Pricing.»

Ein weiterer Punkt auf seiner Liste: Die Legalisierung von Drogen. «Jeder sollte selbst entscheiden können, was für Drogen er konsumiert», sagt der Jungpolitiker. Eine kontrollierte Abgabe mache den Konsum sicherer, denn konsumiert werde ja sowieso. «Bei vielen Drogen ist es eine Frage der Masse und der Reinheit der Substanz», erklärt Russo. Er selbst konsumiere zwei bis vier Mal pro Jahr Cannabis, jedoch mit Verantwortung. «Die Aussage wird mich sicher einige Stimmen kosten», sagt der Jungpolitiker.

So überlegt seine Aussagen auch sind, so wenig verstellt sich Luca Russo. Er spricht sich für den Vaterschaftsurlaub aus, auch wenn ihm eine Elternzeit noch lieber wäre. Ablehnen werde er die Vorlage trotzdem nicht: «Es ist schlecht, den Fortschritt verhindern zu wollen, weil man denkt, dass man noch etwas Besseres finden wird.» Als Kampagnenverantwortlicher von «Sicherheit Ja Aargau» setzt sich Russo für den Kauf der neuen Kampfjets ein. «Wenn die Polizei ein neues Patrouillen-Fahrzeug braucht, wird es bewilligt, die Notwendigkeit sehe ich auch beim Schweizer Militär», sagt Russo, der Leutnant ist.

Gibt es bei dem grossen Einsatz für nationale Initiativen auch Ambitionen für eine Zukunft im Nationalrat? «Verneinen würde ich es sicher nicht, aber ich habe keine konkreten Pläne», sagt der 23-Jährige. Seinen Beruf würde er für die politische Karriere sicherlich nicht aufgeben. «Dafür schätze ich unser Milizsystem zu sehr», so Luca Russo.

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