Shanghai

Lenzburger Guggemusik «Schlossgeischt-Schränzer» begeistert in China

Auf Facebook dokumentiert die Gugge ihren Grosserfolg in Shanghai: In Scharen kommen die Besucher des Tourismusfestivals, um die Lenzburger Guggenmusik zu hören.

«Es fehlen einem manchmal fast die Worte», sagt Urs Welti über die Eindrücke aus China. 47 Mitglieder der Guggenmusik Schlossgeischt-Schränzer sind nach China gereist, wo sie am internationalen Tourismusfestival teilnehmen. Schanghai ist die grösste Stadt des Landes, 15 Millionen Menschen leben hier. Und mittendrin in dem Gewühl sorgen die Lenzburger Guggenmusiker im Edelweiss-Hemd lautstark für Swissness.

82 Koffer und Kisten

Die Vorbereitungen für die Reise haben bereits vor Monaten begonnen. Die Reise nach China ist nicht gerade billig. Für Kost und Logis ist gesorgt, doch allein der Transport der Instrumente kostete 5000 Franken. Für diesen Betrag haben die Gugger im Internet ein Crowdfunding gestartet und sogar noch ein bisschen mehr Geld gesammelt.

Schnell wurde es September und aus den Reiseplänen wurde ernst: Auf ihrer Facebookseite zeigten die Schlossgeischter, wie sie ihre Instrumente reisefertig machten: Mit vielen Metern Luftpolster-Folie. Mit einem Apéro auf dem Zeughaus-Areal wurden die Gugger verabschiedet und machten sich am 12. September mit 47 Koffern und 35 Instrumentenkisten auf die lange Reise. 18 Stunden waren sie unterwegs, mit Halt in Dubai.

Einen Tag später kamen Instrumente und Musikanten heil in Schanghai an – es fehlten einzig ein paar Stunden Schlaf. Diese wieder aufzuholen, war eher schwierig. So aufregend und schnelllebig wie die Metropole gestaltete sich auch der Aufenthalt.

Gugger sind in China Stars

Die AZ erreichte Urs Welti, OK-Mitglied der Reise, gestern per Telefon. Die Gugger sind sehr beeindruckt von China. Und umgekehrt: «Wir werden hier wie Stars behandelt», sagt Welti. Überall reagieren die Asiaten mit Begeisterung auf die Schlossgeischt-Schränzer und wollen mit ihnen für Selfies posieren.

In Scharen kommen die Besucher des Tourismusfestivals, um die Lenzburger Guggenmusik zu hören. «Wir haben noch nie vor so vielen Leuten gespielt», sagt Welti. Bei einem Konzert in der Öffentlichkeit mussten die Gugger gar von Securitas abgeschirmt werden, weil die Zuschauer sie am liebsten angefasst hätten.

Neben den Konzerten bleibt auch Zeit für Sightseeing – ebenfalls in chinesischem Tempo: «Manchmal kamen wir an einem Ort an und hatten zehn Minuten Zeit für Bilder, dann ging es weiter.» Er verstehe jetzt, wie die Chinesen in zehn Tagen ganz Europa bereisen, sagt Welti, bevor die Telefonverbindung zum wiederholten Mal unterbrochen wird.

Monsterkonzert der Kulturen

Am Samstag wurde das Tourismusfestival mit einer Parade eröffnet. Für die Schlossgeischt-Schränzer war der Umzug, der am chinesischen Staatsfernsehen übertragen wurde, der Höhepunkt der Reise.

Auf einem Video sieht man, wie die Gugge in China Stimmung macht, als ob es ein Heimspiel an ihrer Schlossgeischter-Nacht wäre. Stolz präsentieren sie die Schweizer, die Aargauer und die Lenzburger Flagge den Zuschauern und Kameras aus aller Welt.

Die Lenzburger zogen mit 30 Musikvereinen aus der ganzen Welt durch die Stadt und spielten vor mehreren VIP-Tribünen. «Plötzlich entstand ein kleines Monsterkonzert», schreiben sie. Die verschiedenen Kulturen seien bei diesem Spektakel förmlich aufeinandergeprallt. Das ist jedoch keineswegs negativ zu verstehen. «Es war geil!»

Gestern waren die SchlossgeischtSchränzer mit dem Nachtzug in Peking angekommen. Als weiterer Höhepunkt folgt ein Auftritt auf der Chinesischen Mauer. Hoffentlich. Denn die Instrumente sind noch mit dem Lastwagen unterwegs. Die Chinesen seien alle sehr bemüht, den Gästen aus dem Ausland alles recht zu machen.

Für die Schlossgeischter, von denen die meisten noch nie so weit weg von zu Hause waren, ist es eine einmalige Gelegenheit, mit einer anderen Mentalität in Kontakt zu kommen. «Alles ist streng durchorganisiert», sagt Welti. «Aber eigentlich läuft es nie nach Plan.» Am Schluss gehe es aber immer auf.

Meistgesehen

Artboard 1