Lenzburg
Lenzburger Drachentöter köpfen den Rathausgasse-Fauchi

Unbekannte Täter haben der Fauchi-Holzskulptur in der Lenzburger Rathausgasse den Kopf abgeschlagen. Doch Fauchi konnte geholfen werden: Sein Erschaffer verschraubte den Kopf wieder an seinem angestammten Ort.

Heiner Halder
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Der wieder anmontierte und mit einem Verband fixierte Kopf des Lenzburger Rathausgasse-Fauchi. (Bild: Heiner Halder)

Der wieder anmontierte und mit einem Verband fixierte Kopf des Lenzburger Rathausgasse-Fauchi. (Bild: Heiner Halder)

Lang, lang ist's her, da trafen zwei wagemutige Brüder bei der Jagd unter einem steilen Felsen auf ein Drachenloch, darin ein Untier hauste, das wutschnaubend auf die Jünglinge los ging und Waltram also lebendig mit Haut und Haaren verschlang.

Guntram, der Ältere, indes hielt stand und spaltete dem Drachen den Kopf, Waltram aber stieg unversehrt aus dessen Bauch. Das Landvolk rings feierte die heldenhaften Brüder und wählten dieselben als Heer-Zoge. Die bauten dort eine ausgedehnte Burg und nannten sich fortan Grafen von Lenzburg.

Die Geschichte wiederholt sich

Zum Andenken an die sagenhafte Gründungsgeschichte von Schloss Lenzburg ziert noch heute ein goldener Drache die Zinne und in der dunkeln dumpfen Drachenhöhle des Museums lehrt Fauchi, ein Nachfahre des bösen Lindwurms, die Kinder das Fürchten.

Ein entfernter Verwandter ist vor kurzem ins Städtchen hinunter gestiegen und dient in der Rathausgasse als harmloser Hüter der Buchhandlung und Sitzbank dem Allgemeinwohl.

Die Geschichte wiederholt sich: Drachentöter haben dem Stadt-Fauchi am Wochenende mutmasslich mutwillig meuchlings den Kopf abgeschlagen.

Die Spurensicherung vor Ort hat ergeben, dass dem Kunstwerk von Holzbildhauer Lukas Senn aus Rupperswil von Nachtschwärmern brachiale Gewalt angetan wurde – im Gegensatz zu anno dazumal keine Heldentat. Trotzdem gilt die Unschuldsvermutung.

Knochenschlosser im Einsatz

Glücklicherweise konnte dem armen Fauchi geholfen werden. Der Künstler verschraubte als Knochenschlosser den Kopf wieder an seinem angestammten Ort und Löwen-Apotheker Martin Baumann applizierte ihm einen Druckverband, der mindestens sieben Tage als Kragen getragen werden muss.

Bleibt zu hoffen, dass jetzt nicht noch Bärentöter auftauchen und oben in der Rathausgasse auch der Bärli-Bank zu Leibe rücken.

PS: Die Sagen von den Schloss-Gründern Guntram und Waltram sowie vom weniger glücklichen Bärentöter Adalbero, Sohn des Lenzburger Grafen Bero, der im Andenken an den jung Verstorbenen das Stift Beromünster gründete, sind notabene im Buch «Aus einem alten Nest» in besagter Buchhandlung von Hansueli Ernst zu kaufen.

Und Holzbildhauer Lukas Senn stellt seine Menagerie ab 17. März im Lindenfeld in Suhr aus.

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