Lenzburg
Lenzburger Ärztin begleitet Hilfskonvoi nach Westafrika

Andrea Hufschmidt studierte Medizin, um in Drittweltländern zu arbeiten – jetzt rückt ihr Traumziel näher. Sie begleitet als Ärztin einen Hilfskonvoi nach Guinea und hofft dort, Kontakte für später knüpfen zu können.

Ramona Patt
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Die Allgemeinmedizinerin Andrea Hufschmidt wandelt ihren Trennungsschmerz in Energie für afrikanische Hilfsprojekte um. Ramona Patt

Die Allgemeinmedizinerin Andrea Hufschmidt wandelt ihren Trennungsschmerz in Energie für afrikanische Hilfsprojekte um. Ramona Patt

Ramona Patt

Ihr Sohn (20) studiert Politologie und Geschichte in Luzern, die Tochter (22) Musik in Holland. Solange ihre Kinder noch studieren, wird Andrea Hufschmidt, Allgemeinmedizinerin in Lenzburg, der Schweiz erhalten bleiben. Doch dann soll es nach Afrika, Indien oder Südamerika gehen, und das womöglich für immer. Wohin genau, weiss sie noch nicht. «Vorzugsweise nach Afrika», sagt sie und lächelt. In einem Drittweltland als Ärztin zu arbeiten, war schon ihr Kindheitstraum. Deswegen hat sie sich damals auch für ein Medizinstudium entschieden.

Aufgewachsen ist die Ärztin in Deutschland. 2007 kam sie der Liebe wegen in die Schweiz. Doch hielt diese nur bis Anfang dieses Jahres. Nach der Trennung von ihrem Mann heisst es für die Medizinerin nun, wieder auf die Beine zu kommen. Die Gemeinschaftspraxis wurde aufgelöst. Nun empfängt sie ihre Patienten in ihrer eigenen kleinen Praxis in Lenzburg und arbeitet dort mit zwei Angestellten.

«Guinea 2012»

Ziel des Projektes «Guinea 2012» ist es, mit Hilfsgütern aus der Schweiz und Italien bestehende Hilfsprojekte in Guinea zu unterstützen. Auch der Fuhrpark, mit dem der Transport nach Guinea durchgeführt wird, spenden sie den Hilfswerken.

Die Idee entstand, als Giacomo Lurati, Leiter Auftragsmanagement und Strassentransporte der Holcim Schweiz AG, den Direktor der Holcim Guinea AG kennenlernte. Das Projekt wurde ins Leben gerufen, bekam einen Namen, und schliesslich wurde am 14. Juni der Verein «Guinea 2012» in Lenzburg gegründet. Seither wurden bereits über 46000 Franken Spendengelder und Hilfsgüter aller Art gesammelt.

Abfahren wird der Konvoi am 29. Oktober um etwa 7.30 Uhr. Bis das Team von vierzehn Fahrern und einer Ärztin den 7000 Kilometern langen Weg in Angriff nehmen kann, müssen noch Zollabfertigungen gemacht und die Botschaften über die Ladungen der Lastwagen informiert werden. «Vor allem das Packen der persönlichen Sachen steht noch an», sagt Sepp Schwager, Bereichsleiter Silo-Losetransporte Häfeli AG. Er ist einer der vier Vorstandsmitglieder des Vereins. (PAT)

Trotz weniger Mittel unterstützen

Vieles ist für Hufschmidt schwieriger geworden - vor allem finanziell. Trotzdem unterstützt sie zwei Hilfsprojekte in Zambia. «So kann ich auch von der Schweiz aus Gutes tun», erklärt sie. Weil ihr Mann die Projekte wegen der Trennung fallen liess, ist es für Hufschmidt nicht einfach, sich finanziell im bisherigen Rahmen zu engagieren. Deswegen sucht sie Spender, die mithelfen. Auch im Wartezimmer ihrer Praxis ist eine Pinnwand mit Spendenaufrufen. Ansonsten ist in der Praxis nicht viel zu sehen von ihrer Affinität zu Afrika. Sie sagt: «Eine Praxis sollte ein neutraler Ort sein.» Zu Hause jedoch schneidert die Ärztin sogar Kleider aus afrikanischen Stoffen.

Neues Projekt kam gelegen

Erst in den letzten Jahren hat Hufschmidt angefangen, nach Afrika zu reisen und verliebte sich in die Kultur, die Freundlich- und Herzlichkeit der dort lebenden Menschen. Jedes Jahr reiste sie im Herbst durch den Schwarzen Kontinent, bis vor kurzem mit ihrem Mann. Dieses Jahr ist alles anders. Allein nach Afrika wollte Hufschmidt nicht. Da kam es gelegen, als Sepp Schwager, Bereichsleiter der Silo-Lose-Transporte bei der Häfeli AG, Hufschmidt konsultierte, um sich impfen zu lassen. Sie fragte nach dem Grund für die Impfung. Da erzählte er vom Projekt Guinea 2012, bei dem ein Konvoi von Lenzburg nach Guinea fährt, um dort Hilfsmittel und Fahrzeuge vor Ort zu spenden. Hufschmidt bot sich sogleich an, als Ärztin mitzureisen und sich um die medizinische Versorgung der vierzehnköpfigen Truppe zu kümmern.

Kontakte für später knüpfen

Die Reiseapotheke sei bereits gepackt, und sie seien für alle möglichen Notfälle gewappnet. Angst habe sie kaum. «Das Einzige, wovor ich Angst habe, sind die Steuerbehörde und Lawinen», meint sie und lacht. Wichtig sei, dass man die Sicherheitsmassnahmen einhalte. «Wasser nur aus gekauften Flaschen trinken, die Malariaprophylaxe einnehmen und so weiter.» Auch Impfungen mussten gemacht werden. Pflicht war die Gelbfieberimpfung. Einige der Fahrer, die auch sonst viel reisen, hätten auch eine Tollwutimpfung machen lassen. Sie sei schon von einem Hunderudel angefallen worden, erzählt Hufschmidt, «und ich hatte damals keine Tollwutimpfung gemacht.» Es sei zwar nichts passiert, aber das sei reines Glück gewesen.

Durch die Guinea-Reise erhoffe sie sich, Kontakte für später knüpfen zu können, sagt Hufschmidt. Ihr Kindheitstraum ist immer noch präsent. Sie will in einem Spital in Afrika arbeiten und mit herkömmlichen Mitteln der Bevölkerung helfen. Es brauche meist nicht viel Technik, um etwas zu bewirken. «Ich möchte nicht nach Afrika, um mit wenig Geld auf grossem Fuss zu leben», sagt sie weiter. Einfache Unterkünfte mit einer Dusche im Freien und einer Kochstelle mit Feuer betrieben - mehr brauche sie nicht.

«Die Kinder können mich besuchen kommen», sagt sie. Dass ihre Kinder mit ihr auswandern, kann sie sich nicht vorstellen: «Sie müssen ihre eigenen Erfahrungen machen.» Die Wohltätigkeit liegt im Blut. So ist auch der Sohn von Hufschmidt bereits sieben Monate in Form eines Volontariats in Zambia gewesen.