Mittelschule
Zwei prominente Lenzburgerinnen kämpfen für die Kanti

Für GLP-Grossrätin Barbara Portmann-Müller und Bildungsspezialistin Kathrin Scholl wäre eine Mittelschule auf dem Zeughaus-Areal am richtigen Ort. Eine Kanti in den Wilmatten hingegen käme einer städtebaulichen Entgleisung gleich, sagen sie.

Ruth Steiner
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Mit dem Areal des ehemaligen Zeughauses hat sich die Stadt Lenzburg beim Kanton um einen Mittelschulstandort beworben.

Mit dem Areal des ehemaligen Zeughauses hat sich die Stadt Lenzburg beim Kanton um einen Mittelschulstandort beworben.

Foto: Claudio Thoma

Sie gehören nicht zum Kreis jener, welche die Interessengemeinschaft Kanti (IG Kanti) in Lenzburg aus der Taufe gehoben haben. Doch Barbara Portmann-Müller, Grossrätin (GLP), und Kathrin Scholl, Präsidentin Aargauischer Lehrerinnen- und Lehrerverband (ALV), haben keinen Moment gezögert, sich als IG-Mitglied aktiv für die Interessen der Gruppierung einzusetzen. Portmann und Scholl sind überzeugt: «Eine Kanti passt in eine Stadt Lenzburg, die sich zu einer urbanen Zentrumsgemeinde entwickelt, ohne das Kleinstädtische preiszugeben.»

Kurz nachdem die Ortsbürgergemeindeversammlung im Dezember das Geschäft über eine Mittelschule auf dem Zeughaus-Areal zurückgewiesen hatte (das alte Zeughaus ist im Besitz der Lenzburger Ortsbürger), wurde die IG Kanti gegründet. Seither kämpft sie an verschiedenen Fronten dafür, dass Lenzburg weiterhin als Bewerberin für einen Mittelschulstandort im Rennen bleibt. Auf Facebook haben sich mittlerweile rund 180 Mitglieder der IG angeschlossen, darunter ist einige Prominenz aus der Region zu finden. Vor kurzem wurde die Website https://kanti-lenzburg.ch aufgeschaltet. Auch hier kann man sich als Mitglied eintragen.

Auf der Website hat die IG ein umfangreiches Argumentarium für eine Kantonsschule auf dem Areal des alten Zeughauses aufgelistet. Ganz zuoberst ist festgehalten: «Eine Kanti steht für die hohe Qualität des Schweizer Bildungssystems. Sie ist ein Ort des Lernens mit Ausstrahlung auf Stadt und Region. Lenzburg wird mit einer Kanti im Westen und der renommierten Berufsschule Lenzburg (BSL) im Osten zu einem Bildungsstandort mit hoher Attraktivität.»

Auch Portmann und Scholl unterstreichen den Image-Faktor für eine Stadt, nicht nur gegen aussen, sondern auch gegen innen. Scholl sagt:

«Junge Menschen, welche die Kantonsschule besuchen, bringen neue Impulse in die Stadt, beispielsweise im Kultur- oder im Sportbereich.»
Kathrin Scholl ist Präsidentin des Aargauischen Lehrerinnen- und Lehrerverbands.

Kathrin Scholl ist Präsidentin des Aargauischen Lehrerinnen- und Lehrerverbands.

Michael Wuertenberg

Und Portmann betont den städtebaulichen Schub, den das Kanti-Projekt dem Westquartier verleihen würde und viel attraktiver wäre als «ein gesichtsloses Mehrfamilienhaus-Quartier».

Einen wichtigen Schritt hat die IG Richtung «Aarau» gemacht und vor einigen Wochen das Gespräch mit den Projektverantwortlichen beim Departement für Bildung, Kultur und Sport gesucht. Dort habe die IG vor allem Fragen gestellt an die Kantonsvertreter, sagen Portmann und Scholl. Zum Beispiel wollte man wissen, wie weit der Kanton bereit sei, Synergien zu schaffen, dass gewisse Räume (Turnhallen, Probelokale) von den Lenzburger Vereinen mitgenutzt werden könnten. Letzteres ist ein grosses Anliegen jener Vereine, die heute Räumlichkeiten im alten Zeughaus nutzen und Angst haben, plötzlich auf der Strasse zu stehen, sollte die Mittelschule dort realisiert werden.

Die Befürchtungen sind unbegründet, erklärt Scholl, man sei versichert worden, dass derartige Kooperationen auch andernorts bestünden und die Bedürfnisse mit einem fairen Kostenteiler abgedeckt würden. Alles in allem habe man vom Kanton «positive Signale erhalten». Auch was den Zeithorizont betrifft. Demnach kann das Geschäft in Lenzburg an der ordentlichen Sommergmeind der Ortsbürger hoffentlich behandelt werden.

Mit ihrem Engagement wollen Portmann und Scholl bewirken, dass in Lenzburg die Diskussion über die künftige Verwendung des Zeughaus-Areals im Allgemeinen, insbesondere aber auch als Mittelschulstandort geführt wird. Insofern können sie der Rückweisung etwas Positives abgewinnen.

«Bei den Ortsbürgerinnen und Ortsbürgern ist ein Prozess angestossen worden. Es hat sich gezeigt, dass Klärungsbedarf vorhanden ist. Dieser Umweg ist vielleicht ganz gut»,

sagt Grossrätin Portmann. Ausserdem ist sie überzeugt, dass der Entwicklung des Areals durch diese Vorgeschichte eine hohe Sensibilität entgegengebracht wird.

Barbara Portmann-Müller ist Grossrätin der Grünliberalen Partei.

Barbara Portmann-Müller ist Grossrätin der Grünliberalen Partei.

zVg

Der Antragsteller auf Rückweisung des Geschäfts, alt Stadtrat Max Werder, und alt Stadtammann Rolf Bachmann, hatten Ende Dezember in dieser Zeitung versichert, dass sie keine Kanti-Verhinderer seien, sich hingegen um den langfristigen ortsbürgerlichen Finanzhaushalt sorgten. Bei dieser Gelegenheit hatten sie auf einen alternativen Kanti-Standort hingewiesen, ohne jedoch konkret zu werden.

In der Zwischenzeit ist durchgesickert, dass offenbar die Wilmatten im Fokus steht. Über dieses Ansinnen schütteln die Frauen den Kopf. «Die Wilmatten ist Teil des Lenzburger Naherholungsgebiets, der offene grüne Raum am Aabach ist zu erhalten», sagt Scholl. Portmann findet, dass ein markantes Gebäude wie ein Kanti-Schulhaus an diesem Standort einer städtebaulichen Entgleisung gleichkäme. Und mit einer gewissen Ironie fügt sie an: «Der einzige Vorteil wäre, dass das Wilmatten-Areal nicht extra umgezont werden müsste.»

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