Lenzburg
Gefährlich und manchmal auch teuer: Mann landet wegen vereisten Autoscheiben vor dem Bezirksgericht

Wer mit Eis auf den Scheiben Auto fährt, nimmt nicht nur Unfälle, sondern auch hohe Kosten in Kauf. Ein 60-Jähriger stand deswegen vor dem Bezirksgericht Lenzburg – er hatte nur ein Sichtfenster in der Frontscheibe freigekratzt.

Valérie Jost
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Das Bezirksgericht Lenzburg musste sich kürzlich mit einer Anzeige wegen vereister Autoscheiben auseinandersetzen. (Symbolbild)

Das Bezirksgericht Lenzburg musste sich kürzlich mit einer Anzeige wegen vereister Autoscheiben auseinandersetzen. (Symbolbild)

Neue NZ

Neben romantischer Winterstimmung bringen Schnee und Eis auch Nerviges mit sich, etwa das Einschneien und Vereisen von Autos. Wer dazu noch in Eile ist, kommt schnell in Versuchung, es mit dem Putzen nicht so genau zu nehmen – doch das ist nicht nur gefährlich, sondern kann auch teuer werden.

So geschehen im vergangenen Februar: Der 60-jährige Hauswart Luan (Name geändert) fuhr frühmorgens mit einem Lieferwagen durch Hunzenschwil, als ihn die Kantonspolizei wegen seiner vereisten Scheiben anhielt. Gemäss Anklageschrift hatte Luan auf der Frontscheibe nur ein Sichtfeld von 75 mal 45 Zentimetern freigekratzt, sämtliche andere Scheiben waren komplett vereist. Ausserdem habe er die Sicherheitsgurte nicht getragen.

Die Aussagen gehen auseinander

Vor dem Bezirksgericht stritt Luan Letzteres ab – er habe angehalten, die Gurte geöffnet und den Oberkörper aus dem Fenster gestreckt, um sich zu erkundigen, was los sei. «Dass ich die Gurte nicht getragen habe, ist eine Vermutung der Polizei.» Die als Zeugin vorgeladene Kantonspolizistin bestätigte, dass weder sie noch ihr Teamkollege gesehen hatten, dass Luan die Gurte beim Fahren nicht trug.

Bei den Scheiben war sie sich mit Luan nicht einig. Beide hatten gemäss ihren Aussagen von der Frontscheibe ein Foto gemacht – die Polizistin direkt nach dem Anhalten des Lieferwagens, Luan etwas später. Entsprechend war die Scheibe auf Luans Foto weniger vereist als auf jenem der Polizei. «Es ist mir klar, dass ich die Scheibe nicht ganz richtig geputzt hatte, ich war im Stress», so Luan vor Gericht. «Ich habe aber schon meine Konsequenzen gezogen und mache es jetzt immer perfekt.» Wie die Polizistin vor Gericht sagte, hätte es aber auch eine Anzeige gegeben, wenn die Frontscheibe komplett freigekratzt gewesen wäre: «Auf der Seite muss er schliesslich auch hinaussehen können.»

Einige Details hatten Luan und die Polizistin zudem anders in Erinnerung, etwa den genauen Ablauf der Kontrolle. Gerichtspräsident Daniel Aeschbach befand schliesslich die Aussagen der Polizistin als glaubwürdiger als Luans – diese seien über alle Befragungen hinweg und auch vor Gericht kongruent gewesen, während es bei Luan verschiedene Widersprüche gegeben habe.

Ein Freispruch, ein Schuldspruch

Aeschbach sprach Luan vom Vorwurf, er habe die Gurte nicht getragen, gemäss dem Grundsatz «im Zweifelsfall für den Angeklagten» frei. Schuldig ist er jedoch des Fahrens mit vereisten Scheiben, wie das direkt nach dem Anhalten durch die Polizei gemachte Foto zeige: «Sie hätten so nicht fahren dürfen», so Aeschbach. Luan erhielt dafür die von der Staatsanwaltschaft geforderte bedingte Geldstrafe von 10 Tagessätzen à 70 Franken, total 700 Franken, bei zwei Jahren Probezeit. Die Busse – die Staatsanwaltschaft hatte 500 Franken gefordert – senkte Aeschbach auf 175 Franken. Tragen muss Luan, der nicht vorbestraft ist, zudem die Polizeikosten sowie die Strafbefehls- und Anklagegebühren (total rund 1800 Franken). Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Wie es richtig geht, beschreibt die Regionalpolizei Aargausüd in einem aktuellen Beitrag im Dorfheftli: Die Front- und die vorderen Seitenscheiben sowie Rück- und Aussenspiegel müssen freigekratzt werden. Auch Front- und Rücklichter, Blinker und Kontrollschilder, Fahrzeugdach und Motorhaube müssen von Schnee und Eis befreit werden – da herunterfallende Schnee- oder Eisstücke während der Fahrt andere Verkehrsteilnehmende erschrecken, behindern oder zu gefährlichen Manövern zwingen können. Und: Während des Enteisens ist das Warmlaufenlassen des Motors verboten.

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