Lenzburg
SWL plant neues Geothermie-Projekt – in 20 Jahren soll die Anlage in Betrieb sein

Aus rund 2000 Metern Tiefe will die SWL ab 2040 heisses Wasser für ihre Fernwärmeanlagen hochpumpen. Am Projekt sind die ETH Zürich und die Universität Genf beteiligt – sowie auch der Kanton.

Florian Wicki
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Die Geothermieanlage in Riehen BS: Auch in Lenzburg läuft ein solches Projekt.

Die Geothermieanlage in Riehen BS: Auch in Lenzburg läuft ein solches Projekt.

zvg

Geothermie gibt es in der Schweiz schon lange. Bereits seit 1994 wird in Riehen BS eine derartige Anlage betrieben. Verbreitet ist die Technik jedoch noch nicht. Das könnte sich nun ändern: Mitte September hat der Bund kommuniziert, das Nationale Sportzentrum in Magglingen solle dereinst ebenfalls über Geothermie beheizt werden.

Auch in der Region Lenzburg wird mit dem Gedanken geliebäugelt, Wärme in Form von heissem Wasser aus der Erde zu pumpen. Das berichtet das «Regionaljournal Aargau-Solothurn» von Radio SRF.

Teure Anschaffung, günstiger Betrieb

Die SWL Energie AG arbeitet an einem entsprechenden Projekt, wie CEO Markus Blättler auf Nachfrage erklärt. Das Unternehmen denkt dabei besonders ans Fernwärmenetz: «2040 müssen wir unsere bestehenden Fernwärme-Heizzentralen ersetzen, am besten durch Geothermie.»

Das dürfte Investitionen im zweistelligen Millionenbetrag mit sich bringen, dafür deutlich tiefere Betriebskosten, so Blättler: «Unsere Holzschnitzel-Öfen sind mit drei verschiedenen Filtersystemen ausgestattet, um Feinstaub-Ausstoss zu verhindern – die funktionieren gut, sind aber in Sachen Kosten und Handling nicht ganz ohne.» Ausserdem hätten die Öfen eine begrenzte Lebensdauer von rund 20 Jahren, während eine Geothermie-Anlage – abhängig vom Mineralgehalt des Wassers – sehr viel langlebiger sei.

Jura-Ausläufer unter Lenzburg gut geeignet

In der Region sei die Situation in Sachen Geothermie besonders vielversprechend, führt Blättler aus: «Die Jura-Gebiete eignen sich sehr gut für solche Projekte, wie auch die Thermalbäder in Schinznach, Baden oder Rheinfelden zeigen. Ein Ausläufer der geothermisch interessanten Zone geht bis nach Lenzburg, und den haben wir im Visier.»

Zusammen mit der ETH Zürich, der Universität Genf, Geneva Earth Resources und dem Verein Geothermische Kraftwerke Aargau (VGKA) befindet sich die SWL derzeit in der Planungsphase. Aktuell sichten sie die Ergebnisse verschiedener Vorstudien, die beispielsweise auch die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) bei Bohrungen durchgeführt hat.

Keine Erdbeben erwartet

Blättler erwähnt beispielsweise einen Standort beim Autobahnanschluss oder einen zwischen Schafisheim und Lenzburg, nahe der letzten Nagra-Bohrung: «Vielleicht entscheiden wir uns schliesslich auch für zwei Bohrungen, das klären wir jetzt alles ab.» Auch abgeklärt wird, wie es um Unterstützungsleistungen von Bund und Kantonen steht – gerade der Kanton Aargau hat Interesse bekundet und das Vorprojekt mitfinanziert.

Geothermie löst bei vielen Menschen ein schlechtes Gefühl aus, man denkt an die eingestellten Projekte aus Basel oder St.Gallen, wo Bohrungen in grosser Tiefe spürbare Erdbeben verursacht hatten. Das soll in Lenzburg nicht passieren, versichert Blättler: «Da kein Kraftwerk geplant ist, brauchen wir nur Wassertemperaturen von 80 bis 100 Grad und nicht 150 oder sogar 200 Grad – sprich, wir müssen viel weniger tief bohren.» Rund 2000 Meter tief soll gebohrt werden, in Basel waren es beispielsweise 5000 Meter. Ausserdem zapfe man nur bestehende Wassermengen in der Erde an, pumpe das heisse Wasser hoch und kaltes wieder nach unten, ohne dass dabei Gesteinsstrukturen gesprengt würden wie beispielsweise in Basel.

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