Lenzburg
Strenges Regime: Wie ein Altersheim gut durch eine Pandemie kommen kann

Das Lenzburger Alterszentrum Obere Mühle hat Corona bisher gut überstanden. Und doch übt es auch Kritik – an sich und an den Behörden.

Florian Wicki
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Michael Hunziker (l.), Geschäftsleiter des Alterszentrums Obere Mühle und Heidi Berner, Verwaltungsratspräsidentin

Michael Hunziker (l.), Geschäftsleiter des Alterszentrums Obere Mühle und Heidi Berner, Verwaltungsratspräsidentin

Florian Wicki

Man sei schon froh über den Neubau des Alterszentrums Obere Mühle in Lenzburg im Jahr 2016, sagten Michael Hunziker, Geschäftsleiter des Zentrums, und Heidi Berner, die Verwaltungsratspräsidentin, am Montag vor den Medien.

Durch die modernere und deutlich offenere Architektur habe das Zentrum seit Beginn der Coronakrise im Frühjahr 2020 von den durchgängig 98 Bewohnerinnen und Bewohnern kaum eine Handvoll Klagen erhalten, sehr wenigen sei die Decke auf den Kopf gefallen.

Strenge Massnahmen lohnen sich

Dafür hätten sich viele Bewohner wie auch Angehörige über das strenge Regime bedankt, das die Heimleitung zu Beginn der Krise eingeführt hatte: Desinfizieren, Fiebermessen beim Empfang, Abstand halten, Testen, und so schnell wie möglich Impfen.

Durch die strengen Massnahmen konnten die Anzahl der Erkrankten im Zentrum im Rahmen gehalten werden, es waren deren genau 20 bis dato, fünf Bewohnende und 15 Angestellte. Alle seien inzwischen aber wieder genesen, so dass das Alterszentrum Obere Mühle bisher keinen einzigen Coronatoten verzeichnet hatte.

Auch das Personal ist zufrieden – und bleibt

Stattdessen habe man seit März 2020 im Schnitt nie weniger als 96 Prozent der verfügbaren Betten belegt gehabt, also fast alle der insgesamt 98 Betten. Das erkläre auch das – trotz Corona – erfreuliche Jahresresultat des Zentrums. Trotz Pandemie-Kosten und Coronaprämien für das Personal schreibt das Zentrum immer noch schwarze Zahlen. Gleichzeitig sei trotz der starken Beanspruchung des Personals auch die Fluktuation der Belegschaft auf dem mit Vorjahren vergleichbaren Wert von 6,9 Prozent verblieben.

Doch auch das Alterszentrum Obere Mühle war für die Krise nicht in jeder Beziehung optimal aufgestellt, so Hunziker. So zum Beispiel bei den Notvorräten, die das Zentrum schon Jahre vor Corona angelegt hat. Diese hätten aber nur für wenige Wochen gereicht und wurden nun ausgebaut, dass sich das Zentrum für drei Monate versorgen kann.

Kommunikation ist weiterhin ausbaufähig

Noch härtere Kritik üben sowohl Hunziker als auch Berner an der Kommunikation der Behörden: «Die ständig neuen, teilweise widersprüchlichen Verordnungen aus Bern und Aarau zehren an den Kräften.», so Berner.

Und Hunziker führt ein Beispiel an: «Wir haben für den Betrieb der Cafeteria drei Konzepte erhalten: Jenes des Bundesamts für Gesundheit, jenes des Departements Gesundheit und Soziales und jenes von Gastrosuisse – und glauben Sie nicht, dass die drei übereinstimmen.»

Neue Alterswohnungen bereits vollständig besetzt

Dafür freut sich das Zentrum auf die Zukunft: Im Herbst bekommt es nämlich Zuwachs, dann sind die 42 neuen Alterswohnungen fertig, die für 10,8 Millionen Franken derzeit noch gebaut werden – 36 mit zwei und sechs mit einem Zimmer. Die sollen ab 1. Oktober bezogen werden, seit März sind schon alle besetzt. Auf der Warteliste seien auch schon elf potenzielle Interessenten, die man nun vertrösten müsse.