Lenzburg
SP-Stadtratskandidatin Beatrice Taubert-Baldinger: «Ich werde bestimmt nicht untergehen»

Neue Serie: Die AZ stellt die sieben Lenzburger Stadtratskandidierenden anhand eines standardisierten Fragebogens vor. Heute: Beatrice Taubert (SP) über unnötige Steuern, die Kanti-Pläne und die eigene Attraktivität.

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«Sinnvoll eingesetzte Steuergelder für Bildung und Kultur sind wichtig und dürfen nicht gekürzt werden.» - Beatrice Taubert-Baldinger, SP-Stadtratskandidatin.

«Sinnvoll eingesetzte Steuergelder für Bildung und Kultur sind wichtig und dürfen nicht gekürzt werden.» - Beatrice Taubert-Baldinger, SP-Stadtratskandidatin.

Fabio Baranzini

Frau Taubert, was stört Sie an Lenzburg?

Beatrice Taubert: Grundsätzlich liebe ich diese Stadt! Sie ist überschaubar, sozial gut durchmischt und hat ein enorm vielfältiges Vereins-und Kulturleben. Städtebaulich stört mich die zerschnittene Achse Bahnhof-Altstadt. Auf meinem Arbeitsweg mit dem Toblerone-Velo erlebe ich täglich, wie die markante Kernumfahrung und der Bahndamm Lenzburg in verschiedene Stadtteile trennen. Leider ist in nächster Zeit an diesen Bauwerken nicht zu rütteln. Es müssen also andere, neue Wege gefunden werden, die unterschiedlichen Quartiere räumlich und sozial zu vernetzen. Dann wäre da noch der Bahnhof – der überfällige Bahnhof…

Wie lange halten Sie es ohne Handy aus?

Erst seit diesem Jahr besitze ich ein Handyabo, davor nutzte ich Prepaid sehr sparsam. Seither hat sich die Gewohnheit schon verändert. Trotzdem geniesse ich die Ferienzeit im Chalet in Zinal ohne WLAN und meistens ohne Handy.

Warum sind Sie Politikerin geworden?

Bin ich denn Politikerin? Es war nie mein primäres Ziel, Politikerin zu werden. Ende der 80er-Jahre, während meiner Lehre als Hochbauzeichnerin, lag das Gipsmodell zur Kernumfahrung öffentlich auf. Die Erinnerung daran ist noch sehr lebendig. Schon damals dachte ich: Das darf so nicht gebaut werden! Das Interesse an der Mitgestaltung in der bzw. durch die Politik kam erst 2010 mit dem Eintritt in den Einwohnerrat. Mein Engagement in verschiedenen Bereichen gibt mir das nötige Rüstzeug, in der Politik mitzuwirken.

Warum ist Andreas Glarner ein guter Politiker?

Ist er denn Politiker? Vielleicht fehlt ihm eben manchmal das nötige Rüstzeug, um in der Politik mitzuwirken... ;-)

Wofür werden zu viele Steuergelder ausgegeben?

In Lenzburg finde ich die Steuergelder mehrheitlich sehr gut eingesetzt. Die Investitionen in Schulbauten, andere Liegenschaften und die Infrastruktur erzeugen einen Mehrwert für die Stadt, welcher im Finanz-vermögen ausgewiesen wird und der ganzen Gesellschaft zugutekommt. Und schliesslich «gehört» dieser Wert auch allen Lenzburgerinnen und Lenz-burgern. Sinnvoll eingesetzte Steuergelder für Bildung und Kultur sind wichtig und dürfen nicht gekürzt werden.

Wenn Sie einfach so könnten: Wofür würden Sie 10 Millionen Steuer-Franken ausgeben?

Als Energiestadtkoordinatorin würde ich das Geld für die Umrüstung auf erneuerbare Energien ausgeben: Solaranlagen erstellen, Fernwärmenetze ausbauen, Gebäudesanierungen vorantreiben und möglichst autark werden. Umweltthemen und Klimaschutz werden uns weiterhin beschäftigen und in diesem Bereich müssen wir auch lokal dringend mehr tun. Dabei soll das Gewerbe vor Ort unterstützt werden und die Gelder, welche für Energie und den nötigen Umbau ausgegeben werden, in der Region bleiben.

Finden Sie, die bauliche Entwicklung wird durch das Bundesinventar für schützenswerte Ortsbilder (Isos) zu stark eingeschränkt?

Das Isos betrifft nur einen kleinen Teil von Lenzburg, aber einen sehr wichtigen, eben erhaltenswerten Teil. Die Altstadt, Bereiche der Ringzone und vereinzelte geschichtsträchtige Quartiere tragen stark zur Identität von Lenzburg bei. Wird in diese Gebiete zu stark eingegriffen, verliert oder ändert sich die städtebauliche Identität von Lenzburg. Sanierungen sind möglich und dürften meines Erachtens auch mal zeitgemässe Elemente aufweisen. Die bauliche Entwicklung in Lenzburg ist ausserhalb der Isos-Gebiete weiterhin möglich.

Haben Sie Verständnis dafür, dass sich viele Ortsbürger gegen eine Kanti auf dem Zeughausareal wehren?

Eher nicht… Ich verstehe zwar die Argumentation, dass die Ortsbürger neben Wald und Kies längerfristig andere Einnahmequellen benötigen. Durch Abgabe des Grundstückes an den Kanton im Baurecht sind aber regelmässige Einnah-men gewährleistet. Eine Kanti bringt zudem weit mehr Nutzen als eine weitere Wohnüberbauung. Turnhallen, Aussenräume, Aula usw. sollen aus-serhalb der Unterrichtszeiten durch die Stadt, die Bevölkerung, die Vereine genutzt werden können. Damit werden das Westquartier aufgewertet und bestehende räumliche Engpässe behoben.

Warum könnten Sie sich vorstellen, im Quartier Im Lenz zu wohnen?

Weil es ein 2000-Watt-Areal ist, sich nahe am Bahnhof befindet und kostengünstige Wohnungen anbietet. Das ursprüngliche Konzept des Areals war sehr gut. Die Investoren optimierten bei der Realisation leider oft zu Lasten der Qualität. Mir gefällt das Konzept des Grünraums, der vom Aabachpark in die Siedlung wächst und sich zum Bahnhof hin in städtische, bespielbare Flächen auflöst. Einzig für den Markus Roth-Platz muss noch eine gemütliche «grüne Möblierung» gefunden werden. Und auf den Dächern fehlen die PV-Anlagen.

Was finden Sie attraktiv an sich?

Ich hoffe, diese Frage gilt nicht nur den Kandidatinnen… Relevant für das Amt: Als langjährige Schwimmerin werde ich bestimmt nicht untergehen, auch wenn das Wasser bis zum Hals steht.

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