Kinderbetreuung
Lenzburg sieht sich weiterhin als familienfreundliche Stadt

Zurückgehend auf eine Motion von SP, GLP, CVP, EVP und Grüne aus dem Frühling 2012 legte der Stadtrat Lenzburg ein umfangreiches Paket für familien- und schulergänzende Kinderbetreuungsangebote für Schüler vor.

Fritz Thut
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Der Einwohnerrat in Lenzburg.

Der Einwohnerrat in Lenzburg.

Pascal Meier

Der Rat hiess die auf die Bereiche Früh-, Nachmittags- und Ferienbetreuung sowie Mittagstisch aufgegliederte Vorlage jeweils gegen die geschlossen Nein stimmende SVP-Fraktion mit 28 zu 9 gut.

Subjektbezogene Subventionen

Für Sabine Sutter (CVP) als Sprecherin der Geschäftsprüfungs- und Finanzkommission (GPFK) schliessen die beschlossenen Massnahmen «eine Lücke», die nach dem Schuleintritt der Kinder entstehen könnte: «Für Vorschulkinder besteht schon ein genügendes Angebot.»

Für Sutter stimmt auch die vorgeschlagene Lösung, wonach private Organisationen als Anbieter auftreten und «die Stadt die Rahmenbedingungen festlegt, die Infrastruktur zur Verfügung stellt und subjektbezogene Subventionen leistet».

Diese Subventionen sind abhängig von den Einkommensverhältnissen der Eltern; wer mehr verdient, bezahlt auch mehr. Die GPFK-Sprecherin unterstrich weiter die Tatsache, dass es freiwillig ist, diese Angebote zu nutzen.

Fass ohne Boden?

Als «notwendig» erachtete FDP-Sprecher Adriano Beti den vorgeschlagenen Ausbau der Betreuungsmassnahmen, machte aber zwei Vorbehalte: Bei der Festlegung der Tarife müsse auch der Wohnort der Kinder berücksichtigt werden.

Und: «Wecken diese Angebote nicht weitere Begehrlichkeiten? Wird das zu einem Fass ohne Boden?» Rund 120 000 Franken kosten die Massnahmen pro Jahr. Man werde die Gelder bei den jährlichen Budgetberatung «jeweils objektiv und kritisch hinterfragen».

«Nicht Sache der Stadt»

Bereits jetzt strikte gegen die neuen Angebote sprachen sich die SVP-Einwohnerräte aus: «Wir können uns mit dieser Idee nicht anfreunden», so Sprecherin Edith Zeller: «Kinderbetreuung ist nicht Sache der Stadt.» Mit den «recht ansehnlichen Subventionen» würden zudem rein private Angebote konkurrenziert.

Für alle andern Redner war unbestritten, dass ein solches Betreuungsangebot bereitgestellt werden muss. Daniel Frey (EVP) ortete auch die Ursache: «Die Gesellschaft hat sich halt verändert.»

Für Beatrice Taubert (SP) war der stadträtliche Vorschlag «eine sehr gute Lösung»: «Die Nachfrage wird über den Erfolg entscheiden.» Taubert wie auch Urs Egloff (CVP) sehen die Massnahmen als Puzzlestein fürs Image der Stadt: «Damit kann Lenzburg seinen Ruf als familienfreundliche Stadt halten.»

Probleme für den Mittelstand

Nur «als guten Start» titulierte Daniel Fischer (GLP) die stadträtliche Vorlage. Die vorgeschlagenen Betreuungsangebote würden zwar «zu einem attraktiven Wirtschaftsstandort Lenzburg» beitragen, «weisen aber noch gewisse Lücken auf».

Fischer verwies auf Probleme bei der vorgeschlagenen Elternbeitragsbemessung. Für die ganz Reichen und die Armen (die fast nichts selbst bezahlen müssen) sei das Ganze kein Problem, aber «der Mittelstand wird übermässig belastet». Vor allem bei mehreren Kindern werde es für solche Familien «richtig happig».