Lenzburg
Lenzburg schmeisst Skandal-Arzt aus der Sozialkommission

Der wegen sexuellen Handlungen verurteilte Arzt darf nicht mehr in der Sozialkommission von Lenzburg mitwirken. Die Zuständigen haben den umstrittenen Medizinier brieflich aus dem Gremium komplementiert.

Silvan Hartmann
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Skandal-Arzt sitzt nicht mehr in der Sozialkommission.

Skandal-Arzt sitzt nicht mehr in der Sozialkommission.

Keystone

Das Departement Gesundheit und Soziales - Aufsichtsbehörde der Aargauer Hausärzte - solle endlich seine Verantwortung wahrnehmen und sein Konzept zur Vermeidung von sexuellen Übergriffen einer kritischen Prüfung unterziehen. Das schreibt Verena van den Brandt, Präsidentin der Stiftung Linda und Spezialärztin in Aarau, in einem offenen Brief an die zuständige Regierungsrätin Susanne Hochuli (az berichtete). Die Ärztin spricht damit den Fall des verurteilten Lenzburger Hausarztes an, der trotz Verurteilung wegen mehrfacher Ausnützung einer Notlage und versuchter Nötigung weiterhin praktizieren darf.

Im Gegensatz zum Kanton hat die Stadt Lenzburg in der Zwischenzeit gehandelt: Der verurteilte Hausarzt sass bis zu den Medienberichterstattungen noch in der Sozialkommission - gewählt vom Stadtrat für die Amtsperiode bis 2013. Nun wurde dem Lenzburger Hausarzt jedoch per Brief mitgeteilt, dass seine Mitgliedschaft in der Kommission bis auf weiteres sistiert wird, wie die Lenzburger Stadträtin Heidi Berner Recherchen der Aargauer Zeitung bestätigt.

Wer sich zudem auf der Internetseite der Stadt Lenzburg durch die Kommissionen klickt, bemerkt, dass bei allen Kommissionen sämtliche Mitglieder aufgelistet sind - ausser bei der betroffenen Sozialkommission. Dort ist lediglich die Kommissions-Präsidentin, Stadträtin Heidi Berner, aufgeführt. «Zu unserem Schutz und zum Schutz des Arztes», wie Berner sagt. Der Hausarzt wollte wiederum auf Anfrage bei dessen Anwalt keine Stellung beziehen.

«Den Brief hat es gebraucht»

Van den Brandt darf derweil auf namhafte Unterstützung aus der Politik zählen: Mit Sylvia Flückiger (SVP), Ruth Humbel (CVP) und Corina Eichenberger (FDP) sitzen gleich drei Aargauer Nationalrätinnen im Unterstützungskomitee der Stiftung Linda. Sie begrüssen auf Anfrage das Vorgehen der Stiftungspräsidentin: «Diesen Brief hat es gebraucht», sagt Sylvia Flückiger. Auch Ruth Humbel will nicht, dass Behörden wegsehen: «Obwohl ein Gerichtsurteil in dem Fall vorliegt, wurden keinerlei Massnahmen ergriffen. Ich finde das bedenklich.» Ob die Bewilligung entzogen werden müsse, sei jedoch eine andere Frage. «Wichtig ist, dass nichts tabuisiert wird.» Corina Eichenberger geht einig: «Gut, dass es thematisiert wird.»

Beim Kanton betont man, dass der Fall neun Jahre zurückliege und unter der heutigen Departementsleitung von Regierungsrätin Susanne Hochuli «mit Sicherheit anders beurteilt» würde. Und trotzdem darf der Hausarzt noch immer praktizieren.