Lenzburg
Regionale Traditionen leben wieder auf: «Der Verzicht tat uns von Herzen weh»

Der Joggeli-Umzug der Schützengesellschaft Lenzburg musste im vergangenen Jahr ausfallen. Auch die Chlauschlöpfer konnten sich nur online messen. Dieses Jahr finden die Traditionen wieder statt.

Anja Suter
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Der Joggeliumzug ist der Abschluss des Schützenjahres in Lenzburg.

Der Joggeliumzug ist der Abschluss des Schützenjahres in Lenzburg.

Madeleine Baumann

Letztes Jahr blieb es Ende Oktober in der Lenzburger Altstadt hell. Strassenbeleuchtung und Schaufenster leuchteten wie in jeder Nacht. Was für Ortsunkundige normal scheint, war für Madeleine Baumann, Präsidentin der Schützengesellschaft Lenzburg, ein trauriger Abend. Zwei Tage vor der Durchführung musste sie das traditionelle Absenden und den Joggeli-Umzug absagen. «Der Verzicht tat uns von Herzen weh. Vor allem auf etwas, dass so lange Tradition hat», sagt Madeleine Baumann.

Umso schöner ist es, dass die Schützengesellschaft das Ende des Schützenjahres heuer wieder feiern kann. Wenn auch in leicht abgespeckter Form. Am Freitag, 28. Oktober treffen sich die Schützen für das traditionelle Absenden in der Krone. Auf das Einladen von anderen Gesellschaften wurde coronabedingt verzichtet. Die beiden Stadträte Andreas Schmid und Martin Steinmann werden aber anwesend sein. «Die Obrigkeit lädt man ein», sagt Baumann. Nach dem Znacht werden die erfolgreichen Schützinnen und Schützen ausgezeichnet.

Punkt Mitternacht im Beistellschritt durch die Altstadt

Ab 22.30 Uhr fangen die Vorbereitungen für den Joggeli-Umzug an. «Dann wird eingekleidet und geübt», sagt Baumann. Die Schützen hüllen sich in weisse Leinentücher und tragen geknüpfte Servietten auf dem Kopf. Madeleine Baumann nimmt am Umzug nicht teil, sie macht aber Fotos «und wenn jemand nicht weiss, was die weissen Gestalten da machen, erkläre ich es gerne», sagt sie.

Wenn um Mitternacht 40 Männer in Leintücher gehüllt durch die Altstadt ziehen ... Der Joggeli-Umzug 2019 im Video.

Simone Morger

Punkt Mitternacht gehen alle Lichter aus und mit dem Umzug startet die Prozession für die Öffentlichkeit beim Kronenplatz. Die Schützen wanken im Beistellschritt durch die Altstadt und singen dabei die Joggeli-Litanei. «Die Rollen sind dabei aufgeteilt: Die Schellenbuben läuten die Strophen ein und ab, die Vorsänger geben den Text vor und der Chor übernimmt», sagt Baumann.

Dieses Jahr dürfen sich die besten Chlauschlöpfer wieder auf dem Platz messen.

Dieses Jahr dürfen sich die besten Chlauschlöpfer wieder auf dem Platz messen.

Fabio Baranzini

Auch eine weitere regionale Tradition wird dieses Jahr wieder gelebt. Ab November wird es in den Gassen laut. Die Geschichte hinter dem Chlauschlöpfe ist nicht in jeder Gemeinde gleich, doch die bekannteste Fassung ist die, die Hanspeter Gehrig, Präsident der Chlauschlöpfer Region Lenzburg erzählt. «Die bösen Mädchen und Buben haben dem Chlaus einen Streich gespielt und Erbsen auf den Treppen zum Gofi verstreut, die zur Wohnung des Samichlaus führten. Er fielt die Stufen herunter und gelobte, keine Besuche mehr zu machen. Um den Samichlaus wieder hervorzulocken, chlöpften die Mädchen und Buben ihre Geisseln.»

Die Chlauschlöpfer sind im letzten Jahr trotz Corona nicht verstummt, doch die grossen Wettbewerbe, wo sich Jung und Alt messen, die fielen aus. Als Trost wurde ein Online-Wettbewerb veranstaltet. «Für uns war es im vergangenen Jahr ein riesiger Frust, dass wir den Wettkämpfen den Stecker ziehen mussten», sagt Gehrig.

Eine Tradition, die Generationen verbindet

Dieses Jahr finden die lokalen Wettkämpfe in 15 Gemeinden im Bezirk Lenzburg statt. Die Besten messen sich, wie jedes Jahr, am Sonntag nach dem Chlausmärt. Dieses Jahr wird der Regionalwettkampf am 12. Dezember in Ammerswil ausgetragen. «Nach heutigem Stand planen wir so, dass es Zertifikatspflicht in den Festbeizen geben wird», sagt der Präsident. Die Chlauschlöpfer hoffen auf gutes Wetter. «Wir werden aber in jedem Fall auch so planen, dass es Platz im ‹Schärmen› hat», sagt Gehrig. Die Freude, dass sie dieses Jahr wieder Wettkämpfe durchführen dürfen, sei gross und die Einschränkungen verkraftbar. Der Online-Wettbewerb sei eine tolle Idee gewesen, «aber das Schöne am Chlauschlöpfen ist vor allem die Stimmung wenn die Leute zusammenkommen.» Es ist eine Tradition, die Generationen verbindet.

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