Lenzburg
Neuer Bushof, grüner Park und «Seetaler» mit Barriere: So will die Stadt den Bahnhof umgestalten

Voraussichtlich ab 2023 wird der Bahnhof Lenzburg für mehrere Jahre zur Grossbaustelle. Nach den SBB wird die Stadt selbst bauen – auf dem Plan stehen unter anderem mehr Veloabstellplätze, ein neues Bahnhofsquartier und das Park-Areal «grüne Pause».

Valérie Jost
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So könnte der neue Bahnhof aussehen; in der Bildmitte die Parkanlage «grüne Pause».

So könnte der neue Bahnhof aussehen; in der Bildmitte die Parkanlage «grüne Pause».

Van De Wetering/Hager Partner/Schneiter Verkehrsplanung

Am Lenzburger Bahnhof steht ein Generationenprojekt an. Nachdem die Stadt schon bald die Bahnhofstrasse saniert, wollen die SBB im Sommer 2023 mit ersten Umbauarbeiten am Bahnhof beginnen und keinen Stein auf dem anderen lassen (AZ vom 29. Oktober). Es gibt eine zusätzliche Unterführung, die Perrons werden breiter, länger und anders angeordnet, der einsame «Seetaler» wird in die Gleisanlage integriert, das Bahnhofsgebäude sowie die bestehende Unterführung werden abgerissen und neu und kundenfreundlicher gebaut.

Doch damit – die SBB rechnen mit der Inbetriebnahme im Dezember 2029 – wird das Projekt noch nicht abgeschlossen sein. Nachdem die SBB die Baustelle geräumt haben wird, wird die Stadt sie praktisch nahtlos übernehmen: für die Gestaltung des Bahnhofplatzes, des Bushofs und des Quartiers zwischen Bahnhof und Murackerstrasse. Wegen der Platzverhältnisse – und da der laufende Betrieb aufrechterhalten werden muss – ist gleichzeitiges Bauen nicht möglich.

Die momentane Planung ist voraussichtlich das Ende einer langen Odyssee mehrerer Umgestaltungsanläufe – zuletzt scheiterte 2014 das Projekt Loop. Nun hat die Stadt kürzlich eine Test- und Syntheseplanung abgeschlossen.

Bauen «am offenen Herz» macht Provisorien nötig

Als Erstes, ab 2030 will die Stadt den Bushof neu bauen. Dieser wird nach Westen verlegt, zwischen die neuen Personenunterführungen der SBB. «Dadurch schaffen wir kürzere Umstiegswege», so Christoph Schnegg, Leiter der Abteilung Stadtplanung und Hochbau. Die Busse werden an acht Haltekanten fahren und je nach Linie vor der Firma Schwarz Stahl AG (hinter der Post) wenden. «Dafür muss der Bushof zwar etwas in die Länge gezogen werden, doch total gesehen ist diese Lösung die platzoptimierteste», so Schnegg.

Während des Bushof-Baus wird es wohl lange Zeit Provisorien geben, da der Fahrplan weiter funktionieren muss. «Wir operieren sozusagen am offenen Herz», so Schnegg. Man werde aber auf eine Etappierung achten, «sodass ein Fortschritt sicht- und spürbar ist», ergänzt der zuständige Stadtrat Martin Stücheli.

Unter dem Bushof ist eine Tiefgarage vorgesehen. Mit wie vielen Plätzen ist noch offen – gemäss der funktionalen Studie Verkehr gibt es heute 260 Park&Rail-Plätze, die aber nicht alle ausgenutzt werden. Der Verkehr und die Bedürfnisse nach Abstellplätzen werden sich ändern und so sei eine saisonale (etwa im Sommer) Teil-Umnutzung zu Veloabstellplätzen denkbar, so Stücheli.

«Seetaler» muss mit Barriere durch den grünen Park

Ab Ende 2031 soll das Bahnhofsquartier umgestaltet werden. Dem Stadtrat schwebe hier eine «neue städtebauliche Identität» vor, so Stücheli. Vorstellbar seien Geschäfte, Büros, Wohnungen, Bildungseinrichtungen, Versorgung und Gastronomie sowie Hotellerie.

Ab Mitte 2033 steht dann das Teilgebiet Ost an, wo die Stadt eine «grüne Pause» plant: Es solle ein «lebendiger, attraktiv gestalteter Ort der Begegnung mit hoher Aufenthaltsqualität durch zum Verweilen einladender Grünräume mit Sitzmöglichkeiten» entstehen, so Stücheli. Die grosse Herausforderung wird der «Seetaler», der das Areal durchschneiden wird: Sein bisher eigenes Gleis gegenüber des Bahnhofsgebäudes wird aufgehoben und in die Gleisanlage eingeführt. «Hier wird eine Barrierelösung nötig», sagt Stücheli. Wie diese genau aussieht, wird Gegenstand einer Vertiefungsstudie sein, die Ende März 2022 fertig sein soll.

Ebenfalls Teil dieser Studie ist eine Velostation im Gebiet Ost (Hero-Unterführung beim Kreisel) mit 820 geplanten Abstellplätzen. Die Unterführung bleibt bestehen; allenfalls werde die Rampe zur Einfahrt in die Station angepasst, so Schnegg. Weitere 530 Plätze sollen in einer westlichen Velostation (bei der neuen Unterführung) entstehen. Gesamthaft sollen zehn Prozent der Plätze in einem bedienten Teil der Station gesichert sein. Bestehen bleiben die oberirdischen Plätze auf der Seite des Quartiers «Im Lenz»: 380 an der Breitfeldstrasse und 70 bei der Wolfsackerstrasse.

Je nach Baukosten wird das Volk über Teilprojekte befinden müssen. Ob die Umgestaltungs-Odyssee endlich Geschichte ist, wird sich also an der Urne zeigen.

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