Lenzburg
Nächtliche Spritztour endet vor Gericht: «Ich weiss nicht, wieso ich immer wieder Drogen genommen habe»

Eine Seetalerin konsumiert über Jahre Kokain und Heroin, bis sie 2021 den Entzug schafft. Vor Gericht ist sie geständig und bereut ihre Taten, die geforderte Strafe findet sie gerecht.

Anja Suter
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Der Fall von Janine wurde vor dem Bezirksgericht in Lenzburg verhandelt.

Der Fall von Janine wurde vor dem Bezirksgericht in Lenzburg verhandelt.

Chris Iseli

«Es lief alles so ab, wie es in der Anklageschrift steht.» Mit dieser Aussage verblüffte Janine (alle Namen geändert) die Anwesenden vor Gericht gleich zu Beginn der Verhandlung. Aufmerksam sitzt die Frau, Ende 30, mit pinken Hosen und langen schwarzen Haaren vor Gerichtspräsident Daniel Aeschbach, hört ihm aufmerksam zu und beantwortet seine Fragen mit klarer Stimme. Janine ist ohne ihre Anwältin vor Gericht erschienen. Mit der Strafforderung der Staatsanwaltschaft ist sie einverstanden, die geforderte unbedingte Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu je 40 Franken und die Busse von 200 Franken seien gerecht.

Nächtliche Ausfahrt nach Drogenkonsum

Grund für die Gerichtsverhandlung ist ein Vorfall in der Februarnacht 2020. Nach Mitternacht nimmt Janine die Autoschlüssel ihres Lebenspartners David. Er schläft und bemerkt nichts davon, dass die zweifache Mutter das Haus im oberen Seetal verlässt, ins Auto steigt und Richtung Turgi losfährt. «Ich wollte ein 18-jähriges Mädchen abholen, dass von ihrer Mutter rausgeschmissen wurde», erklärt sie vor Gericht. Doch es gab zwei Probleme. Janine steht zum Zeitpunkt ihres nächtlichen Ausfluges unter Drogen, sie hat gemäss Anklageschrift Kokain konsumiert und in ihrem Blut findet sich später auch Morphin, welches in dem Medikament «Sevre-Long» enthalten ist, dass Janine zu diesem Zeitpunkt täglich einnahm.

Nach nicht mal der Hälfte der Strecke hat Janine eine Panne. Zwei Anwohnerinnen helfen ihr, das Auto an den Strassenrand zu schieben. Gemäss Anklageschrift verhielt sich Janine «hysterisch» und sagt den beiden Helferinnen, dass sie keinen Führerschein besitzt. Die Seetalerin ruft ihren Freund an, der sie abholt und nach Hause bringt. Eine der Helferinnen informiert derweil die Kantonspolizei, die um vier Uhr morgens bei Janine eintrifft und einen Drogentest vornimmt.

«Ich war gar nicht gerne ‹drauf›»

Heute hat Janine mit illegalen Substanzen nichts mehr am Hut. Bis vorletztes Jahr habe sie aber regelmässig Kokain und Heroin konsumiert. Seit Februar 2021 gibt sie wöchentlich eine Urinprobe ab und geht zur Therapie. «Es ist super, ich kann das Gelernte gut umsetzen und es läuft auch in der Familie besser.»

Janine hat zwei Kinder, der Sohn lebt bei ihr, die Tochter bei einer Pflegefamilie, Janine sieht sie aber regelmässig. Die Rückplatzierung ist in Planung. Die Mutter und Hausfrau erhält Sozialhilfe. Mit Partner David ist sie seit vier Jahren in einer Beziehung und sie wohnen zusammen, «wir kennen uns schon seit der Sekundarschule», erklärt sie. Ihre Drogensucht bereut sie heute sehr: «Ich war gar nicht gerne ‹drauf› und weiss auch nicht, wieso ich immer wieder Drogen genommen habe.»

Ein Gutachten sorgt für eine Strafminderung

«Wenn man sich Ihr Strafregister ansieht, erschrickt man fast ein wenig», sagte Aeschbach zu Janine. Unter anderem wurde sie auch für einen Raub verurteilt. Ihre Taten bereut die zweifache Mutter, sie seien alle in Verbindung mit dem Drogenkonsum gestanden. Aus einer früheren Verurteilung steht für sie auch noch eine unbedingte Haftstrasse von sechs Monaten an. Diese wird sie in Halbgefangenschaft verbringen. Heisst: Janine muss nur am Abend ins Gefängnis, den Tag kann die Mutter und Hausfrau mit ihren Kindern verbringen.

Für ihre nächtliche Autofahrt unter Drogeneinfluss und den Drogenkonsum verurteilte das Bezirksgericht Lenzburg sie zu der, von der Staatsanwaltschaft geforderten, unbedingten Geldstrafe. Diese sei tief, sagte Aeschbach. Der Grund dafür ist unter anderem ein früheres Gutachten, dass Janine Strafminderung aufgrund des Drogenkonsums bescheinigt. «Lassen sie zukünftig die Finger und auch die Nase von Drogen, sie haben auch ihren Kindern gegenüber eine Vorbildfunktion», ermahnte sie der Gerichtspräsident zum Schluss.

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