Lenzburg
Die Marschrichtung Zeughaus-Areal bleibt: Im Oktober soll der Bau der Kantonsschule zur Abstimmung kommen

Der Lenzburger Stadtrat will die Kantonsschule. Er hat seinen Vorschlag aber angepasst, damit die Ortsbürger finanziell nicht leer ausgehen.

Florian Wicki
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Eine Podiumsdiskussion sollte die Lenzburger Meinungsbildung stärken.

Eine Podiumsdiskussion sollte die Lenzburger Meinungsbildung stärken.

Florian Wicki

Die Wogen gingen hoch an der Informationsveranstaltung des Lenzburger Stadtrats am Montagabend in der Turnhalle der Berufsschule. Der Stadtrat wurde bereits im Dezember 2020 von den Ortsbürgern zurückgepfiffen, als er seinen Vorschlag von einer Mittelschule auf dem Zeughaus-Areal unter die Leute brachte.

Nun versucht er es noch einmal und hält am Zeughaus-Areal fest: Er will das Areal dem Kanton im Baurecht für den Bau einer Kantonsschule zur Verfügung stellen. Neben der Aufwertung des Bildungsstandorts Lenzburg biete die Kanti Synergien mit der Schule Lenzhard und den Sportanlagen sowie Kultur- und Sportmöglichkeiten für die gesamte Stadt.

«Der Standort Wil soll freigehalten werden»

Den Alternativvorschlag Wil (auf der Wilmatte), der Anfang Jahr aus dem Kreis der Ortsbürger kam, hat der Stadtrat ebenfalls geprüft. Der werde aber nicht weiterverfolgt, erklärte SVP-Stadtrat Martin Stücheli:

«Der Standort Wil soll zum jetzigen Zeitpunkt für die Entwicklungsmöglichkeiten der Sport- und Freizeitanlagen und der Naherholung freigehalten werden.»

Also geht es nur noch ums Zeughausareal. Dieses könnte aber auch anderweitig genutzt werden: Der Stadtrat wurde letzten Dezember beauftragt, die finanziellen Auswirkungen einer Überbauung durch die Ortsbürgergemeinde abklären.

Zwischen 15000 und 1,5 Millionen Franken Gewinn

Geprüft hat er vier Szenarien: Im Status Quo, also wenn das Zeughausareal frei bliebe, betrüge der Gewinn der Ortsbürgerversammlung durch bisherige Mieterträge auf 2040 projiziert 15000 Franken, die Schulden 1,3 Millionen Franken. Mit der inzwischen vom Stadtrat präferierten Lösung, also dem Baurechtsvertrag, blieben die Schulden gleich, der Gewinn würde auf 200'000 Franken ansteigen.

Die Überbauung des Areals durch die Ortsbürger würde ihnen 2040 einen Gewinn von 1,5 Millionen Franken einbringen, dafür auch Schulden in Höhe von 63 Millionen Franken. Schliesslich brachte der Stadtrat noch eine vierte Option ins Spiel, den obigen Baurechtsvertrag mit einer Überbauung der «Seifi» und des Bezirksgebäudes kombiniert: Dabei betrüge der Gewinn 770'000 Franken und die Schulden 20 Millionen.

Bauboom soll nicht weiter befeuert werden

In der Podiumsdiskussion zeigte sich, dass sich Kanti-Gegner (Michael Häusermann, Einwohnerrat SVP und Christoph Moser, alt Stadtschreiber) und Befürworter (Barbara Portmann-Müller, Grossrätin GLP und Daniel Mosimann, Stadtammann) nur in wenigen Aspekten einig sind. Zum Beispiel darin, dass Lenzburg in den letzten Jahren einen enormen Bauboom erlebt hat und dass man diesen nicht noch befeuern muss.

Für Häusermann und Moser heisst das einfach, dass die Fläche des Zeughaus-Areals in der Stadt nicht auch noch bebaut werden soll. Und für Portmann-Müller und Mosimann, dass eine Mittelschule statt eine Wohnüberbauung das Areal besiedeln soll.

Ausserordentliche Versammlung im Herbst

Der Stadtrat plant nun nach ausgiebiger Kommunikation mit dem Beirat der Ortsbürgergemeinde, die Argumente der verschiedenen Seiten als Videobotschaften auf der Webseite der Stadt zu veröffentlichen, um die Meinungsbildung zu vertiefen.

Weiter soll im September eine zweite Informationsveranstaltung stattfinden, und schliesslich am 25. Oktober eine ausserordentliche Ortsbürgerversammlung, um den neuen Vorschlag zur Abstimmung zu bringen. Alles im straffen Zeitplan, damit allenfalls – bei positivem Ausgang für den Stadtrat – die Stadt ihre Kanti-Bewerbung an den Kanton im Frühling abschicken kann.

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