Lenzburg
Marianne Binder ermutigt Kandidatinnen für den Einwohnerrat: «Was die Lust zu streiten angeht, können wir noch etwas von den Männern lernen»

Ein bürgerliches Komitee lud zu einem Frauendiskussionsabend im Lenzburger Burghaldenhaus. Obwohl es eine parteiübergreifende Debatte werden sollte, kamen keine linken Politikerinnen. Das grosse Thema des Abends: Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Zara Zatti
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Der Frauenabend in Lenzburg: Vorne links: Marianne Binder-Keller, rechts: Christina Bachmann-Roth. Sitzend ganz links: Iris Bachmann, ganz rechts: Yvonne Hauert.

Der Frauenabend in Lenzburg: Vorne links: Marianne Binder-Keller, rechts: Christina Bachmann-Roth. Sitzend ganz links: Iris Bachmann, ganz rechts: Yvonne Hauert.

Zara Zatti

«Wenn man will, kann man in Lenzburg ausschliesslich Frauen wählen», sagte Christina Bachmann-Roth, Mitte-Einwohnerrätin von Lenzburg. Sie lud am Donnerstagabend, zusammen mit Myrtha Dössegger (SVP) und Corinne Horisberger (FDP) zu einem Diskussionsabend im Burghaldenhaus. Thema: Die Einwohnerratswahlen vom 28. November, konkreter: Die Frauen im Einwohnerrat. 43 der 117 Kandidierenden sind dieses Jahr Frauen, aktuell sind 14 der insgesamt 40 Plätze im Einwohnerrat von Frauen besetzt.

Marianne Binder-Keller, Mitte-Nationalrätin und Präsidentin der Mitte Aargau, hielt ein Input-Referat. Sie ermutigte die anwesenden Frauen, darunter einige Kandidatinnen für den Einwohnerrat, sich als Politikerinnen einzubringen. Noch immer seien Frauen zurückhaltend, wenn es darum geht, sich aktiv in die Politik einzubringen.

«Viele haben keine Lust, in einer Debatte angeranzt zu werden. Was die Lust zu streiten angeht, können wir noch etwas von den Männern lernen.»

Sie selber habe diese Erfahrung gemacht, als sie zum ersten Mal in die «Arena» von SRF geladen war. Es sei zu einer hitzigen Diskussion gekommen, «aber nach der Sendung haben alle Männer entspannt zusammen ein Bier getrunken». Und genau das sei doch das Spannende an der Politik:

«Man lernt Einstecken, und nicht alles persönlich zu nehmen.»

Binder-Keller sprach eines der grossen Themen der heutigen Gleichstellungsdebatte an: die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Dabei müsse man nicht nur auf bezahlbare Kitaplätze fokussieren, sondern auch den Stellenwert von Familienarbeit erhöhen. «Aktuell wird die Zeit, die in die Familienarbeit investiert wird, als Biografielücke angesehen, obwohl man dabei wichtige Kompetenzen erlernt.»

Die Kandidatur habe Überwindung gekostet

Dieser Meinung schlossen sich einige Kandidatinnen für den Lenzburger Einwohnerrat in der anschliessenden Debatte an. Obwohl der Abend als parteiübergreifende Diskussionsrunde angepriesen wurde, waren keine linken Politikerinnen anwesend. Iris Bachmann, Mitte-Kandidatin, sagte zum Thema: «Der Beruf der Haushälterin war früher hoch angesehen. Ich finde es schade, dass der Begriff Hausfrau eine solche Entwertung erfahren hat.»

Die 27-jährige Ruby Häusermann kandidiert dieses Jahr zum ersten Mal als Einwohnerrätin für die FDP. Sie ist Lehrerin an der Sek I in Lenzburg und machte sich für bessere Tagesstrukturen an den Schulen stark: «Die personellen Ressourcen wären vorhanden, doch uns fehlt der Platz.» Sie plädierte dafür, bei der Bildung nicht zu sparen: «Die Kinder sind unsere Zukunft.»

Einig waren sich die Kandidatinnen, dass es sie eine gewisse Überwindung gekostet habe, für das Amt zu kandidieren. Die 33-jährige Linda Herzog liess sich dieses Jahr zum ersten Mal auf die Liste für die FDP setzen. Sie musste sich einen Ruck geben, tatsächlich zu kandidieren: «Ich sehe es als meine Verantwortung, mich in der Politik einzubringen. Es ist wichtig, dass man sich aus seiner Komfortzone herauswagt.»

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