Lenzburg
Kosovare zündet Auto an, demoliert eines mit Eisenstange und fährt ohne Ausweis – so bestraft ihn das Gericht

Ein 61-Jähriger mit einer psychischen Erkrankung landete vor dem Bezirksgericht Lenzburg. Er hatte unter anderem ein Auto mit einem Molotowcocktail in Brand gesetzt, ein weiteres Auto demoliert sowie einen Mann verletzt.

Valérie Jost
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Ein Beschuldigter, zwölf Delikte: Mit diesem Fall musste sich das Bezirksgericht Lenzburg kürzlich auseinandersetzen.

Ein Beschuldigter, zwölf Delikte: Mit diesem Fall musste sich das Bezirksgericht Lenzburg kürzlich auseinandersetzen.

Chris Iseli

17 Seiten lang ist die Anklageschrift gegen Malush (alle Namen geändert), die das Bezirksgericht Lenzburg kürzlich beschäftigte. Die Vorwürfe gegen den Kosovaren (61) reichen von Brandstiftung über Körperverletzung bis zu Sachbeschädigung, Beschimpfung, Drohung und versuchter Nötigung. Dazu kommen mehrere Vergehen im Strassenverkehr.

176 Tage war Malush in Untersuchungshaft, seit März dieses Jahres ist er wieder frei – als Ersatzmassnahme war er danach zuerst in stationärer, inzwischen in ambulanter Therapie und darf das Land nicht verlassen. Denn mit dem psychiatrischen Gutachten wurde bei ihm eine bipolare affektive Störung diagnostiziert, woraus eine mittelgradig verminderte Schuldfähigkeit resultierte.

«Ich bin letztes Jahr sozusagen mit dem Kopf gegen eine Wand gerannt», sagte Malush vor Gericht. Alles habe begonnen, als er sich von seiner Frau trennte. Der schwerwiegendste der zwölf verschiedenen Tatbestände ist die Brandstiftung: Wegen einer «Jahre zuvor vorgefallenen Auseinandersetzung» habe sich Malush an einer Bekannten rächen wollen, so die Anklageschrift. Dazu habe er deren Auto auf einem Firmenparkplatz in Othmarsingen mittels eines Molotowcocktails in Brand gesetzt und so 20'000 Franken Sachschaden angerichtet, so die Staatsanwältin.

Malush habe «beachtliche kriminelle Energie» gezeigt, da er seine Tat detailliert geplant habe: So habe er sich über die Herstellung von Molotowcocktails informiert, extra eine regnerische Nacht gewählt, seine Nummernschilder vorab demontiert und sein Handy in einem Laden deponiert.

Malush lebt seit 1983 in der Schweiz, hatte verschiedene Jobs und verkaufte als Nebenerwerb für wenige hundert Franken gekaufte Occasion-Autos weiter. «Manchmal machte ich einen kleinen Gewinn, manchmal keinen oder sogar Verlust», sagte er. Als Malush bei einem Verkauf sein Geld nicht erhielt – es geht um 400 Franken – und das Auto in Zürich stehen sah, «entschloss er sich aus Wut dazu, das Auto mit einer Eisenstange zu demolieren und sämtliche Scheiben einzuschlagen», so die Anklageschrift. «Ich wollte es unfahrbar machen», so Malush. Da kam Patrice, der das Auto von der neuen Besitzerin ausgeliehen hatte, dazwischen – Malush schlug aber weiter und traf Patrice am rechten Handgelenk, wo er ein Quetschtrauma und eine Rissquetschwunde verursachte. Zudem ging die Armbanduhr kaputt.

Weiterhin Auto gefahren, da er sich als fahrfähig einschätzte

Die mehrfache Beschimpfung, Drohung und versuchte Nötigung sowie der Missbrauch einer Fernmeldeanlage (hier: ein Telefon) richteten sich grösstenteils gegen den Leiter der psychiatrischen Einrichtung, in der Malush zeitweise behandelt wurde. Der Leiter hatte beim Strassenverkehrsamt eine Gefährdungsmeldung eingereicht, worauf Malush seinen Führerausweis abgeben musste. Aus Wut darüber habe er in der Einrichtung, so die Anklageschrift, «fast täglich» angerufen, den Leiter beleidigt, ihn auf dem Parkplatz abgepasst und bedroht – etwa, er werde sein Auto anzünden und ihn «so zusammenschlagen, dass die Sirene kommen muss».

Zudem fuhr Malush auch nach dem Entzug seines Führerausweises teilweise «quasi täglich» Auto, da er sich selbst als fahrfähig einstufte. Bei Kontrollen wurden dabei auch mehrfach falsche (teilweise selbst gebastelte) Kontrollschilder, das Fehlen von Versicherungsschutz, Fahrzeugausweis oder Autobahn-Vignette festgestellt.

«Es wäre dem Beschuldigten ohne weiteres zumutbar gewesen, seine Taten zu unterlassen», so das Plädoyer der Staatsanwältin. Malushs Anwalt hielt dem entgegen, das Argument widerspreche dem psychiatrischen Gutachten: «Malush ist kein böser Mensch, sondern primär krank und hat eine Behandlung verdient.»

Die Staatsanwaltschaft beantragte 30 Monate Gefängnis unbedingt plus ambulante Therapie, 40 Tagessätze à 20 Franken Geldstrafe, eine Busse von 1000 Franken und einen zehnjährigen Landesverweis. Zudem solle Malush die Untersuchungs-, Verfahrens- und die Anklagekosten tragen (total 22'240 Franken).

Gerichtspräsidentin Danae Sonderegger Coradi folgte den Anträgen mehrheitlich, sprach aber die 30 Monate teilbedingt aus: 24 Monate werden aufgeschoben, nur sechs sind unbedingt. Die und mehr hat er in der Untersuchungshaft aber bereits abgesessen, die somit überzähligen Hafttage würden an eine wegen allfälliger neuer Delikte ausgesprochene Haft angerechnet. Die ambulante Therapie wurde nicht angeordnet, da Malush nach Rechtskraft des Urteils des Landes verwiesen wird. Gemäss eigener Aussage möchte Malush nun im Kosovo alt werden und seine Mutter unterstützen.

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