Lenzburg
In über fünf Stunden am Brett erspielt sich der Team-Junior für seinen Schachclub den Sieg

Can-Elian Barth trat gegen einen Schachspieler an, dessen Stärke deutlich höher gewertet wird, als seine. Zur Überraschung aller holt Barth für den Schachclub Lenzburg den Sieg – und damit den Ligaaufstieg.

Eva Wanner
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Can-Elian Barth hat sich trotz deutlich schwächerer Spielerwertung gegen den Badener Konkurrenten durchgesetzt und so den Sieg für Lenzburg mitentschieden.

Can-Elian Barth hat sich trotz deutlich schwächerer Spielerwertung gegen den Badener Konkurrenten durchgesetzt und so den Sieg für Lenzburg mitentschieden.

Bild: zvg

Läuferopfer, Remis, ELO: Die Schachwelt hat ihr ganz eigenes Vokabular. Auch für Laien verständlich ist aber die Überschrift einer Mitteilung, die der Schachclub Lenzburg verschickt hat. «Lenzburg steigt in die Nationalliga B auf», heisst es dort.

Am Samstag sassen die Mitglieder der Teams Lenzburg und Baden an den Schachbrettern im Restaurant Krone in Lenzburg. Die beiden Teams machten im Rahmen der Schweizerischen Mannschaftsmeisterschaft unter sich den Aufstieg in die Nationalliga B aus.

Und da kommen eben «ELO» ins Spiel. Eingeführt von Arpad Elo, Physiker, Statistiker und erfolgreicher Schachspieler, gibt die ELO-Zahl die Stärke eines Spielers oder einer Spielerin an. Anfänger haben meist einen Wert von unter 1000, bei Punkten von 2500 bis 2699 spricht man von Grossmeistern – darüber von Super-Grossmeistern.

Dem Junior gelang ein Meisterstück

Das Turnier am Wochenende schliesslich unter sich entschieden haben für Baden Jochem Snuverik, der über 2400 ELO hat, und für Lenzburg der erst 19-jährige Can-Elian Barth aus Boniswil, dessen Wertung bei
2028 liegt. Eine Differenz von mehr als 300 ELO ist kaum aufzuholen, sagt Lothar Eichenberger, Spielleiter des Schachclubs Lenzburg. Trotzdem habe sich Barth zum Erstaunen seines Teams freiwillig für die entscheidende Partie gemeldet.

Nach über fünf Stunden hartem Kräfteringen die grosse Überraschung: Barth gewann. Als Meisterstück bezeichnet der Club, was dem Team-Junioren damit gelungen ist.

Mehr und stärkere Spieler

Dank diesem Sieg steigt Lenzburg nun in die Nationalliga B auf – als einziger Club aus dem Aargau. Eine grosse Freude, wie Eichenberger sagt, aber auch eine Herausforderung: «Wir brauchen stärkere Spieler und dann erst noch mehr.» Es müssen künftig acht Personen im Team sein (bisher sechs) und die gegnerischen Mannschaften sind in der höheren Liga ebenfalls stärker aufgestellt.

Auch wird das Team künftig mehr reisen: «Es ist vergleichbar mit Fussball – je höher die Liga, desto grösser der Radius.» Die Lenzburger werde es für Turniere bis nach St.Gallen auf der einen und bis nach Genf auf der anderen Seite der Schweiz führen. Und die Partien könnten dann auch einmal sechs oder sieben Stunden dauern. «Für einen Regionalverein wie unseren ist das etwas ganz Grosses!»

Immer am Donnerstagabend trifft sich der Club in der «Krone» Lenzburg, um Schach zu spielen. Anfänger sind willkommen, schon gespielt zu haben sei aber von Vorteil (Infos: www.schachclub-lenzburg.ch).

Dem Schachsport Aufschwung gegeben haben in letzter Zeit zwei Dinge: Die Tatsache, dass die Menschen während einer Pandemie mehr zu Hause sind und deshalb mehr Zeit haben, beispielsweise um Schach zu lernen. Und die erfolgreiche Netflix-Produktion «Damengambit». Eichenberger sagt zum komplexen Brettspiel: «Schach ist immer etwas schwieriger als das, was man gerade kann.»

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