Lenzburg

Lenzburg in «Kanti»-Zwickmühle

Das ehemalige Zeughaus (Mitte) und die Firma Artoz (Sheddach, rechts).

Das ehemalige Zeughaus (Mitte) und die Firma Artoz (Sheddach, rechts).

Das Zeughaus/Artoz-Areal musste aus der Gesamtrevision der Nutzungsplanung ausgeklammert werden.

Segen oder Fluch? Die Stadt Lenzburg ist als möglicher neuer Mittelschulstandort im Gespräch (die AZ berichtete). Das ist für die Stadt eine grosse Chance, aber auch eine Belastung. Vor allem für die Gesamtrevision Nutzungsplanung (BNO-Revision), deren öffentliche Auflage am Donnerstag begann – mit ein­wöchiger Verspätung. Dem abschliessenden Vorprüfungsbericht des Kantons ist zu entnehmen, dass es noch am 26. Oktober zwischen Lenzburg und Aarau einen Schriftwechsel gab. Es ging um das Areal zwischen Zeughaus- und Industriestrasse, das die Stadt für die Mittelschule vorgesehen hat, wie Stadtammann Daniel Mosimann an einer Info- Veranstaltung bestätigte.

Hochhäuser sind keine vorgesehen

Die Ausgangslage: Das 6,5 Hek­taren grosse Areal ist heute ein kantonaler Wohnschwerpunkt. «Der Bereich gehört zu den wichtigsten Entwicklungsgebieten der Stadt», sagte Mosimann. Im Mitwirkungsbericht (2018) war eine viergeschossige Wohn- und Arbeitszone vorgesehen. Das Gelände der Firma Artoz sollte in den Perimeter für höhere Bauten (Hochhäuser sind in Lenzburg keine vorgesehen) kommen.

Jetzt ist alles anders – zumindest vorerst. Der Stadtrat hat das Areal zwischen Zeughaus- und Industriestrasse aus der Gesamtrevision ausgeklammert. Er will sich, so lange der Kanton keinen Entscheid zur Mittelschule getroffen hat, alle planerischen Optionen offen halten. Eine Mittelschule müsste in die Zone für öffentliche Bauten. Ein ähnliches Vorgehen hat der Stadtrat Aarau im Fall des Stadions gewählt: Der BNO-Gesamtrevision folgte unmittelbar eine Teilrevision Torfeld Süd.

Stadtammann Mosimann ist optimistisch und hofft auf einen «Kanti»-Entscheid des Regierungsrates bereits im 1. Quartal 2021. Um die neue Mittelschule (Inbetriebnahme 2030) ist ein grosses politisches Seilziehen im Gang: Im Rennen ist auch Brugg und Druck machen Aarau/Wohlen. Lenzburg riskiert also, am Schluss mit leeren Händen dazustehen: keine «Kanti» und keine zeitgemässe Raumplanung für den ursprünglich anvisierten Wohnungsschwerpunkt.

Stark von der neuen Entwicklung betroffen sind die Besitzer der Firma Artoz. Sie wollen zwar noch vier Jahre am bisherigen Standort bleiben, haben aber den Verkauf des Geländes eingeleitet (AZ vom 3.9.), wofür zonenplanerische Klarheit ein Vorteil ist. Der Verkauf geschieht im Bieterverfahren. Ursprünglich war auch die Stadt interessiert – als Landreserve für die Mittelschule. Dem Vernehmen nach ist sie aber aus dem Rennen.

Sollte der Stadtrat mit der «Ausklammerung» das Ziel nicht erreichen, könnte er über das Zeughaus/Artoz-Areal eine Planungszone verhängen, was faktisch ein temporäres Bauverbot zur Folge hätte.

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