Lenzburg
Spitex setzte als Notlösung Schutzanzüge zum Autolackieren ein, um Covid-Patienten zu betreuen

Zur Sicherheit von Klienten und Mitarbeitenden scheute sich die Spitex Region Lenzburg nicht vor unkonventionellen Methoden.

Ruth Steiner
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Daniel Lukic, Vorsitzender der Geschäftsleitung Spitex Region Lenzburg.

Daniel Lukic, Vorsitzender der Geschäftsleitung Spitex Region Lenzburg.

Zvg / WOZLZB

Vor einem Jahr versetzte Corona die Welt in den Ausnahmezustand und stellte insbesondere das Gesundheitswesen vor riesige Herausforderungen. Bei der Spitex Region Lenzburg führten Schutzmassnahmen und zusätzliche Personalkosten im Jahr 2020 zu Mehraufwendungen von rund 140 000 Franken (AZ 10. 3.).

Hinter dieser Zahl stecken vollumfänglich krisenbedingte Mehrauslagen. Für Daniel Lukic, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Spitex Region Lenzburg, ist sie aber auch Sinnbild für eine unerwartete Solidarität und eine rasche, unbürokratische Zusammenarbeit mit Leistungsträgern der Region. «Zu Beginn der Pandemie war das Übertragen des Virus noch mit grossen Unsicherheiten verbunden.

Die Spitex stand unter anderem vor der Frage, wie das Material nach der Betreuung einer an Covid-19 erkrankten Person fachgerecht entsorgt werden muss.» Lenzburger Firma schenkte Gesichtsmasken Lukic wandte sich mit seinem Anliegen an das Regionale Führungsorgan Lenzburg (RFO). «Wir haben uns im RFO beraten und uns mit den angeschlossenen Gemeinden abgesprochen», erklärt RFO-Chef Jürg Link rückblickend.

«So haben wir innert kurzer Zeit eine vernünftige Lösung gefunden. In jeder Gemeinde wurde ein spezieller Behälter aufgestellt, in dem die Spitex-Mitarbeitenden die Sachen deponieren und den Container wieder verschliessen konnten.»

Link betont jedoch: «Das Aufstellen der Container war nicht mehr Sache des RFO, jede Gemeinde musste sich selber organisieren.» Spitex-Chef Lukic zeigt sich noch heute beeindruckt «von der Solidarität und dem Engagement vieler Organe und Einzelpersonen», wenn er über die Ereignisse vom letzten Frühling spricht. Zum Beispiel, als der Vorrat an Schutzmasken rascher knapp wurde, als ihm lieb war. In mehreren Ländern habe er telefonisch nach Gesichtsmasken gesucht, erzählt er. Die Hilfe kam schliesslich aus der nächsten Nachbarschaft.

«Die wenige hundert Meter vom Spitex-Stützpunkt entfernte IT-Firma Finnova hat uns 6000 Masken kostenlos zur Verfügung gestellt",

sagt Lukic. Ebenso erging es der Spitex Region Lenzburg mit der Beschaffung von Schutzanzügen, welche das Personal zu Beginn der Pandemie bei der Versorgung von Covid-Patientinnen und -Patienten tragen musste. «Nach langer Suche bin ich an einem schier unmöglichen Ort fündig geworden», sagt Daniel Lukic und schmunzelt.

«Ein Carrosserie-Grosshändler im Kanton Aargau hat uns 200 Anzüge zum Selbstkostenpreis zur Verfügung gestellt.»

Nach Rücksprache mit dem Hygieneexperten hätten sich die normalerweise zum Spritzen von Autos verwendeten Ganzkörperanzüge für die Spitex als pragmatische Notlösung erwiesen. Würde der Lenzburger Spitex-Leiter heute wieder gleich handeln wie vor Jahresfrist? Eher ja, obwohl er sich rückblickend etwas selbstkritisch gibt. «Aus heutiger Sicht haben wir vielleicht etwas übervorsichtig agiert, indem wir die vom Bund verordneten Sicherheitsvorkehrungen noch verschärft haben.» Über allem hätten jedoch Sicherheit und Gesundheit der Mitarbeitenden sowie der Klientinnen und Klienten gestanden. «Deshalb», so Lukic, «waren alle Bemühungen es wert, die zum Teil aussergewöhnlichen Massnahmen zu vollziehen.»

Jürg Link, Chef RFO Region Lenzburg.

Jürg Link, Chef RFO Region Lenzburg.



Chris Iseli / LZB