Lenzburg
«Hypi» verschenkt 2700 Gastro-Gutscheine an ihre Aktionäre

Die Generalversammlung der Traditionsbank kann heute wegen der Coronakrise nicht stattfinden. Lenzburger Gastwirte profitieren trotzdem.

Ruth Steiner
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Verwaltungsratspräsident Gerhard Hanhart und CEO Marianne Wildi an der letzten physisch durchgeführten Generalversammlung im Jahr 2019.

Verwaltungsratspräsident Gerhard Hanhart und CEO Marianne Wildi an der letzten physisch durchgeführten Generalversammlung im Jahr 2019.



Andre Albrecht

Bankpräsident Gerhard Hanhart und CEO Marianne Wildi müssen auch in diesem Jahr auf das grosse Publikum verzichten: Die aktuelle Pandemiesituation lässt die Durchführung einer ordentlichen Generalversammlung der Hypothekarbank Lenzburg erneut nicht zu.

Die langen Reihen von «Hypi»-Aktionärinnen und -Aktionären, die in normalen Jahren am dritten März-Samstag von der Stadt in die Mehrzweckhalle auf die Schützenmatte ziehen, bleiben heute Nachmittag aus. Nachdem die GV schon im letzten Jahr abgesagt werden musste, ist Corona auch in diesem Jahr «Spielverderber» des zweitgrössten (nach dem Jugendfest) gesellschaftlichen Events in der Lenzburger Jahresagenda.

Nach 2020 wird wieder nichts mit der grossen Sause für die Aktionärinnen und Aktionäre im Anschluss an den in den vergangenen Jahren zu einem Marathon gewachsenen formalen Versammlungsteil. Die «Hypi»-Verantwortlichen bedauern die aktuelle Situation, ihnen sind jedoch die Hände gebunden. «Es ist ein Traditionsanlass, der bei einem grossen Aktionärskreis auf Anklang stösst», sagt Verwaltungsratspräsident Gerhard Hanhart. Für die Bank sei die Generalversammlung eine Gelegenheit, sich einem breiteren Publikum zu präsentieren und auch den persönlichen Kontakt zu pflegen. Und mit einem Schmunzeln weist er auf jene Aktionärskreise hin, welche diese Möglichkeit jeweils zu einem eigenen Treffen nutzen und bei dieser Gelegenheit durchaus «Sitzleder» zeigten.

«Die Generalversammlung unserer Bank ist für viele Leute nicht schon um 20 Uhr vorbei»,

erklärt Hanhart lachend.

Was passiert nun mit der entgangenen Naturaldividende? Müssen die Aktionärinnen und Aktionäre erneut darauf verzichten? Nein, sagt Hanhart, die Bank führe keine Sparübung auf dem Buckel der Aktionäre durch, erklärt er auf eine entsprechende Anfrage. «Es gibt eine Kompensation für das GV-Essen, das nicht stattfinden kann.» Konkret heisst das Folgendes:

«Aktionäre, die ihr Stimmrecht ausüben, erhalten einen Gutschein im Betrag von 50 Franken pro Aktionärin beziehungsweise Aktionär»,

sagt der Bankpräsident. Diese Gutscheine können entweder im Hotel-Restaurant Krone oder im Hotel-Restaurant Ochsen eingelöst werden. Das sind die zwei Gaststätten, in denen die Aktionäre in normalen GV-Jahren verpflegt werden.

Damit schlägt die «Hypi» zwei Fliegen auf einen Streich. Sie gibt ihrem Aktionariat ein «Zückerchen» für den entgangenen Aargauer Braten mit fruchtiger Dörrpflaumenfüllung. Gleichzeitig unterstützt die Bank die von der Krise stark betroffene lokale Gastronomie. Die Gutscheine kosten die «Hypi» rund 135000 Franken (abgerechnet werden jedoch nur die eingelösten Bons). Das ist viel Geld. Und zwar deshalb, weil laut dem Verwaltungsratspräsidenten rund 2700 Aktionärinnen und Aktionäre ihr Stimmrecht auf dem schriftlichen Weg ausgeübt haben. Das sind mehr als doppelt so viele, wie an der GV normalerweise teilnehmen.

Schwerer Einstand für den Aargauer Braten vor 25 Jahren

Es ist nicht das erste Mal, dass die Naturaldividende des Lenzburger Bank-Instituts zu reden gibt. Vor genau 25 Jahren, im März 1996, gingen scheinbar die Wogen hoch, als anstelle der traditionellen Berner Platte ein Aargauer Braten als neues GV-Menu aufgetischt wurde. Die «Lenzburger Neujahrsblätter 1997» schrieben von «einer kulinarischen Kultur-Revolution: Die Abkehr vom Sauerkraut schien einer Mehrheit der Aktionärinnen und Aktionäre sauer aufzustossen.» Gefolgt von einem flammendenden Plädoyer zu Gunsten der GV-Sause:

«An der Generalversammlung der ‹Hypi› geht die Liebe der Aktionäre zu ihrem Bank-Institut entschieden nicht nur übers Portemonnaie, sondern auch durch den Magen.»
Vor 25 Jahren hat der Aargauer Braten die Berner Platte an der Generalversammlung der Hypothekarbank Lenzburg abgelöst.

Vor 25 Jahren hat der Aargauer Braten die Berner Platte an der Generalversammlung der Hypothekarbank Lenzburg abgelöst.

Zvg / Aargauer Zeitung

Hanhart lacht, er erinnert sich noch gut an diese Diskussionen. Sie fielen in seine ersten Jahre als Verwaltungsrat der Bank. Dem damaligen «Neujahrsblatt»-Schreiber hält er entgegen, dass es durchaus Kreise gegeben habe, welche die Menuänderung begrüsst hätten.

«Mit dem Wechsel zum Aargauer Braten sind wir dem Wunsch nach einem etwas weniger üppigen Mahl nachgekommen",

sagt Hanhart. Allerdings, hält er schmunzelnd fest, habe es danach einige Jahre gedauert, bis die Kulinarik-Debatte wieder verklungen sei.

Heute Morgen findet im kleinen Kreis am Sitz der Hypothekarbank Lenzburg eine Geister-GV statt, an welcher der formale Teil abgehalten wird, sagt Präsident Hanhart. Anwesend sind die unabhängige Stimmrechtsvertreterin Yvonne Saxer Bohnenblust, CEO Marianne Wildi, CFO Rolf Bohnenblust, Protokollführerin Tanja Wermuth und Verwaltungsratspräsident Gerhard Hanhart. Online zugeschaltet werden zudem Bruno Gmür, der leitende Revisor der Revisionsgesellschaft, sowie Thomas Wietlisbach, VR-Vizepräsident der «Hypi». Bei dieser Gelegenheit wird der Wirtschaftsprüfer Christoph Käppeli aus Muri in den Verwaltungsrat gewählt, anstelle von Ursula McCreight, die nicht mehr antritt.

Zu guter Letzt dies: Wer Aktien in seinem Portefeuille hält, der möchte gerne eine schöne Rendite erzielen. Welchen Einfluss der Gutschein von 50 Franken auf die Rendite der «Hypi»-Aktie hat, hängt letztlich von der Anzahl Papiere ab, die man besitzt. Weil es pro Aktionär einen Gutschein gibt, fahren jene Personen mit nur einer Aktie am besten. Gerechnet auf dem aktuellen Aktienkurs von 4380 Franken und bei einer Dividende von 110 Franken pro Aktie (Total mit Gutschein 160 Franken) beträgt die Rendite 3,65 Prozent. Die von den Aktionären ebenso geschätzten Bhaltis Pralinésäckli beziehungsweise Zigarre sind dabei nicht mitgerechnet.