In den Kantonsschulen wird der Platz eng. In den nächsten 25 Jahren werden mehr als 100 zusätzliche Abteilungen benötigt. Gestern hat der Regierungsrat mitgeteilt, wie er den Schulraumbedarf bis 2045 decken will (Seite 24).

Laut diesem Planungsbericht sind die Chancen von Lenzburg auf eine Mittelschule nach wie vor intakt. «Wir freuen uns, dass Lenzburg weiterhin im Rennen ist. Das ist super.» So lautet die erste Reaktion des Lenzburger Stadtammanns Daniel Mosimann.

Der Planungsbericht enthält nicht viele Neuerungen. So ist schon seit längerem bekannt, dass der Kanton zwei neue Kanti-Standorte schaffen will. Das Fricktal soll eine Mittelschule erhalten, eine zweite soll im Grossraum Brugg-Lenzburg angesiedelt werden. Bis Ende Januar mussten die Bewerbungen eingereicht werden. Vier Gemeinden aus der Region Seetal haben Interesse bekundet und ihr Dossier in Aarau deponiert, koordiniert vom Gemeindeverband Lebensraum Lenzburg Seetal (LLS). Der LLS gab sich damals jedoch bedeckt, welche Interessenten konkret hinter den Bewerbungen stehen. Als Einziger äusserte sich der Lenzburger Stadtammann. Lenzburg könnte sich eine Kantonsschule auf dem Areal des «Alten Zeughauses» vorstellen, sagte Daniel Mosimann (die AZ berichtete).

Grossraum Brugg-Lenzburg

Doch Lenzburg ist nicht allein im Rennen um eine Kantonsschule. Brugg hegt ebenfalls Ambitionen und hat seine Bewerbung deponiert. Allerdings hat Brugg mit der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) bereits einen Hochschulstandort. Ob und wieweit dies bei den regierungsrätlichen Überlegungen überhaupt eine Rolle spielen dürfte, bleibt offen. Das Departement Bildung, Kultur und Sport bleibt in seinem Bericht zum zweiten Kanti-Standort jedenfalls weiterhin vage, spricht vom «Grossraum Brugg-Lenzburg». Auf den Wettbewerb mit Brugg angesprochen, sagt der Lenzburger Stadtammann: «Brugg hat schon diverse kantonale Institutionen. Es würde Lenzburg gut anstehen, auch eine zu haben.»

Neuer Bahnhof als Trumpf?

Der Weg dahin ist jedoch noch weit. Vorerst muss der Planungsbericht im Herbst im Grossen Rat die nächste politische Hürde nehmen. Einen konkreten Standortentscheid hat der Regierungsrat für 2021 in Aussicht gestellt. 2028 soll die Kantonsschule im Fricktal ihren Betrieb aufnehmen, 2030 jene im Aargauer Mittelland.

Dabei wird in Aarau sicher nicht unbemerkt bleiben, dass Lenzburg bis zu diesem Zeitpunkt mit dem neuen Bahnhof über eine top ausgebaute öV-Infrastruktur verfügen wird. Laut den jüngsten Meldungen der SBB wird im Jahr 2024 mit den Arbeiten am Bahnhof Lenzburg gestartet werden. Der Lenzburger Stadtammann weist darauf hin, dass «der neue Bahnhof genügend Kapazitäten hat, die Schülerinnen und Schüler von ausserhalb aufzunehmen.» Ob dieser Trumpf in Aarau sticht, muss sich allerdings erst weisen.

Andere Gemeinden aus dem Rennen

Es sieht ganz danach aus, dass die Stadt Lenzburg letztlich als einzige Kandidatin aus der Region Lenzburg-Seetal um einen der neu zu vergebenden Kantonsschulstandorte verbleibt. Zumindest so kann die Reaktion des Gemeindeverbands interpretiert werden. Der LLS gibt auf Anfrage zum Zwischenbericht aus Aarau folgendes Statement ab: «Der Gemeindeverband Lebensraum Lenzburg Seetal ist erfreut, dass Lenzburg als möglicher Mittelschulstandort erwartungsgemäss nach wie vor im Rennen ist. Die Region steht weiterhin mit grösster Überzeugung hinter der Lenzburger Bewerbung und ist überzeugt, bezüglich zentraler Lage und Aufbau des Gesamtprojekts gegenüber den übrigen Bewerbern klar im Vorteil zu sein», sagt LLS-Geschäftsführer Jörg Kyburz.