Lenzburg
GLP-Stadtratskandidatin Barbara Portmann-Müller: «Politisiert haben mich das Nein zum EWR und der Klimawandel»

Sieben Männer und Frauen wollen (wieder) in den Lenzburger Stadtrat. Die AZ stellt sie anhand eines standardisierten Fragebogens vor. Heute: Barbara Portmann-Müller (GLP) über den Ärztemangel, Kleingeistigkeit und eine einmalige Chance.

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«Es macht Freude, sich für die Gemeinschaft, Wirtschaft und Umwelt einzusetzen»: Die Stadtratskandidatin Barbara Portmann-Müller (GLP)

«Es macht Freude, sich für die Gemeinschaft, Wirtschaft und Umwelt einzusetzen»: Die Stadtratskandidatin Barbara Portmann-Müller (GLP)

Chris Iseli

Was stört Sie an Lenzburg?

Barbara Portmann-Müller: Die Lebensqualität in Lenzburg ist sehr hoch, das Ortsbild mit Schloss und Altstadt einzigartig. Es fehlt einzig ein See. In Lenzburg hat es einen Mangel an Hausarztpraxen sowie an Läden für ein breites Publikum. Lädelen geht man daher meist auswärts. Stören tun mich Kleingeistigkeit und Überheblichkeit anstelle einer offenen Diskussionskultur.

Wie lange halten Sie es ohne Handy aus?

Das Handy ist aus meinem Alltag nicht wegzudenken. Leider fehlt mir wirklich etwas, wenn ich es mal zu Hause vergesse.

Warum sind Sie Politikerin geworden?

Interessiert am Tagesgeschehen war ich schon früh. Politisiert haben mich das Nein zum EWR und der Klimawandel. Mit der Gründung der GLP habe ich später meine politische Heimat gefunden. Kurz nach dem Beitritt wurde ich auf Anhieb in den Grossen Rat gewählt. Politik ist enorm abwechslungsreich und spannend. Nirgends sonst kommt man mit derart vielen Themen und interessanten Menschen in Kontakt. Die Partizipationsmöglichkeiten in der Schweiz sind enorm gross. Es macht Freude, sich für die Gemeinschaft, Wirtschaft und Umwelt einzusetzen.

Warum ist Andreas Glarner ein guter Politiker?

Er ist ein Meister der gezielten Provokation. Fakten oder Anstand spielen dabei keine Rolle. Ziel ist primär, die politischen Gegner zur Weissglut zu treiben, was ihm den Applaus seiner Fans einbringt. Abseits des Scheinwerferlichts kann man mit ihm zum Erstaunen vieler sehr gut zusammenarbeiten.

Wofür werden zu viele Steuergelder ausgegeben?

Ausgaben müssen regelmässig auf ihren Nutzen überprüft werden, damit dies gar nicht erst passiert. Subventionen zu sprechen ist einfach, existierende können nur selten wieder abgeschafft werden. Vor ihrer Einführung muss daher klar sein, wann und wie eine Zielüberprüfung vorgenommen wird. Vorausschauende Planung verhindert zudem teure Folgekosten (z.B. bei Schulhausbauten). Beim Verkehr sind technische Massnahmen teuren Infrastrukturprojekten vorzuziehen.

Wenn Sie einfach so könnten: Wofür würden Sie 10 Millionen Steuer-Franken ausgeben?

Wenn beispielsweise durch einen hohen Lottogewinn unvorhergesehene zusätzliche Mittel vorhanden wären, würde ich den Umbau auf erneuerbare Energien massiv beschleunigen, einen durchgehenden Lärmschutz entlang der A1 und die Durchführung eines Stadtfests prüfen.

Finden Sie, die bauliche Entwicklung wird durch das Bundesinventar für schützenswerte Ortsbilder (Isos) zu stark eingeschränkt?

Nein. Die Altstadt und ihre Ringzonen sind für die Identität von Lenzburg von grosser Wichtigkeit. Sie sind daher möglichst zu erhalten. Energetische Sanierungen sowie eine städtebaulich gute Verbindung von alt und neu sollten möglich sein.

Haben Sie Verständnis dafür, dass sich viele Ortsbürger gegen eine Kanti auf dem Zeughausareal wehren?

Eine Kanti im Zeughausareal bringt viele positive Impulse in die Stadt. Gute Bildung unserer Jugend ist die wichtigste Ressource. Durch eine Kanti wäre Lenzburg zusammen mit der Berufsschule ein innovativer Bildungsstandort mit Ausstrahlung. Verständnis für eine andere Haltung habe ich immer dann, wenn sie gut begründet werden kann. Alternative ist gemäss geltendem Richtplan ein dicht bebautes Quartier. Ein Horten von Bauland über Jahrzehnte auf Vorrat entspricht nicht den Vorgaben des Richtplans. Insofern erachte ich die Möglichkeit einer Kanti als einmalige Chance.

Warum könnten Sie sich vorstellen, im Quartier «Im Lenz» zu wohnen?

Ich wohne nahe beim Lenz, weshalb ich auf Spaziergängen häufig durch das neue Quartier gehe. Im Grossen und Ganzen finde ich die Verbindung der historischen Hero-Baukultur mit den neuen Bauten gelungen. Auch der Park mit dem Spielplatz und der Verbindung zum Aabach hat eine hohe Aufenthaltsqualität und wird stark genutzt. Ohne Hafenbar im Sommer wirkt hingegen der Markus-Roth-Platz grau und trostlos. Hier ist eine Aufwertung nötig. Die Qualität des Ausbaus der Wohnungen scheint leider nicht durchwegs hoch zu sein. Ich kann mir gut vorstellen, dort zu wohnen, sofern die Wohnung genügend sonnig ist.

Was finden Sie attraktiv an sich?

Die Antwort auf diese Frage überlasse ich den Leserinnen und Lesern. Ich erachte sie für die Wahl als nicht besonders relevant.

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