Lenzburg
Finanzministerin Franziska Möhl «vergoldet» ihren letzten Abschluss und legt für das Jahr 2020 Traumzahlen vor

Die Stadt steht vor hohen Investitionen. Deshalb kommt eine Senkung des Steuerfusses von aktuell 105 Prozent kaum in Frage.

Ruth Steiner
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Vizeammann und Finanzministerin präsentierte gestern die Jahresrechnung 2020 der Stadt Lenzburg.

Vizeammann und Finanzministerin präsentierte gestern die Jahresrechnung 2020 der Stadt Lenzburg.

Chris Iseli / LZB

Die Einwohnergemeinde Lenzburg knüpft an das goldene Jahr 2019 an und legt erneut ein hervorragendes Jahresergebnis vor. Für 2020 weist das «Unternehmen Lenzburg» einen Gewinn von 5,7 Millionen Franken aus. Das sind 81,5 Prozent mehr als im Vorjahr mit 3,14 Millionen Franken und sogar 208 Prozent besser als budgetiert. Ebenfalls deutlich besser als erwartet fiel das Betriebsergebnis aus: Drei Millionen Franken im Plus, nachdem man im Budget noch mit einem Minus von 1,2 Millionen Franken gerechnet hatte. Der Cashflow von 10,6 Millionen Franken (+58 Prozent gegenüber dem Budget) wurde gar als «der beste aller Zeiten» bezeichnet. Der Gesamtumsatz (ohne Spezialfinanzierungen) betrug 65,9 Millionen Franken. Zusammenfassend hielt Finanzministerin Franziska Möhl fest:

«Alle Kostenverantwortlichen haben alles gegeben. Mit Ausnahme der ‹Gesundheit›, welche eine schwarze Null schreibt, haben alle Verwaltungsabteilungen einen tieferen Nettoaufwand ausgewiesen als budgetiert.»

Franziska Möhl zeigte sich gestern Vormittag beim letzten von ihr verantworteten Jahresabschluss der Stadt Lenzburg vor den Medien ausserordentlich gut gelaunt. Würde sie keine Maske tragen müssen, würde man sehen, dass das zufriedene Lächeln noch breiter ausfalle als im vergangenen Jahr, meinte sie mit einem Augenzwinkern. Die Finanzvorsteherin tritt nach zwölf Jahren im Stadtrat (davon neun als Vizeammann) bei den kommenden Gesamterneuerungswahlen nicht mehr an.

Corona findet wenig Niederschlag in der Rechnung 2020

Möhl betonte, dass sich der gute Abschluss bereits im vergangenen August abgezeichnet habe, jedoch würden die nun vorliegenden Zahlen die damals geweckten Erwartungen nochmals übertreffen. Noch wenig Niederschlag in der Rechnung 2020 findet die nun seit einem Jahr anhaltende Coronasituation. Möhl sprach von «netto 200 000 Franken, welche die ausserordentliche Lage die Rechnung im vergangenen Jahr belastet hat». Dies sei vor allem auf zusätzlichen Reinigungsaufwand zurückzuführen, auf Investitionen in die Sicherheit (Plexiglasscheiben), den Ausfall des Jugendfestes und tiefere Einnahmen aus der Vermietung von Lokalitäten. Möhl rechnet jedoch damit, dass der Viruseffekt im Folgejahr grössere Auswirkungen auch auf der Einnahmenseite (Steuerertrag) haben wird. Man werde diesem Umstand bei der Budgetierung Rechnung tragen müssen.

2020 hat Lenzburg gut 37,1 Millionen Franken an Steuern eingenommen (35,3 Millionen im Vorjahr).

«Aufgrund von Corona haben wir erwartet, dass es bereits im 2020 bei den provisorischen Rechnungen zu Anpassungen gegen unten kommt»,

sagt Möhl. Dem war nicht so. An Einkommens- und Vermögenssteuern flossen 2020 rund 31,7 Millionen Franken in die Kasse. Gegenüber dem Vorjahr sind das rund zehn Prozent mehr. Die Steuerkraft pro Einwohner stieg um 2,7 Prozent auf 3136 Franken. In Erwartung einer sich abflachenden Bevölkerungszunahme nimmt die Finanzvorsteherin an, dass sich der Steuerertrag dieser Entwicklung anpassen wird. Einen grösseren Einbruch verzeichneten die Aktiensteuern. Mit 2,9 Millionen Franken sanken sie gegenüber dem Vorjahr um 1,2 Millionen Franken. Möhl begründet dies im Grossen und Ganzen mit der Korrektur von zu hoch angesetzten provisorischen Steuerrechnungen in den Vor­jahren.

Im Berichtsjahr investierte Lenzburg rund 4,6 Millionen Franken in die Infrastruktur. Das sind rund 2,9 Millionen weniger als im Finanzplan vorgesehen. Das ist darauf zurückzuführen, dass sich verschiedene Projekte aufgrund des politischen Prozesses verzögern: Die neue Verwaltungszentrale wurde vom Einwohnerrat zurückgewiesen, beim Kunstrasen eine ökologischere Variante verlangt. Die Sanierung der Bahnhofstrasse in der geplanten Form erlitt an der Urne im letzten Jahr Schiffbruch.

Grosse Bauvorhaben – «Die Nettoschuld wird in den kommenden Jahren markant steigen."

Unter dem Strich hat das ­erfreuliche Geschäftsjahr zur Folge, dass die Schulden von sechs Millionen Franken abgebaut und Lenzburg Ende 2020 ein Mininettovermögen von 52'500 Franken ausweist. Erwartet die Finanzministerin angesichts dieser Zahlen, dass (spätestens beim Budget 2022) Begehrlichkeiten nach einer Senkung des Steuerfusses aufkommen? Möhl schmunzelt und sagt:

«Derartige Ansinnen dürften beim Studium des neuen Aufgaben- und Finanzplanes rasch vergehen.»

Lenzburg steht vor grossen Bauvorhaben: Schulbauten in der Grössenordnung von 30 bis 40 Millionen Franken, der neue Bahnhofplatz um Umfang von mindestens elf Millionen Franken, die Sanierung des Knotens Freiämterplatz von neun Millionen Franken, die Sanierung der Bahnhofstrasse von gut zwei Millionen Franken. Möhl bilanziert:

«Die Nettoschuld wird in den kommenden Jahren markant steigen."

Dezidiert ist sie der Meinung, dass «die Lenzburger Bevölkerung für den Steuerfuss von 105 Prozent sehr gute Gegenleistungen erhält».