Doch das Warten lohnt, denn hier wird eine ganze Woche lang gefeiert. Genauer gesagt, während acht Tagen und acht Nächten bekommen Jung und Alt einiges geboten, was Augen und Ohren, Herz und Gemüt und auch den Magen erfreut.

Sonntag, 3. Juli: Den Auftakt zur Jugendfestwoche bildet seit Jahren das Buurezmorge im Wildenstein. Familie Dössegger, die Landfrauen und die SVP Lenzburg tischen ab 9 Uhr beim Bauernhof in der ländlichen Idylle inmitten grüner Wiesen und weidender Kühe Köstlichkeiten aus Feld und Stall auf. Und das «bei jeder Witterung», was wohl eher leicht ironisch gemeint sein wird. Denn kaum jemand kann sich erinnern, dass es beim Buurezmorge je einmal richtig geregnet hat. Und wenn dies den Bauern in diesem Jahr nicht ganz ungelegen käme, Schutzdächer und Schirme sind alleweil genug vorhanden.

Söldnertruppe aus Schottland und Frankreich

Ebenfalls zum traditionellen Auftakt der Jugendfestwoche lädt das Orchester des Musikvereins Lenzburg am Abend um 20.15 Uhr zur Jugendfestserenade aufs Schloss ein. Es ist das 40. und zugleich letzte Konzert unter der Stabführung von Ernst Wilhelm. Doppelter Grund, um den Genuss nicht zu verpassen.

Montag, 4. Juli: Kleider machen Leute – und Kostüme machen Freischaren. Die Übernahme des Fundus vom jahrzehntelangen Ausrüster Heinrich Baumgartner in Luzern, der seinen Verleih eingestellt hat, sichert die Fortsetzung der einzigartigen Manöver-Tradition in Lenzburg für weitere Jahrzehnte.

Die kunterbunten Monturen der Söldnertruppen aus aller Herren Ländern wie Schotten, Franzosen, Bajuwaren, Gardisten, Indianer, Spanier, Piraten, Cowboys, Beduinen und alten Schweizern lassen in der Stadt und auf der Schützenmatte «schöne Bilder malen».

Disco in der Mehrzweckhalle

Zwar wäre heuer eine Erholungspause für die ewigen Verlierer vorgesehen, doch zwingt sie die chronisch leere Kriegskasse zu einem besonderen Effort. Um bei der Bevölkerung Sympathien und das nötige Kleingeld zu gewinnen, wird am Montagabend ab 17.30 Uhr auf dem Freischarenplatz eine Mode-Parade abgehalten. Knackige Marketenderinnen, scharfe Flintenweiber, stramme Freischaren und flotte Kadetten zeigen – fachfraulich kommentiert – historische und aktuelle Bekleidungen. Die Freischarenmusik und die Tambouren blasen ihnen den Marsch und die Freischarenküche tischt Exotisches und Einheimisches auf.

Dienstag, 5. Juli: Für die reifere Schuljugend haben die Vorabende auf der Schützenmatte wohl den höheren Stellenwert als Kirchenfeier und Zug durch die Stadt. Von Montag bis Mittwoch ist der Tanzboden beziehungsweise die Disco in der Mehrzweckhalle der Hängerplatz für die Jungen.

Apropos Tanzboden: Die Bretter, die für viele am Jugendfest immer noch die Welt bedeuten, haben nach 30 Jahren ausgedient. Nicht wegen dem Holzwurm, sondern aus Platzgründen, weil das bisherige Lagerhaus in der Wisa-Gloria abgebrochen wird. Deshalb wird heuer eine kleinere Tanzbühne von 15 auf 20 Metern aufgebaut, was eine Umplatzierung der Zuschauerbänke bedingt. Nach der Bewährungsprobe wird über das Schicksal der bisherigen Bretter entschieden.

Platzkonzerte geplant

Mittwoch, 6. Juli: Das Fischessen im Stadtzelt auf dem Metzgplatz, angerichtet von Rotariern, BPW, Rotaract Club Mittelland und Freischaren-Küche, hat sich als fester Bestandteil im Jugendfest-Auftakt etabliert. Der Erlös des gesellschaftlich-kulinarischen Anlasses wird zu guten Zwecken verwendet.

Donnerstag, 7. Juli: Chränzli winde, Strüssli binde: Nach altem Brauch sind es Mütter und Töchter, welche sich den schönsten Schmuck selber gestalten. Den Rohstoff erhält man von 7.30 bis 11 Uhr am Bluememärt in der Rathausgasse, gebunden und gewunden wird von 13.30 bis 15.30 Uhr unter kundiger Anleitung unter den Arkaden des alten Gemeindesaales.

Am Zapfenstreich steigt das Festfieber erst so richtig an, wenn um 19.30 Uhr Concertband, Brass Band Imperial, Tambouren, Jungtambouren, Pfeifergruppe und Jugendspiel durch die Gassen ziehen und auf dem Freischarenplatz ihre Platzkonzerte geben.

Anschliessend entwickelt sich auch in Lenzburg ein reger Beizenbetrieb mit dem Epizentrum Zapfebar auf dem Metzgplatz. Schon am Nachmittag ab 13.30 Uhr werden in der Badi Beachvolleyball-Turniere durchgeführt; um 16.45 Uhr starten die Stadtführerinnen den Rundgang zu den geschmückten Brunnen; um 19 Uhr ist in der Stadtkirche die konzertmässige Hauptprobe angesagt.

Jugendfestznacht ab 19 Uhr

Freitag, 8. Juli: Ab 9 Uhr zieht die Schuljugend zu ihren diversen Festplätzen mit Ansprachen und Darbietungen. In der Stadtkirche hält Sibylle Lichtensteiger, Leiterin des Stapferhauses, die Festrede; auf dem Metzgplatz spricht Beat Räss, Kantonspolizist aus Niederlenz; auf dem Hünerwadelplatz hören, trotz KV-Baustelle, die Kinder dem Kommunikations- und Medientrainer Martin Niederhauser, Lenzburg, zu; und für die Kleinsten erzählt Andrea Morsten Melliger, Psychomotorik-Therapeutin, Lenzburg, auf dem Freischarenplatz eine Geschichte. Zum Festzug vereinigt, paradiert die Schuljugend ab 10.15 Uhr durch die festlich geschmückte Stadt.

Am Nachmittag ab 14 Uhr trifft man sich auf der Schützenmatte zu Spiel und Spass, Kasperlitheater, Geschicklichkeitsspielen und natürlich auf dem Rummelplatz.

Das Jugendfestznacht auf der Schützenmatte wird ab 19 Uhr serviert. Der Lampionumzug führt die Schuljugend ab 22.15 Uhr zurück in die Stadt, von wo um etwa 23 Uhr das Feuerwerk auf dem Schloss als feuriger Schlusspunkt genossen werden kann.

Samstag, 9. Juli: Ebenfalls zur unverzichtbaren Tradition gehört das Konzert in der festlich geschmückten Stadtkirche um 17.15 Uhr, diesmal mit der Stanser Organistin Judith Gander-Brem und dem Alphornbläser Joseph Koller.

Gehören sie jetzt zum Establishment, die jungen Organisatoren des Metschgplatsch nach ihrem spektakulären Coming out? Wohl kaum, das lässt sich ab 18 Uhr vor Ort überprüfen.

Sonntag, 10. Juli: «Ganz Lenzburg trifft sich nochmals auf der Schützenmatte»: Unter diesem Motto beschliesst die Stadtmusik ab 14 Uhr die Jugendfestwoche mit Festbetrieb, Chueflade-Bingo und Lunapark.