Natur- und Vogelschutzverein
Präsidentin Monica Locher: «Es ist nicht selbstverständlich, dass auf dem Baum vor dem Haus die Amsel singt»

Der Natur- und Vogelschutzverein Lenzburg besteht seit 50 Jahren. Er kämpft für Grünfläche und Nistplätze im Siedlungsraum.

Ruth Steiner
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Seit 2018 präsidiert Monica Locher den Natur- und Vogelschutzverein Lenzburg.

Seit 2018 präsidiert Monica Locher den Natur- und Vogelschutzverein Lenzburg.

Ruth Steiner

Lange, bevor naturbelassenes Terrain als Lebensraum für Pflanzen und Tiere im zunehmend urbaner werdenden Siedlungsraum auf gesellschaftspolitischer Ebene in einen breiteren Fokus rückte, hat man in Lenzburg bereits das Augenmerk auf das Thema gerichtet. «Seit der Gründung des Ornithologischen Vereins im Jahr 1901 war man sensibilisiert dafür», weiss Monica Locher. Und sie ergänzt:

«In der ersten Zeit hat sich dies vor allem auf Massnahmen im Bereich des Vogelschutzes konzentriert, das Aufhängen und Pflegen der Nistkästen auf Wald und Stadtgebiet beschränkt.»

Erste Vogelschützer sind schon 1928 urkundlich erwähnt. Monica Locher ist seit neun Jahren im Vorstand des Natur- und Vogelschutzvereins, seit 2018 präsidiert sie den Verein.

Der Natur- und Vogelschutzverein in seiner heutigen Form wurde m 21. Mai 1971 gegründet. Er entstand aus der Abteilung «Vogelschutz» der Ornithologischen Gesellschaft (heute Kleintierzüchterverein Lenzburg und Umgebung). Es sei eine friedliche Trennung gewesen, zurückzuführen auf die unterschiedlichen Interessen der Mitglieder, hiess es damals.

Einsatz, wenn nötig auch mit rechtlichen Mitteln

«Die Zukunft der Vögel sieht düster aus.» Diese Zeilen sind nicht aktuell geschrieben worden, sie stammen aus der Jubiläumsschrift zum 10-jährigen Vereinsbestehen im Jahr 1981. «Fast die Hälfte der europäischen Vogelarten ist vom Aussterben bedroht», hielt der damalige Vereinspräsident Alfred Oeschger fest.

Viele Vogelarten seien bedroht. Bild von einem Besuch bei der Vogelstation im Jahr 2020.

Viele Vogelarten seien bedroht. Bild von einem Besuch bei der Vogelstation im Jahr 2020.

Chris Iseli

Doch heute sei das Thema aktueller denn je, erzählt Locher. «Es gibt Vogelarten, von denen nur noch vereinzelte Sänger vorhanden sind, andere sind ganz verschwunden.» Konkret denkt sie dabei an Arten, die im Siedlungsraum unter Druck gekommen sind. Mangelt es ihnen dort an ausreichendem Grünraum und Nistgelegenheiten, fehlt den Tieren die wichtige Lebensgrundlage. «Beispielsweise der Hausspatz findet fast keine Nistplätze an Gebäuden mehr», weiss Locher und ergänzt: «Es ist nicht selbstverständlich, dass auf dem Baum vor dem Haus die Amsel singt.»

Aktivitäten dokumentiert

Dabei lässt der Natur- und Vogelschutzverein Lenzburg es nicht auf Pflege- und Aufklärungsaktivitäten beruhen. Wenn nötig, greift er auch zu rechtlichen Mitteln, wenn der Natur und ihrer biologische Vielfalt Gefahr droht. Mit einer Einwendung auf das Baugesuch für den neuen Kunstrasen auf dem Sportplatz Wilmatten zum Beispiel hat der Verein Schadensbegrenzung erreicht.

Der Natur- und Vogelschutzverein hat seine Aktivitäten der vergangenen fünf Jahrzehnte in diversen Fotoalben akribisch dokumentiert. Das vorhandene Fotomaterial zeugt von unzähligen Exkursionen, Ausstellungen sowie von einer beeindruckenden Kameradschaft über all die Jahre hinweg.

Monica Locher und ihr Team von der Vogelstation im Jahr 2020.

Monica Locher und ihr Team von der Vogelstation im Jahr 2020.

Chris Iseli

Wie die Beziehung zur Forstverwaltung eine Lösung hervorbrachte

Nach getaner Arbeit setzte man sich an den Tisch und feuerte die Grillstelle ein. Das sei heute noch so, bestätigt Präsidentin Locher. «Das Gesellige und das Kulinarische sind wichtige Bestandteile des Vereinslebens.» Eine ganz eigene und spezielle Geschichte ist jene über das Vereinslokal, die Eulenhütte, im Lütisbuech.

Diese Geschichte ist eng verbunden mit dem heutigen Schützenmeisterweiher. 1959 drohte dem Weiher, oder was von ihm damals noch übrig war, das Aus. Dank Interventionen der Vogelschützer konnte das Zudecken des Weiherbeckens verhindert werden, heisst es in der Jubiläumsschrift von 1981. Mit grossem Arbeitseinsatz konnte dem Schützenmeisterweiher zu neuem Leben verholfen werden. (2017 wurde der Weiher für mehrere zehntausend Franken saniert). In diese Zeit fällt der Wunsch der damaligen Vogelschützer nach einer «Begegnungsstätte für Gleichgesinnte».

Die guten Beziehungen zur Forstverwaltung brachten die Lösung, die noch heute Bestand hat. Der Forst überliess den Vogelschützern den Geräteschuppen im Bachtal, der zum Vereinslokal ausgebaut und in Eulenhütte umbenannt wurde. Seither sei manch ein Vereinsfest dort gefeiert worden, weiss Locher. Und die Zusammenarbeit mit dem zwischenzeitlich zu den Forstdiensten Lenzia gewachsenen Forstamt bewähre sich auch noch bestens.

Es sei beeindruckend, hält Monica Locher fest, wie engagiert der Verein über Jahrzehnte hinweg Aufklärungsarbeit betrieben habe. Selbst in den 80er- und 90er-Jahren, als ihm die Mitglieder abhanden kamen, gab man nicht auf. Längst hat sich das Rad gedreht. Der Verein zählt wieder gegen dreihundert Mitglieder, darunter viele Neuzuzüger und junge Familien. Präsidentin Locher freut sich:

«Die Bevölkerung ist zunehmend sensibilisiert für die Belange des Natur- und Umweltschutzes.»

Mit der Schaffung der Jugendgruppe Strix und der Seniorengruppe UHU trägt der Natur- und Vogelschutzverein Lenzburg den Interessen über Natur und Umwelt alterskonform Rechnung.

Jubiläumsprogramm: Mit verschiedenen Aktivitäten feiert der Natur- und Vogelschutzverein Lenzburg in diesem Jahr sein 50-Jahr-Jubiläum. Start ist heute Samstag mit einem öffentlichen Parcours zum Thema «Kröten, Frösche und anderes Getier» ab Parkplatz beim Fünfweiher und ab Schützenmeisterweiher. Weitere Infos: www.nvsvlenzburg.ch.

Das Gesellige wurde im Verein immer hoch gehalten. Bilder aus den Anfängen mit der Eulenhütte (Vereinslokal).

Das Gesellige wurde im Verein immer hoch gehalten. Bilder aus den Anfängen mit der Eulenhütte (Vereinslokal).

zvg