Lenzburg
KMU-Beraterin Corin Ballhaus: «Frauen sollen ihre Finanzpower entdecken»

Mit ihrem neuen Buch «Frauenpower in Finanzfragen» will die Lenzburger SVP-Einwohnerrätin Corin Ballhaus praktische Tipps an Frauen geben, um finanziell in allen Lebenslagen die Übersicht zu wahren. Geld sei schliesslich keine Männersache.

Daniel Vizentini
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Unternehmensberaterin und neu Buchautorin Corin Ballhaus (55) könnte im Herbst für die SVP in den Lenzburger Stadtrat einziehen.

Unternehmensberaterin und neu Buchautorin Corin Ballhaus (55) könnte im Herbst für die SVP in den Lenzburger Stadtrat einziehen.

Chris Iseli (24.8.2020)

Noch heute trauen sich viele Frauen in Geldfragen weniger zu und überlassen finanzielle Themen ihrem Mann. Dabei sind es gerade sie, die öfter Teilzeit arbeiten, sich zu Hause um die Kinder kümmern und später in finanzielle Engpässe oder Altersarmut geraten. Corin Ballhaus hat deshalb einen Ratgeber herausgebracht, der Frauen ermutigen und ihnen vor allem praktische Mittel geben soll, um sich selbstbestimmt um ihr Geld zu kümmern – ja gar «ihre eigene Finanzpower zu entdecken», wie im Vorwort geschrieben steht.

Das Buch ist seit gestern erhältlich. Es ist das erste, das die 55-jährige ehemalige Wirtschaftsjournalistin und heute selbstständige Unternehmensberaterin sowie SVP-Einwohnerrätin als Autorin herausgebracht hat. Mit einer einfachen, zugänglichen Sprache hebt es chronologisch für jeden Lebensabschnitt hervor, was etwa bei der Familiengründung, Pensionierung oder gar während Auslandaufenthalten zu beachten ist. Corin Ballhaus sagt:

«Unser Vorsorgesystem geht davon aus, dass wir ohne Lücken zu 100 Prozent erwerbstätig sind. Alles, was davon abweicht, bringt Probleme.»

Ob man alleinstehend bleibt oder als unverheiratetes Paar Kinder bekommt: Man müsse sich bewusst sein, was dies zum Beispiel für die Altersvorsorge bedeute. Dazu rät das Buch unter anderem: Paare, die frisch zusammen kommen, sollen lieber in guten Zeit das Regeln, was in schlechten Zeiten – etwa bei einer Trennung – schwieriger zu regeln ist. «Auch wenn dies etwas unromantisch ist», sagt sie.

Das Buchcover, illustriert von Brigitta Garcia-Lopez.

Das Buchcover, illustriert von Brigitta Garcia-Lopez.

Wertvoll sind auch Tipps wie, dass man besser für jedes Familienmitglied eine eigene, den Bedürfnissen entsprechende Krankenversicherung abschliesst, statt eine Paketlösung für die ganze Familie.

Ihre Mutter war schon «die Finanzministerin» der Familie

Corin Ballhaus weiss Bescheid, schliesslich hat sie jahrelang in der Bankenbranche mit Vorsorgeprodukten zu tun gehabt. Zu ihrem Erfahrungsschatz gehört auch das Erreichen und Wahren der finanziellen Unabhängigkeit, die sie als Selbstständigerwerbende erlangt hat.

Sowieso lässt sich ein Grossteil ihres praktischen Wissens auf ihre persönliche Lebensgeschichte zurückführen: Ihre Eltern flüchteten aus dem kommunistischen Ostdeutschland, liessen dort alles zurück und gründeten in der Schweiz von Null auf eine neue Existenz. Ihr Vater, ursprünglich Hufschmied, baute im Freiamt zwei Firmen in der Maschinenindustrie mit auf. Eine, die Robatech in Muri, besteht weiterhin.

Ihre Mutter hatte in der klassischen Geschlechterrolle den Beruf als Fotografin auf die Seite gelegt, um sich um die Kinder und den Haushalt zu kümmern – doch mit einem wichtigen Aber: «Sie war die Finanzministerin in unserer Familie», sagt Corin Ballhaus.

In einfachen Verhältnissen aufgewachsen, lernten sie und ihr Bruder, eigenes Geld zu verdienen und sorgsam damit umzugehen. «Diese Erfahrung färbt auf einen ab.» Gelernt habe sie auch, dass man manchmal Dinge einfach loslassen muss, wie ihre Eltern damals.

Stadtratskandidatur ist noch intakt, die Nomination der SVP steht noch aus

Corin Ballhaus sieht sich als Brückenbauerin zwischen Experten und Laien. Ihrem ersten Buch will sie weitere folgen lassen: Ein weiteres Buchprojekt ist aktuell bereits in Bearbeitung, das Thema verrät sie aber noch nicht. «Und sonst würde ich gerne noch Wirtschafts- und Politkrimis schreiben», sagt sie. «Ähnlichkeiten mit echten Personen und Ereignissen wären dann natürlich ‹reiner Zufall›», bemerkt sie noch humorvoll.

An Inspiration wird es ihr nicht fehlen: In der Lokalpolitik spielt sie seit 2017 mit, eine Nomination als Stadtratskandidatin könnte demnächst Tatsache werden.