Lenzburg
Die neuen Leuchten blenden Mensch und Tier: Stadtrat beantwortet eine Anfrage der SVP zu LED-Strassenlaternen

Zu hell, zu weiss, zu kalt: Sowohl die SVP als auch der Lenzburger Natur- und Vogelschutzverein sehen Probleme beim Einsatz von LED-Leuchten. Der Stadtrat versichert in seiner Antwort auf eine entsprechende Anfrage, dass jedes Begehren aus der Bevölkerung in diese Richtung ernst genommen und geprüft werde.

Eva Wanner
Drucken
An der Strasse weniger ein Problem, in den Quartieren und Siedlungsrändern laut der SVP und dem Natur- und Vogelschutzverein aber schon: LED-Leuchten.

An der Strasse weniger ein Problem, in den Quartieren und Siedlungsrändern laut der SVP und dem Natur- und Vogelschutzverein aber schon: LED-Leuchten.

Valérie Jost

Wenn das Wohnzimmer dunkel sein soll, soll es dunkel sein. Das möchte man im eigenen Wohnraum so steuern können. Ungemütlich ist es, wenn Strassenlaternen von draussen trotzdem reinscheinen und den Raum erhellen. Derartige Beschwerden hat es in Lenzburg offenbar gegeben. Das ist einer Anfrage der SVP-Einwohnerratsfraktion vom März zu entnehmen.

Es geht darin um die neue Strassenbeleuchtung; die Stadt rüstet seit einiger Zeit auf LED-Technik um. Der Stadtrat setzt in seiner Antwort an die SVP dezidiert auseinander, an welchen Orten welche Lampen eingesetzt werden und warum. An manchen Orten werden neue Modelle eingesetzt, an anderen bleiben die alten Fassungen der Laternen, alle aber werden mit LED-Leuchtkörpern versehen.

Teilweise, so heisst es in der Antwort weiter, könne an den Lampen ein Blendschutz montiert werden. Eines der Modelle kann so bestückt werden, dass der Ausleuchtungswinkel nur noch 180 Grad beträgt. Entlang der Siedlungsränder wie etwa dem Buchenweg, der Bollbergstrasse oder dem Oberen Haldenweg würden die Leuchten ab 22 Uhr gedimmt. Ausserdem hätten die neuen LED-Leuchten einen deutlich geringeren Blauanteil, als ihn die erste Generation noch hatte. Nicht zuletzt verspricht der Stadtrat; «Alle bei den SWL Energie AG und bei der Abteilung Tiefbau und Verkehr eingehenden Anfragen werden ernst genommen und sorgfältig geprüft.»

Auch zu hell für die Tierwelt?

Ebenso am Bannhaldenweg. Und doch wurde dort im vergangenen Dezember eine tote Schleiereule aufgefunden. Einen möglichen Zusammenhang mit der Beleuchtung, etwa dass das Tier geblendet wurde und deshalb mit etwas kollidiert ist, kann der Stadtrat nicht bestätigen.

Monica Locher-Schenk, Präsidentin des Lenzburger Natur- und Vogelschutzvereins, kann bestätigen, dass das tote Tier neben einer neu installierten Leuchte gefunden wurde. Sie äussert sich allerdings allgemein zum Zusammenhang zwischen dem hellen, weissen Licht von LEDs und der Natur. «Die Leuchten mögen energetisch ideal sein und ein Gefühl von Sicherheit vermitteln, was auch richtig und wichtig ist. Die Lichtfarbe ist aber zu kalt, Tiere fühlen sich gestört», sagt sie.

Und die Lampen scheinen heller, als es nach Meinung des Vereins notwendig wäre. Der Verein sei gerne bereit, in sensiblen Zonen wie dem Siedlungsrand eine Beleuchtungskartierung durchzuführen. Dies sei dem Stadtrat so mitgeteilt worden. «Die Idee dahinter ist, dass Licht nur dorthin fällt, wo es für die Sicherheit nötig ist und sensible Landschaftskammern dunkel bleiben», erklärt die Vereinspräsidentin.

Die Umrüstung auf neue Technologien bringe auch neue Erkenntnisse. «Erst durch den Einsatz der neuen Leuchtmittel wurde noch nicht so lange erkannt, dass die Lichtfarbe von momentan eingesetzten LED zu kalt für die Tierwelt ist, nachtaktive Fluginsekten, Fledermäuse und Vögel werden magisch angezogen.» Zudem sei die Abstrahlung von hellen Leuchtmitteln vom Boden in den Himmel nicht zu unterschätzen.