Lenzburg
Der Lenzburger Linksrutsch: SVP und Mitte nicht mehr im Stadtrat vertreten

Der Stadtrat wird weiblicher, jünger und deutlich linker. Eine Wahl war dabei besonders knapp – sie wurde mit 31 Stimmen entschieden.

Florian Wicki
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Der neue Lenzburger Stadtrat: Andreas Schmid, Barbara Portmann, Sven Ammann, Beatrice Taubert-Baldinger und Daniel Mosimann

Der neue Lenzburger Stadtrat: Andreas Schmid, Barbara Portmann, Sven Ammann, Beatrice Taubert-Baldinger und Daniel Mosimann

Fabio Baranzini

Da strahlte nicht nur die Sonne, als sich die neugewählten Stadträtinnen und Stadträte gestern unter stahlblauem Himmel vor dem Lenzburger Rathaus trafen. Die drei Neugewählten haben einen fairen und angenehmen (Kritikern zufolge fast schon langweiligen) Wahlkampf hinter sich, sind sich Beatrice Taubert-Baldinger, Sven Ammann und Barbara Portmann-Müller einig. Und das zeigt sich auch darin, wie sie sich nach Bekanntgabe der Resultate in die Arme fielen – wie gute Freunde, die zusammen etwas geschafft haben, und nicht wie Kontrahenten, die bis vor wenigen Augenblicken noch gegeneinander angetreten sind.

Barbara Portmann-Müller (r.) und Beactrice Taubert-Baldinger freuen sich gemeinsam über die Wahl

Barbara Portmann-Müller (r.) und Beactrice Taubert-Baldinger freuen sich gemeinsam über die Wahl

Fabio Baranzini

Die Stimmung dürfte andernorts weniger gut gewesen sein, so zum Beispiel im Lager der SVP. Dort stand am gestern laut Präsidentin Brigitte Vogel «die Fahne auf Halbmast», nachdem Corin Ballhaus den Einzug in den Stadtrat klar verpasst hat: «Es ist uns nicht gelungen, die Wähler zu mobilisieren, und ihnen die Vorteile unserer Politik darzulegen».

Ausserdem sei die SVP vielleicht auch nicht die angesagteste Partei momentan. An der Kandidatin habe es nicht gelegen: «Wir haben Lenzburg eine fähige und würdige Wahl angeboten.» Nun gelte es, die Wahl zu analysieren, auch wenn nicht viel Zeit bleibe, stünden doch Ende November bereits die Einwohnerratswahlen an.

Wegen 31 Stimmen Wahl verpasst

Daniel Mosimann gratuliert Parteikollegin Beatrice Taubert-Baldinger

Daniel Mosimann gratuliert Parteikollegin Beatrice Taubert-Baldinger

Fabio Baranzini

Auch Mitte-Politikerin Sabine Sutter-Suter merkte man gestern die Enttäuschung an, auch wenn sie sich als erfahrene Politikerin natürlich sportlich zeigte, zum Rathaus kam und den anderen Kandidaten zum Sieg gratulierte. Ihr Polit-Comeback ist vorläufig gescheitert, obwohl sie das Absolute Mehr erreicht hat. Zu ihrem Pech haben das nämlich bereits fünf andere Kandidatinnen und Kandidaten vor ihr.

Das sei natürlich frustrierend, findet Sutter-Suter: «Ich hätte der Stadt Lenzburg gerne meine Finanzkenntnisse zur Verfügung gestellt.» Besonders nagt der Umstand an ihr, dass sie die Wahl wegen 31 Stimmen verpasst hat: «Bei so einer kleinen Differenz kann man schon fast von Zufall sprechen.»

Andreas Schmid (r.) gratuliert Sven Ammann

Andreas Schmid (r.) gratuliert Sven Ammann

Fabio Baranzini

Gleichzeitig freut sie sich über die erhaltenen Stimmen: «Ich möchte den Wählerinnen und Wähler danken, die mir ihr Vertrauen geschenkt haben.» Und auch sie blickt nach vorn, zu den Einwohnerratswahlen, auch wenn sie nicht mehr selber antritt: «Ich bin damals zurückgetreten, um anderen Platz zu machen.»

Somit ist der Lenzburger Stadtrat neu zusammengesetzt, jünger, weiblicher und auch deutlich linker; ab nächstem Jahr besteht er nur noch aus drei Parteien, der FDP, der SP und der GLP.

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