Die Kantonshauptstadt strebt ein Gross-Aarau an mit den Gemeinden Densbüren, Oberentfelden, Unterentfelden und Suhr. Im Osten des Aargaus macht Turgi Fusionsavancen in Richtung Baden (siehe Box am Ende des Artikels).

Jetzt liebäugelt auch Lenzburg ganz offen mit einem Zukunftsraum. Zehn Jahre nach den bereits in ihren Anfängen gescheiterten Heiratsabsicht mit Nachbar Niederlenz kommt das Thema wieder aufs Tapet. In den Legislaturzielen 2018  bis  2021 wirft der Stadtrat den Köder aus und spricht sich für eine Intensivierung der Zusammenarbeit mit der Region aus. Und diese ginge klar über die bisherige Zusammenarbeit im Gemeindeverband Lebensraum Lenzburg-Seetal (LLS) und die individuellen Kooperationen mit Gemeinden in einzelnen Bereichen hinaus. Die vom Stadtrat gewählten Worte sind unmissverständlich: Man will die Verwaltungsorganisation überprüfen und ist im Hinblick auf das Erreichen der kritischen Organisationsgrösse interessiert an zusätzlichen Aufgaben für die anderen Gemeinden.

Die Absicht geht aber noch viel weiter. «Wir sind offen für Fusionen», heisst es in den Zielen, die Lenzburg bis zum Ende der Legislatur im Jahr 2021 anstrebt. Mit andern Worten: Die Bezirkshauptstadt ist auf der Suche nach geeigneten Bräuten und bietet sich – in bunten Farben auf kräftiges Kartonpapier gedruckt – in alle Himmelsrichtungen als Bräutigam an.

Am naheliegendsten ist dabei ein Zusammengehen mit den Nachbardörfern. Die AZ hat bei den zehn Nachbargemeinden nachgefragt, wie die deutlichen Avancen für eine politische Heirat aus Lenzburg bei ihnen ankommen. Die Reaktionen fallen grossenteils ebenso deutlich aus wie das Angebot selber: Die meisten erteilen den Lenzburgern (noch) einen Korb; nur wenige signalisieren leises Interesse an einem Bündnis. Obs dann grad Lenzburg sein muss, ist eine andere Frage.

Ammerswil (671 Einwohner, davon 12 Prozent Ausländer; Steuersatz 105 Prozent).

«Eine Fusion steht für Ammerswil zurzeit nicht zur Diskussion», ist die Reaktion aus dem Walddorf. Vor Jahresfrist hatte Marianne Horner, damals noch als Gemeindeammannkandidatin, in einem Gespräch allerdings erklärt, dass die laufend steigende Aufgabenflut von den kleinen Gemeinden irgendwann nicht mehr im Alleingang zu prästieren sei. Doch so weit scheint es im Moment im Ammerswil noch nicht zu sein.

Egliswil (1450 Einwohner, davon 12 Prozent Ausländer; Steuersatz 107 Prozent).

«Der Gemeinderat Egliswil plant keine engere und intensivere Zusammenarbeit mit der Stadt Lenzburg. Fusion ist für Egliswil kein Thema», schreibt Gemeindeammann Rolf Jäggi. Hingegen wolle man sich beim LLS weiterhin «aktiv einbringen und engagieren, damit die Region nachhaltig gestärkt wird».

Hendschiken (1229 Einwohner, davon 17,5 Prozent Ausländer; Steuersatz 125 Prozent).

«Der Zusammenschluss mit anderen Gemeinden stand bei den ersten zwei Klausuren des Gemeinderats nicht auf der Traktandenliste. Der Gemeinderat Hendschiken wird sich zu gegebener Zeit mit dieser Fragestellung auseinandersetzen und entsprechend informieren», lautet die Antwort von Hendschikens Frau Gemeindeammann Sabina Vögtli. Bis auf Vögtli selber ist das 5-köpfige Ratskollegium erst seit einem halben Jahr im Amt.

Möriken-Wildegg (4400 Einwohner, davon 22,8 Prozent Ausländer; Steuersatz 94 Prozent).

«Möriken-Wildegg ist offen für alle Diskussionen», sagt Gemeindeammann Hans-Jürg Reinhart. Nährt er die Hoffnungen der Werberin? Für die laufende Legislatur habe sich Möriken-Wildegg die «stetige Überprüfung von weiteren Zusammenarbeitsmöglichkeiten mit den Nachbargemeinden auf die Fahne geschrieben», erklärt Reinhart. In diesem Zusammenhang muss Lenzburg allerdings Kritik aus Möriken-Wildegg einstecken. Es gebe Bereiche, wo Lenzburg «aus mir unerfindlichen Gründen keine Kooperation sucht», hält Ammann Reinhart fest. «So ist Lenzburg nicht Mitglied des Gemeindeverbands Soziale Dienstleistungen Region Lenzburg.»

Niederlenz (4754, davon 28,4 Prozent Ausländer; Steuersatz 117 Prozent).

Mit Niederlenz hat Lenzburg bereits eine Liaison mit unerfreulichem Ende hinter sich. 2006, bei der 700-Jahr-Stadtrechtsfeier von Lenzburg hat der damalige Gemeindeammann Maurice Humard in seiner Grussbotschaft den Stein ins Rollen gebracht und den Lenzburgern die Nachbarin Niederlenz als Braut angeboten. Zwei Jahre später machten die Stimmbürger von Niederlenz einen Rückzieher und zeigten bereits einer Machbarkeitsprüfung die rote Karte. Jetzt, nachdem Gras über die Sache gewachsen ist, nimmt Humards Nachfolger Jürg Link einen neuen Anlauf. «Es ist wieder Zeit für Fusionsabklärungen», sagt er. Trotz der deutlichen Botschaft gibt sich Link vorsichtig. Er sei sich durchaus bewusst, dass gerade im Kleinen Demokratie und Zusammenhalt gut funktionieren würden. Nichtsdestotrotz liessen sich die finanziellen und organisatorischen Herausforderungen von heute im grösseren Verbund besser lösen, argumentiert er. Link hofft, dass «der Gemeinderat an einer Gemeindeversammlung beauftragt werde, das Thema ‹Fusion› wieder anzupacken».

Othmarsingen (2856 Einwohner, davon 25,9 Prozent Ausländer; Steuersatz 107 Prozent).

«Othmarsingen sieht seine Zukunft als eigenständige Gemeinde», hält Ammann Hans Rätzer fest. Im aktuellen Leitbild bekräftige der Gemeinderat jedoch die Absicht, dass «die konstruktive Zusammenarbeit mit regionalen Körperschaften und mit den Gemeinden in der Region in allen Bereichen verstärkt wird». In Othmarsingen ist man überzeugt, dass Aufgaben durch Kooperationen kostenwirksamer gelöst werden können.

Rupperswil (5481 Einwohner, davon 21,9 % Ausländer; Steuersatz 97 %).

«Nein, nie!», antwortet Gemeindeammann Ruedi Hediger auf die Frage nach einem möglichen Zusammenschluss mit Lenzburg. «Die Bevölkerung habe sich in einer Umfrage mit 80 Prozent gegen eine Fusion ausgesprochen.» Wenn überhaupt, käme für Rupperswil nur ein Zusammengehen mit einer Nachbargemeinde wie beispielsweise Auenstein infrage.

Schafisheim (3000 Einwohner, davon 18,3 Prozent Ausländer; Steuerfuss 99 Prozent).

«Schofise hat in seiner Vision 2038 festgehalten, dass das Dorf eigenständig bleiben will», lautet der abschlägige Bescheid an Lenzburg von Gemeindeammann Roland Huggler.

Seon (5268 Einwohner, davon 25,9 % Ausländer; Steuerfuss 108 %).

«Die Gemeinde Seon soll in sämtlichen Bereichen konkurrenzfähig sein und ein attraktiver Partner für Zusammenarbeiten und Zusammenschlüsse», zeigt sich Gemeindeammann Hans Peter Dössegger offen für vielfältige Kooperationsmöglichkeiten. Diese würden jedoch «nicht bedingungslos angestrebt, sondern da, wo es Sinn macht und einen quantitativen oder wirtschaftlichen Nutzen bringt». Wo die Gemeinde derzeit ihre Prioritäten setzen will, wird deutlich, wenn Dössegger sagt, dass Seon der Ortsbürgergemeinde mehr Gewicht verleihen und diese sichtbarer machen wolle.

Staufen (3235 Einwohner; davon 17 Prozent Ausländer; Steuerfuss 86 Prozent).

«Eine solche Diskussion ist nicht auf der politischen Agenda der Gemeinde Staufen», macht Gemeindeammann Otto Moser deutlich und bringt seine Überraschung zum Ausdruck, dass «dieses Thema nach so kurzer Zeit nach einer missglückten Fusion zwischen Lenzburg und Niederlenz bereits wieder belebt wird».