Im Sommer 2015 eröffnet die Stiftung Schürmatt, Zetzwil, in Othmarsingen ein Heilpädagogisches Zentrum für Werkstufe und Berufsvorbereitung (HZWB).

Dort sollen leistungsfähige Schülerinnen und Schüler der 8. und 9. Klasse von der praktischen Seite her an Berufsfelder herangeführt werden. Die Jugendlichen kommen aus den Heilpädagogischen Schulen Aarau, Bremgarten, Lenzburg, Wettingen, Windisch, Wohlen und Zetzwil.

Wie das Vorhaben in der Praxis umgesetzt wird, erklärt Werner Sprenger, Direktor der Stiftung Schürmatt, so: «Wir werden in Othmarsingen eine praxisbezogene Infrastruktur bereitstellen, in welcher die 15- bis 18-jährigen Jugendlichen integriert in ihren schulischen Alltag in verschiedenen Berufen schnuppern können und dabei ausloten, wo ihre grundsätzlichen Interessen und Fähigkeiten liegen.»

Das HZWB fokussiert mit seinem Angebot auf Berufe im Umfeld der Hauswirtschaft und der Gastronomie. Zudem können bei Hauswarts- und Umgebungsarbeiten erste Berufserfahrungen gesammelt werden. Für die Branchen Holz- und Metallbau stehen ebenfalls Angebote zur Verfügung. Für weitere Berufe werden Praktikumsorte in den umliegenden KMU vermittelt.

Das in den zwei Schuljahren erworbene praktische Fachwissen soll den Schülern anschliessend den Einstieg in die Berufslehre oder Arbeitsverhältnisse im anspruchsvollen Wirtschaftsumfeld erleichtern.

Praktisches Arbeiten im Zentrum

Zu diesem Zweck baut die Stiftung Schürmatt in der alten Turnhalle, wo der Mensa-Betrieb vorgesehen ist, eine leistungsfähige Betriebs- und Lernküche. Die Stiftung trägt auch die Investitionskosten von rund 800 000 Franken.

In der Mensa werden künftig in der Mittagspause nebst den eigenen Schülern auch die Schüler des Othmarsinger Mittagstischs verpflegt.

Bei der Zubereitung der Speisen kommen die Jugendlichen unter fachkundiger Anleitung zum Einsatz. Beschäftigungsmöglichkeiten gibt es viele: Planen, einkaufen, rüsten, kochen, aufräumen, abwaschen gehören dazu.

Während der zwei Jahre wird jedem Schüler ein Mentor zur Seite gestellt, der ihn in der schulischen wie auch der praktischen Entwicklung begleitet und unterstützt. Ziel sei es, «möglichst viele Jugendliche in diesen beiden Jahren zur Berufswahlreife auf der Stufe des eidgenössischen Berufsattests zu führen.»

Der Entscheid, in welchem Beruf und an welchem Ausbildungsort die Schüler anschliessend ihre Ausbildung antreten, treffen die Eltern ausschliesslich zusammen mit der IV-Berufsberatung Aargau, so Sprenger.

Selbstständigkeit ist vorausgesetzt

Schüler, welche künftig das HZWB besuchen, haben gewisse Voraussetzungen zu erfüllen, erklärt er.

Sie müssen in der Lage sein, den Schulweg in der Regel selbstständig mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu bewältigen. Sie benötigen im persönlichen Alltag keine oder moderate Unterstützung. Im sonderpädagogischen Bereich sind sie hingegen teilweise auf erhöhte Fördermassnahmen angewiesen.

Das neue Schulkonzept ist laut dem Schürmatt-Direktor bei der Standortevaluation und den vor Ort jeweils vorgefundenen Möglichkeiten gewachsen.

Die Umsetzung erfolgt im Auftrag des Departements für Bildung, Kultur und Sport (BKS), Abteilung Sonderschulung, Heime und Werkstätten. Dieses hat den von der Stiftung Schürmatt eingereichten Businessplan am 8. Oktober 2013 bewilligt.

In der vorliegenden Form ist die HZWB ein Pilotprojekt. Für Sprenger hat es «zukunftsweisenden Charakter, der Schule machen kann.» Das HZWB startet im August 2015 mit 50 bis 60 Schülern.