Wer seinen Hund in den Wald spazieren führt, muss den Vierbeiner an die Leine nehmen: Ab kommendem Montag gilt wieder zwingend eine viermonatige Leinenpflicht für alle Hunde. Die Lenzburger Versicherungsexpertin Crista Ruedlinger ist selber Hundebesitzerin und verbringt mit ihren beiden Yorkshire Terriern Lady und Amigo regelmässig Zeit im Wald. Crista Ruedlinger macht sich Gedanken zu möglichen Interessenskollisionen der verschiedenen Waldnutzer. In einem Schreiben erklärt sie: «Ziel der Bestimmung gemäss Paragraf 21 der Aargauer Jagdverordnung ist primär, die Kinderstube der Natur zu schützen. Es geht dabei um alle wildlebenden Säugetiere, aber auch um die Vögel (Hecken- und Bodenbrüter) bis hin zu Amphibien oder Lurchen. Von April bis Juli ist das Ruhebedürfnis der Wildtiere und Vögel besonders gross, damit sie ihre Jungen aufbringen können. Zu dieser Rücksichtnahme sind alle Waldbenutzer verpflichtet.» Ruedlinger zitiert Thomas Laube, Vizepräsident von Jagd Aarau und verantwortlicher Jagdleiter des Reviers Diana Lenzburg. Dieser sagte: «Wenn wir den Wald als natürliches Biotop und Lebensraum der Wildtiere auch künftig erhalten wollen, müssen wir in der Nutzung als Erholungsraum Einschränkungen akzeptieren und respektieren. Das betrifft nebst den Hundehaltenden auch andere Freizeitaktivitäten wie das Biken, Geo-Cashen und so weiter.»

Dann fährt Crista Ruedlinger fort: «Die meisten Hundehalter gönnen natürlich ihrem Vierbeiner nur zu gerne den freien Auslauf im und um den Wald. Die Leinenpflicht wird vielfach nicht verstanden oder beim eigenen Hund als unnötig erachtet. Jeder Hund reagiert auf Reize, seien es Gerüche, Geräusche oder Bewegungen, und die Intensität dieser Reize ist nur schwer einschätzbar. Auch die vielfach gehörte Erklärung, der Hunde verhalte sich angeleint besonders aggressiv, kann nicht akzeptiert werden. Die Hundetrainerin Monika Giger aus Staufen ist überzeugt, dass die Frustrationstoleranz an der Leine mit Training und Konsequenz auf jeden Fall erhöht werden kann. Generell gehört das Anleinen zu den elementaren Regeln bei Hundebegegnungen, wenn ein angeleinter Hund entgegenkommt oder aber erfahrungsgemäss unerwünschtes Verhalten zu befürchten ist. Dies nicht nur zum Schutz der Wildtiere.

Kontrolle und Konsequenzen

Seit Einführung der gesetzlichen Leinenpflicht wurden gezielte Informationskampagnen durchgeführt, so finden sich vielerorts an Waldeingängen Informationstafeln, unter anderem mit dem Waldknigge.

Nach mehreren Jahren Prävention (Information) werden die fehlbaren Hundehaltenden dieses Jahr Restriktionen erwarten müssen. Die Jagdaufsicht wird in Zusammenarbeit mit der Regionalpolizei entsprechende Kontrollen vornehmen, und Fehlverhalten wird strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.» Ruedlinger fordert: «Im Interesse unserer Waldtiere, aber auch im Interesse eines respektvollen und konfliktfreien Umganges aller Waldbenützer halten wir uns an die erforderlichen Regeln und geniessen den erholsamen Aufenthalt in unseren schönen Wäldern.» (AZ)