Vor 98 Jahren verliess die Pfarrerstochter Gertrude Lörtscher ihr Heimatdorf Wimmis BE, um sich in Niederlenz an der Gartenbauschule zur Gärtnerin ausbilden zu lassen.

Als Trudi Duby Blom ist die Frau in Chiapas, Mexiko, noch heute ein Begriff: Sie hat sich bis an ihr Lebensende mit Erfolg für das Volk der Lacandonen und deren Lebensraum, den Regenwald, eingesetzt.

Eine Delegation aus Mexiko besuchte nun das Berufsbildungszentrum Niederlenz. Kyra Nunez, Autorin eines 430 Seiten starken Buches über Trudi Duby, präsentierte ihr Werk und erzählte aus dem Leben der engagierten Frau.

Sozialistin und Antifaschistin

Trotz Niederlenzer Lehrzeit führte Trudi zum Leidwesen ihrer Eltern nicht ein gutbürgerliches Leben: Sie wurde zur engagierten Sozialistin und Antifaschistin, organisierte Weltfrauenkongresse, war Widerstandskämpferin in Frankreich, bevor sie 1940 zuerst in die USA und dann nach Mexiko emigrierte.

Als erste weisse Frau hat sie 1943 Expeditionen in den mexikanischen Regenwald unternommen, hat fotografiert und so Kultur und Lebensraum der Indianer erforscht.

Auf die Heirat mit ihrem zweiten Ehemann, dem dänischen Archäologen und Kartografen Frans Blom, geht der Name ihres Anwesens in San Christobal de las Casas zurück: Na Bolom.

In der Sprache der Lacandonen heisst das «Haus des Jaguars». Das Haus wurde zum Zentrum für mittelamerikanische Studien. Bis zu ihrem Tod 1993 – sie wurde 92-jährig – lebte sie dort.

«Was sie in Niederlenz gelernt hatte, setzte sie für den Regenwald ein», sagte die Autorin der Biografie: Sie baute Treibhäuser, um einheimische Gemüsesorten, durch die Abholzung des Waldes in Gefahr, zu vermehren. Auch konnte sie den mexikanischen Präsidenten für den Schutz des Regenwaldes gewinnen, zumindest auf dem Papier. Von einer UNO-Organisation erhielt sie 1991 eine Auszeichnung für ihre «Verdienste zur Erhaltung einer gesunden Welt».

Eine Linde zum Andenken

Zu Ehren von Trudi Duby Blom pflanzten die Lehrlinge Antonio Bibiloni und Fabian Lucas – sie übersetzten mit Barbara Häsler Nunez’ Ausführungen – eine Sommerlinde. Sehr zur Freude des Niederlenzer Gemeindeammanns Jürg Link: Die Linde prangt auf dem Gemeindewappen.

«Den ersten Kontakt hatten wir vor drei Jahren, als Kyra Nunez für das Buch recherchierte», sagt Brigitte Vogel, Schulleiterin des Berufsbildungszentrums Niederlenz. Duby Bloms Feststellung «Alles für heute – nichts für morgen», das fehlende Verantwortungsbewusstsein für kommende Generationen, sei heute mindestens so aktuell wie zu ihrer Zeit.

Dubys Werk lebt weiter in der Stiftung «Na Bolom» (www.na-bolom.org). Das zugehörige Haus ist wie schon zu Lebzeiten Trudi Dubys Museum und Hotel. Es beherbergt mehr als 5000 Fotos von Trudi Duby Blom, die teilweise ausgestellt sind. So sollen die ehemalige Niederlenzer Lehrtochter und ihr Lebenswerk nicht vergessen gehen. Auch die Verbindung Niederlenz - Na Bolom beziehungsweise Schweiz - Mexiko könnte verstärkt werden. Volontäre seien willkommen, sagte Kyra Nunez.

Rostros y rastros de una leyenda: Getrude Duby Blom Buch von Kyra Nunez, über Gertrude Duby Blom, ISBN 978-607-7909-10-1. Nicht auf Deutsch, aber auf Spanisch und Englisch erhältlich.