Birrwil
Lehrreicher Jagdtag hoch über dem Hallwilersee

Die traditionelle Behördenjagd im Jagdrevier Birrwil fand dieses Jahr im Nebel statt. Umso mehr konzentrierte sich die Aufmerksamkeit auf die Ausführungen des Jagdleiters.

Hanny Dorer
Merken
Drucken
Teilen
Jagdleiter Richard Zuckschwerdt vermittelt den Gästen vielerlei Wissenswertes rund um die Jagd und ihr Brauchtum. Hanny Dorer

Jagdleiter Richard Zuckschwerdt vermittelt den Gästen vielerlei Wissenswertes rund um die Jagd und ihr Brauchtum. Hanny Dorer

AZ

Die Behördenjagd im Jagdrevier Birrwil hat Tradition: Seit Jahren lädt die Jagdgesellschaft einmal im Jahr Gäste ein, damit sie den Jagdbetrieb mit all seinen Facetten kennen lernen. «Ziel ist es, unseren Gästen den Jagdbetrieb, das jagdliche Brauchtum und die Sprache näherzubringen», begründet Jagdleiter Richard Zuckschwerdt die langjährige Tradition der Behördenjagd. «Wir wollen ihnen einen vertieften Einblick in eine zeitgemässe, schonungsvolle Bewegungsjagd geben.»

Man will aber nicht nur den Kontakt mit den politischen Behörden, sondern auch mit der Landwirtschaft pflegen. Zuckschwerdt erwähnt dabei unter anderem den Schutz der jungen Wildtiere, die Jäger und Bauern jeweils im Frühling gemeinsam durchführen. Auch mit anderen Waldbenützern, zum Beispiel den Orientierungsläufern, habe man den Konsens gefunden. «Wichtig ist dabei immer der gegenseitige Respekt», betont er. Dass Gemeindeammänner und Grossräte die Einladung zur Behördenjagd jeweils gerne annehmen beweist, dass diese Art der Information geschätzt wird.

Nebel statt Sonne

Enttäuscht wurde die Hoffnung auf einen sonnigen Spätherbsttag; vielmehr hielt sich der Nebel hartnäckig den ganzen Tag, sodass die herrliche Aussicht auf den Hallwilersee und in die Alpen der Fantasie überlassen blieb. Umso mehr konzentrierte sich die Aufmerksamkeit auf die Ausführungen des Jagdleiters, der unter anderem auf die Sicherheitsaspekte hinwies, die es beim Anstellen der Jäger einzuhalten gilt.

Nach dem Signal zum Start des ersten Triebes wurde es erst einmal ruhig. Von weitem hörte man das Rufen der Treiber, die sich durch das Dickicht mühten, um Reh und Fuchs aufzuscheuchen. «Dort, ein Reh!», flüsterte Rosmarie Wernli, alt Gemeindeammann von Ammerswil. Alle wandten die Köpfe, doch das Tier verschwand bereits wieder im Wald. Es sollte das einzige bleiben, das die Gäste an diesem Tag lebend zu sehen bekamen. Später ertönte ein Schuss. Ob es wohl dieses Reh war?

Gäste als Treiber unterwegs

Einzelne Gäste betätigten sich auch als Treiber. Unter ihnen alt Regierungsrat Ernst Hasler, der in allen drei Trieben die Treibermannschaft tatkräftig unterstützte. «Das hält wenigstens warm», erklärte Grossrätin Milly Stöckli. Dafür kamen die übrigen Gäste, die von Jagdleiter Zuckschwerdt jeweils an einen Platz geführt wurden, von dem aus man einen guten Überblick über das Geschehen hatte, in den Genuss von zahlreichen Informationen über das Jagdwesen. Sie erfuhren unter anderem, was ein Jäger alles dabei haben muss, welche Voraussetzungen für den Erhalt eines Jagdausweises erfüllt werden müssen und welche Kenntnisse sich ein Jagdlehrling aneignen muss, um die Prüfung zu bestehen.

Willkommene Aufwärmpause nach dem zweiten Trieb: Bei der Waldhütte Birrwil gabs beim Zwischenaser Würstli und Bouillon, bevor man zum dritten Trieb aufbrach. Auch diesmal bekam man keine Tiere zu Gesicht, dafür konnte man einen imposanten Dachsbau besichtigen. Inzwischen war es recht kühl geworden und so kehrte man gerne in die Waldhütte zurück, wo man sich bei Rehpfeffer - was denn sonst - wieder aufwärmen konnte.

Zum Jagdbrauchtum gehört es, den erlegten Tieren die letzte Ehre zu erweisen. So auch in Birrwil: Im Schein von Finnenkerzen und unter den Klängen der Jagdhornbläser versammelten sich Jäger und Gäste um die sogenannte Strecke, die an diesem Tag aus drei Rehen und zwei Füchsen bestand. Mit dem Signal «Auf Wiedersehen» ging der lehrreiche Jagdtag zu Ende.