Das neue Heilpädagogische Zentrum in Othmarsingen soll von der Stiftung Schürmatt geführt werden. Doch nun wehren sich verschiedene Heilpädagogen im Kanton mit einer Resolution gegen diese weitere Übernahme einer Sonderschule durch eine private Institution. «Es käme niemanden in den Sinn, die Bezirksschule zu privatisieren. Warum ist das bei Sonderschulen anders?», fragt Mitunterzeichnerin Verena Iseli aus Wohlen. Mit Berufskollegen hat sie Unterschriften gesammelt, die im Namen des Aargauischen Lehrerverbands (alv) beim Kanton eingereicht werden sollen. «Die Regierung soll ihre Absicht klar darlegen. Wir wollen nicht wieder vor vollendeten Tatsachen gestellt werden wie bei der HPS in Aarau», sagt Iseli.

Vor einem Jahr hatte Aarau entschieden, ihre Heilpädagogische Schule (HPS) von der Stiftung Schürmatt aus Zetzwil leiten zu lassen. Heinz Linder, Leiter Geschäftsbereich Kinder und Jugendliche in der Schürmatt, sagt: «Schulpflege, Stadtrat und Einwohnerrat haben in Aarau Ja gesagt. Der Prozess war offen und demokratisch.»

Derselbe Leistungsauftrag

Am Mittwoch sass Linder mit Thomas Ineichen vom alv und den SP-Grossrätinnen Kathrin Scholl und Elisabeth Burgener zusammen, um die Ungereimtheiten beizulegen. «Ich habe klargestellt, dass die Schürmatt nichts im Schilde führt wegen weiterer Übernahmen von gemeindeeigenen Sonderschulen», sagt Linder. «Es sei denn, wir werden angefragt.»

Ob eine HPS privatrechtlich oder öffentlich-rechtlich geführt wird, mache keinen Unterschied, findet Linder. «Alle haben denselben Leistungsauftrag vom Kanton», sagt er, und auch die Anstellungsbedingungen für die Lehrpersonen seien dieselben. «Der Landenhof und die Zeka sind ebenfalls privat – das stört offenbar nicht.»

Andere Führungsstrukturen

Laut Sascha Katja Giger vom kantonalen Bildungsdepartement entscheiden die Gemeinden selber, ob sie eine HPS führen oder sie einer privaten Trägerschaft übergeben wollen. Heilpädagogische Schulen sind auf Kantonsebene nicht Teil der Abteilung Volksschule, sondern der Abteilung Sonderschulung, Heime und Werkstätten. Für diese gelten andere Bestimmungen. «Das sehe ich als Teil des Problems», sagt Grossrätin Elisabeth Burgener (SP), die beim Kanton bereits zwei Interpellationen zum Thema eingereicht hat. «Im Kanton Baselland gehört die HPS seit Januar der Abteilung Volksschule an.» In Solothurn wird 2013 über eine Übernahme aller Sonderschulen durch den Kanton abgestimmt.

Macht es einen Unterschied, ob privat oder öffentlich? Gemäss einzelnen Lehrpersonen seien Stiftungen stärker betriebswirtschaftlich orientiert und müssten stetig wachsen. In Aarau hatte die Schürmatt die Stadt angefragt wegen der Übernahme. Linder bestätigt: «Wir haben andere Führungsstrukturen als die Gemeinden.» In der HPS Aarau haben die Schulleiterin und ein Bereichsleiter wegen der Übernahme durch die Schürmatt gekündigt.