SAR Premium Cars
Leasingpleite um Autokönig Santoro: Ein Krimi mit Drohungen, Detektiven und vielen Verlierern

Riccardo Santoro soll Autos im Wert von 22 Millionen Franken veruntreut haben. Die Leasingpleite seiner SAR Premium Cars AG entwickelte sich schnell zum Wirtschaftskrimi.

Pascal Meier
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In der Villa, die am Dienstagnachmittag in Dottikon versteigert wurde, hat Besitzer Riccardo Santoro hat nie gewohnt. Kaum gebaut, brach sein Autoimperium zusammen. Im Mai 2011 schickte die Fidis Finance AG 17 Sattelschlepper in die Nachbargemeinde Dintikon und liess bei Santoros SAR Premium Cars AG rund 60 Luxus-Karossen abtransportieren.

Die Leasinggesellschaft des Fiat-Konzerns brach damit Knall auf Fall mit ihrem Geschäftspartner Santoro. Dieser hatte teure Autos zu Top-Leasing-Konditionen vermittelt. Wer bei Santoros SAR Premium Cars einen Bentley leaste, durfte diesen vor Ablauf des Drei-Jahres-Vertrags gegen einen anderen Flitzer tauschen.

Dieses Leasingmodell lockte Unternehmer und Spitzensportler nach Dintikon. Die Konkurrenz zerbrach sich den Kopf, wie diese Rechnung aufgeht. 2011 peilte SAR Premium Cars einen Umsatz von 250 Millionen Franken an. Daraus wurde nichts: Fidis Finance, welche die Luxus-Autos von Santoro kaufte und seinen Kunden gegen Leasingrate zur Verfügung stellte, zog der SAR mit der Räumungsaktion den Stecker.

Das Unternehmen wusste laut eigenen Aussagen nichts von den vorzeitigen Fahrzeugwechseln. Fidis reichte im Sommer 2011 Strafanzeige gegen Santoro ein. Hauptvorwurf: Veruntreuung von 190 Autos im Wert von ungefähr 22 Millionen Franken.

Santoro wurde bedroht

Danach brach das Chaos aus. Fidis Finance suchte in der ganzen Schweiz nach Fahrzeugen, teilweise mit speziellen Methoden: Privatdetektive stellten SAR-Kunden nach. Die az dokumentierte 2011 mehrere Vorfälle: In einem Fall fotografierte ein Detektiv auf dem Grundstück eines SAR-Kunden die Fahrgestellnummer eines Autos.

Ein Handwerker stoppte den Mann, es kam zum Handgemenge. Dabei fiel dem Detektiv eine Pistole aus der Tasche. SAR-Kunden ärgerten sich zudem über Rechnungen: Fidis Finance forderte plötzlich Leasingraten für Fahrzeuge ein, die SAR-Kunden längst vorzeitig zurückgegeben hatten.

Gleichzeitig entwickelte sich die SAR-Leasingpleite zu einem der grössten Fälle von Wirtschaftskriminalität im Kanton Aargau seit 20 Jahren. Im Sommer 2012, ein Jahr nach dem Kollaps der SAR Premium Cars, lagen rund 60 Strafanzeigen auf dem Tisch der kantonalen Staatsanwaltschaft. Diese bearbeitete zu diesem Zeitpunkt 17 Strafverfahren mit über 40 Anwälten.

Juni 2012: Die Staatsanwaltschaft versteigert in Altishofen LU 40 beschlagnahmte Autos der SAR Premium Cars, um deren Wertverlust zu stoppen.

Juni 2012: Die Staatsanwaltschaft versteigert in Altishofen LU 40 beschlagnahmte Autos der SAR Premium Cars, um deren Wertverlust zu stoppen.

Andre Albrecht

Der Grosse Rat bewilligte der Staatsanwaltschaft mehr Personal, um die Leasingpleite bewältigen zu können. Das war nötig: So musste die Staatsanwaltschaft unter anderem über 250 Personen kontaktieren, um die Verkaufswege von einzelnen Fahrzeugen abzuklären. Im Juli 2012 versteigerte die Staatsanwaltschaft 40 beschlagnahmte Fahrzeuge, weil diese an Wert verloren. Das Geld kam auf ein Sperrkonto. Wem die Autos gehören, war damals völlig unklar.

Brenzlig wurde es auch für Riccardo Santoro: Er werde lebendig begraben, drohte ihm ein Geschäftspartner. Ein anderer liess durchblicken, dass er den Schulweg seiner Tochter kenne. «Meine Familie ist deshalb im Ausland», sagte Santoro zwei Monate nach dem SAR-Kollaps der az. Er selbst sei manchmal mit einem «Aufpasser» unterwegs.

Untersuchung bald zu Ende

Seither sind bald sechs Jahre vergangen. Ebenso lange dauert die Untersuchung der Staatsanwaltschaft. «Wir gehen davon aus, dass die Untersuchung 2017 abgeschlossen werden kann», sagt Sprecherin Fiona Strebel. Der grösste Teil der untersuchten Straftaten sei zum Nachteil von Fidis Finance erfolgt. «Zudem werden Geschäftsführungs- und Konkursdelikte untersucht», so Strebel. Zu den Geschädigten gehörten vor allem SAR beziehungsweise deren Gläubiger, darunter viele Kunden.

Die ganze Dimension der SAR-Leasingpleite zeigen eindrücklich die Dokumente, die seit Mai 2011 zusammengekommen sind: Sie füllen 355 Bundesordner.