Leutwil
Langlaufen im Seetal: «Es war schön, nach zwei Jahren wieder ein Rennen durchführen zu können»

Die Skilifte in der Barmelweid, der Schlittenhang im Dorf: Das ist alles schön und gut. Doch in Leutwil gehen sie noch etwas weiter. Seit mindestens 1998 gibt es hier eine Langlauf-Loipe – und seit mindestens 2016 ein Abendrennen.

Michael Küng
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Impressionen vom nächtlichen Loipenrennen in Leutwil
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Benjamin Gloor präpariert die Loipe vor dem Rennen.
Impressionen vom nächtlichen Loipenrennen in Leutwil
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Impressionen vom nächtlichen Loipenrennen in Leutwil
Impressionen vom nächtlichen Loipenrennen in Leutwil
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Impressionen vom nächtlichen Loipenrennen in Leutwil
Impressionen vom nächtlichen Loipenrennen in Leutwil
Es hat zwar Scheinwerfer, beim Nachtrennen sind Stirnlampen aber doch hilfreich.
Impressionen vom nächtlichen Loipenrennen in Leutwil
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Impressionen vom nächtlichen Loipenrennen in Leutwil
Impressionen vom nächtlichen Loipenrennen in Leutwil

Impressionen vom nächtlichen Loipenrennen in Leutwil

Michael Küng

Während Aarau schon seit Tagen keinen Schnee mehr gesehen hat, versank das Schützenhaus von Leutwil am Mittwoch noch im tiefsten Winter. Auf der Hochebene Moos, 650 Meter über Meer, lagen gut und gerne 20 Zentimeter Schnee, die Bäume waren in weiss gehüllt und die Äste von glitzernden Eiskristallen überzogen, als sich Benjamin Gloor auf ein altes Schneemobil setzte und dessen kleinen Scheinwerfer gegen den dichten Nebel antanzen liess. Er warf den 30 Jahre alten Motor des knallig orangen «Ski-Doos» an und machte sich auf der Hochebene Moos in Leutwil auf die Langlauf-Loipe, die er bereits am Sonntag in einem drei Kilometer langen Rundkurs um das Moos gelegt hat. Hinter sich her zog er eine breite Walze, die der Loipe noch ein letztes Mal den letzten Schliff geben sollte, bevor in Leutwil das erste Loipenrennen seit zwei Jahren starten konnte. Und bevor am nächsten Morgen der Regen alles wieder vergessen machte.

Bei einem Anwohner stellte er noch schnell einen Scheinwerfer in den Garten, um den Läufern etwas Orientierung zu geben. Es ist einer von vielen, doch im dichten Wabern des Nebels scheinen selbst die grössten Scheinwerfer kaum mehr zu nützen als das altersschwache Flackern des Schneemobils.

Die Loipe von Leutwil gibt es seit mindestens 1998, soweit zurück reicht das Logbuch des Loipenmeisters. Darin trägt er penibel ein, an welchem Tag was gemacht worden ist.

19. Januar 2017: Spuren und Pressen, Loipentafel aufhängen. Sehr kalt, neben Loipe aller Schnee weggeblasen.

23. Januar 2017: 2. Abendrennen, 27 Teilnehmer.

Es ist gleichzeitig der letzte Eintrag aus dem Jahr 2017. Die Saison im Moos ist kurz, damals dauerte sie dreizehn Tage, 2018 fiel sie komplett aus. Dieses Jahr konnte Benjamin Gloor den Schneetöff vom Loipenverein am 10. Januar das erste Mal aus dem Schuppen holen. Fünf Stunden verbrachte er an diesem und dem darauffolgenden Tag damit, einen Kurs in den Schnee zu pressen.

Am 13. Januar dann der Eintrag: «Regen, Ende Loipe».

Und am 3. Februar noch einmal von vorne: Drei Tage, zwölf Stunden Arbeit, der Renntag noch nicht einmal mit eingerechnet. Und gestern dann wieder: «Regen, Ende Loipe».
Wieso macht man das? Eine Antwort darauf gibt ebenfalls das Logbuch.

Benjamin Gloor hat den Job des Loipenmeisters im Alter von gerade mal 23 Jahren übernommen. 2006 war das, das Land hatte gerade einen Bilderbuchwinter hinter sich. Schlechte Winter gab es schon damals, doch die Logbucheinträge lasen sich anders. Zur Jahrtausendwende erstreckte sich eine Saison nicht über wenige Zeilen, sondern eine ganze Seite.

Eine Antwort darauf geben aber auch die Nutzniesser von Benjamin Gloor, dem Loipenmeister, Thomas Gloor, dem Kassier und Wolfgang Rytz, dem Sekretär vom Loipenverein Leutwil: Obwohl nur wenige Tage vor dem Rennen noch gar keine Loipe existierte und der Verein keinerlei Werbung macht, fanden mitten in den Skiferien gleich 34 Langläufer den Weg zum Rennen. Unter ihnen sind OL-Läufer, Turner und auch Benjamin Gloor, der mehr zum Plausch mitmacht. «Mit Mühe und Not», habe er die drei Runden über die Loipe geschafft, meint er lachend.

Die Strecke hat es in sich, zur Hälfte dem Waldrand entlang verlaufend, hat bietet sie einige kurze, steile Anstiege und enge Brückenpassagen wechseln sich mit kurvigen Abfahrten ab. Auf der Strecke mehr als Plausch haben wollten der Buttwiler Orientierungsläufer Rico Hübscher (25) und Lukas Frei, Cheftrainer des Aargauer Nachwuchskaders im Orientierungslauf. Rico Hübscher schaffte die insgesamt neun zurückzulegenden Kilometer in 32 Minuten und 39 Sekunden, Lukas Frei folgte 50 Sekunden später. Einen Podestplatz auf sicher hatten die drei Frauen, die an den Start gingen. Yvonne Häuptli aus Gränichen schaffte die sechs Kilometer, die die Frauen zurückzulegen hatten, in 27 Minuten und 58 Sekunden, zweieinhalb Minuten schneller als die Boniswilerin Eveline Güdemann.

«Es war schön, nach zwei Jahren wieder ein Rennen durchführen zu können», sagt Benjamin Gloor. Alles sei gut gelaufen, alles habe funktioniert. Wenn Gloor nicht gerade in Leutwil die Loipe macht, arbeitet er im Autobahn-Unterhalt. Eigentlich würde er sich freuen, wenn er auch für nächsten Mittwoch wieder ein Langlauf-Rennen vorbereiten könnte. Eines der Ziele des Loipenvereins Leutwil ist schliesslich die Förderung des Langlauf-Sports. Das Wetter dürfte nicht mitspielen.

Doch erreicht ist das Ziel sicher: Der Anwohner, in dessen Garten am Mittwoch ein Scheinwerfer aufgestellt worden ist? Er heisst Ueli und war am Tag vor dem Rennen das erste Mal in seinem Leben Langlaufen. «Wenn ich schon direkt vor meiner Haustüre eine Strecke habe, dann muss ich das doch ausprobieren», meinte er kurz vor dem Rennen. Es sei dann doch etwas schwieriger gewesen, als er gedacht habe. «Zum Glück hat mich niemand gesehen», lachte er, machte im Haus das Licht aus und machte sich auf den Weg zum Rennstart, als Zuschauer. Erstmal.​