Niederlenz
Landtausch soll zu neuem Schulraum und Modernisierung verhelfen

Weitsichtiges Vorgehen im Rothbleiche-Areal: Die Gemeinde und die Gartenbauschule der Schweizerischen Gemeinnützigen Frauen (SGF) wollen Land tauschen. Dafür ist aber der Segen der Niederlenzer Stimmbürger und der SGF-Mitglieder nötig.

Ruth Steiner
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Die Aufteilung vor und nach dem Landtausch

Die Aufteilung vor und nach dem Landtausch

zvg

Die Gemeinde Niederlenz und der Dachverband der Schweizerischen Gemeinnützigen Frauen (SGF) sind die zwei grössten Landbesitzer des Rothbleiche Areals in der Nähe des Dorfzentrums. Die gemeinsame Fläche umfasst rund 3,3 Hektaren.

Beide, die Gemeinde und der SGF, stehen vor grösseren Investitionen: Niederlenz braucht zusätzlichen Schulraum und der SGF muss die Gartenbauschule auf Vordermann bringen. Mit einem Landabtausch lasse sich für beide Seiten die optimale Lösung erzielen, liessen die Parteien an einer Informationsveranstaltung in Niederlenz verlauten. Zu diesem Schluss geführt habe eine gemeinsame Testplanung über die Entwicklungsmöglichkeiten der zur Verfügung stehenden Gesamtfläche.

Wollen die zwei Eigner jedoch untereinander Landflächen tauschen, brauchen sie dazu die Zustimmung der Niederlenzer Stimmbürger und der Mitglieder des SGF.

Doch alles der Reihe nach: Der Gemeinde gehören rund 1,9 Hektaren, die vorwiegend in der öffentlichen Zone liegen. Darauf stehen die Gemeindebaute Rössligasse und das Schulhaus Rothbleicherain. Das 1,4 Hektaren grosse Grundstück des SGF liegt in der öffentlichen, der Wohn- und Arbeitszone und der Wohnzone W2. Hier in unmittelbarer Nachbarschaft zum Schulareal betreibt der Dachverband SGF das Berufsbildungszentrum (BBZ) mit der Gartenbauschule und dem Atelier ModeElle.

Akuter Handlungsbedarf da

Die Ausgangslage sieht für die Gesprächspartner ähnlich aus: Die Gemeinde muss ihren Schulraum erweitern. Die bestehenden Schulhäuser platzen aus allen Nähten, bereits müssen erste Schulklassen temporär in Container ausgelagert werden. Hinzu kommt ein hoher Investitionsbedarf in Schulhaus- (Rothbleicherain), Kindergarten- und Turnhallensanierungen. Gemeindeammann Jürg Link spricht von einem beträchtlichen zweistelligen Millionenbetrag – längerfristig.

Auch der Dachverband SGF hat akuten Handlungsbedarf: Die BBZ-Liegenschaften sind veraltet und müssen saniert, der Betrieb modernisiert werden. «Die beiden (nach Geschlechtern getrennten) Wohnheime sind derzeit nicht ausgelastet und die BBZ-Anlagen befinden sich partiell in einer Zone, die in der derzeitigen Funktion teilweise unternutzt ist», sagt SGF-Präsidentin Priska Stalder. Mit andern Worten: Das BBZ steht und produziert zum Teil auf teurem Bauland.

Teure Provisorien vermeiden

Die finanzielle Situation ist bei beiden Parteien ähnlich angespannt. Da sind kreative Lösungen gefragt. Zudem will der seit vier Monaten amtierende Ammann Jürg Link Nägel mit Köpfen machen. «Wir müssen endlich aufhören, überall nur ‹Pflästerli› zu kleben und wenn es fertig ist, festzustellen, dass das Erstellte bereits überholt ist.» Provisorium an Provisorium zu reihen verursache nichts als hohe Kosten.

Mit der nun angedachten Lösung glaubt Link, teure Leerläufe umgehen zu können. «Die gemeinsame ganzheitliche Betrachtung über das gesamte Areal hat eine ganz neue Ausgangslage auf der Suche nach optimalen Lösungen geschaffen», sagt er.

Das Lösungswort heisst Landabtausch. Oder «90 Grad», wie die Strategie offiziell genannt wird. In der Praxis würde das bedeuten, dass die beiden nebeneinander liegenden Grundstücke der Gemeinde und des SGF um einen Viertel Richtung Hauptstrasse gedreht würden. Diese neue Flächenaufteilung wäre für Niederlenz laut Link die optimale Ausgangslage zur Lösung des Schulraumproblems. «Wir könnten neuen Schulraum bauen, ohne den laufenden Schulbetrieb zu tangieren.»

Mit dem angedachten Vorgehen glaubt der Gemeindeammann teure Leerläufe vermeiden zu können. «Die gemeinsame ganzheitliche Betrachtung über das gesamte Areal mit einem Testplanungsverfahren hat eine ganz neue Situation auf der Suche nach bestmöglichen Lösungen geschaffen.»

Den nun zur Diskussion stehenden Vorschlag haben Gemeinde und SGF zusammen mit externen Fachleuten, unter ihnen ein Vertreter des Kantons, Departement Bau, Verkehr und Umwelt, Abteilung Raumentwicklung, erarbeitet.

Auf dem zum Abtausch infrage kommenden BBZ-Grundstück stehen derzeit der Blumenladen, Schulräume, Büros und Arbeitsräume. Sie wären beim angestrebten Landabtausch im Sinne der «90-Grad-Drehung» direkt tangiert. Wohin sie verlegt werden müssten, ist noch unklar. «Das gehört zu den betrieblichen Fragen und die stehen derzeit nicht zur Diskussion», erklärt Stalder auf Anfrage. Sie unterstreicht jedoch die Haltung des SGF, wonach das BBZ auch in Zukunft weiter bestehen soll.

Mandat für Vertragsverhandlungen

Nun steht die Strategie vor der ersten grossen Hürde: Die Niederlenzer Bevölkerung und die SGF-Mitglieder müssen jetzt ihre Einwilligung erteilen, dass die Parteien einen Vertragsentwurf für einen möglichen Landabtausch ausarbeiten können. Die SGF-Mitglieder befinden darüber an ihrer Generalversammlung am 21. Mai in Aarau. Beim Niederlenzer Souverän ist der Entscheid für die Sommergmeind am 30. Juni traktandiert.

Das ist jedoch nur ein Zwischenschritt im möglichen Landtausch. Link wie auch Stalder betonen, dass dieses Mandat keine «Carte blanche» für definitive Entscheidungen bedeute. Es würden lediglich die angedachten Tauschmöglichkeiten vertieft diskutiert und konkretisiert.

Dabei werden laut Gemeindeammann Link auch Zonenplanänderungen zur Sprache kommen. An der Informationsveranstaltung wurde zudem betont, ein Vertrag über den Abtausch von Landflächen müsse vor dessen Unterzeichnung auf jeden Fall vom Niederlenzer Souverän und den SGF-Mitgliedern erneut abgesegnet werden.

Zum Schluss lassen sich die SGF-Präsidentin und der Gemeindeammann einen Blick in ihre weitergehenden Überlegungen entlocken: Kommt das Geschäft nämlich zustande, könnten sich die Parteien später eine teilweise gemeinsame Nutzung der Infrastruktur durch Schule und BBZ durchaus vorstellen.