Lenzburg
Lagerhäuser-Chef: «Macht es künftig noch Sinn, Grammatik auszubilden?»

Ist die Schule fit für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts? Das war Thema eines Podiums in Lenzburg. Beat Bolzhauser, Chef der Lagerhäuser Aarau AG, stellte die Frage in den Raum, ob Sprachen und Grammatik künftig noch Teil des Unterrichts sein sollen.

Pascal Meier
Merken
Drucken
Teilen
Podium in Lenzburg:

Podium in Lenzburg:

Pascal Meier

Sparmassnahmen in der Bildung, Masterabschluss für Kindergarten-Lehrpersonen, Stellenwert der Berufslehre: An der Podiumsdiskussion «Bildung: praxisfern und zukunftsblind?» im Alten Gemeindesaal Lenzburg kamen alle Themen zur Sprache, die Schüler, Eltern, Lehrer und Gewerbe derzeit beschäftigen. Der Publikumsaufmarsch am Podium des Gemeindeverbandes Lebensraum Lenzburg Seetal (LLS) war entsprechend gross.

Engagiert diskutiert wurde auch die digitale Revolution, die Schule und Arbeitswelt in immer grösserem Tempo verändert: «Die Schule bekommt heute einen Rohling und muss nach 20 Jahren ein Endprodukt abgeben, ohne zu wissen, was dann die Bedürfnisse der Gesellschaft und Wirtschaft sein werden», sagte Markus Möhl, Unternehmer aus Seengen und Präsident der Berufsschule Lenzburg. «Wir müssen deshalb an der Schule Raum schaffen für Neues, aber auch Altes weglassen.» Möhl wünscht sich hier generell mehr Praxisbezug.

Am Podium waren sich alle einig: Wirtschaft und Schule müssen noch mehr zusammenarbeiten, hier zeigten sich schon Erfolge. «Wir müssen von der Wirtschaft noch schneller und besser wissen, was sie braucht», sagte Elisabeth Abbassi, Präsidentin des Aargauischen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes. Bildungsminister Alex Hürzeler lobte den guten Austausch von Gewerbeverband und Lehrerverband: «Wenn sich Lehrer und Ausbilder vernetzen, kommt es gut.» Autorin Julia Onken gab derweil zu bedenken, dass trotz Digitalisierung der Mensch wichtig bleibe, unter anderem in der Pflege: «Menschen haben das Bedürfnis nach menschlichen Kontakten.»

Die wohl provokativste Aussage kam von Beat Bolzhauser, Geschäftsführer der Lagerhäuser Aarau AG. «Ich stelle mir die Frage, ohne diese heute beantworten zu können: Macht es künftig noch Sinn, Grammatik auszubilden?» Mit künstlicher Intelligenz werde in wenigen Jahren vieles möglich sein. «Ich weiss nicht, wo das alles hinführt, doch wir müssen uns überlegen, was wir noch ausbilden wollen. Sprachen und Grammatik wahrscheinlich nicht.»