Um 17 Uhr stürmt die Hallwiler Chlausgesellschaft aus dem Schulhaus ins Freie. Diese besteht aus sechs 14- und 15-jährigen Knaben, wobei der Älteste die Chlaus-Gruppe anführt. Lärmend zieht die Horde von Haus zu Haus, mit dem Ziel, von den Bewohnern einen kleinen Obolus zu erhalten. Im Schlepptau ziehen Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit.

Nach tagelangem Sturm und Regen zeigt sich das Wetter an diesem Abend von seiner besten Seite. Die Abenddämmerung bricht herein und im Osten erhebt sich der schon fast volle Mond, der der ganzen Szenerie noch zusätzlich eine gespenstische Stimmung verleiht.

Jedem Chlaus seine Klangfarbe

Jeder Chlaus ist mit einem Pferdeschwanz ausgerüstet. An Lederriemen sind zudem Schellen und Glocken in verschiedenen Grössen befestigt, sodass jeder Chlaus seine eigene Klangfarbe erhält. Die Jumpfere trägt einen Sack voller Gaben, der Wächter ist mit Säbel Horn und einem Tornister mit selbst gemachten Ruten ausgerüstet, und der Möörech waltet als Kassier. Der Root mit feurigem Gewand und einer dämonischen Maske führt die gesamte Horde an.

Die Chlaus-Gesellschaft besteht aus folgenden Figuren mit entsprechender Symbolik: Der weissgekleidete Herr steht stellvertretend für die weltliche Herrschaft, die ebenfalls weiss gekleidete Jumpfere symbolisiert die Reinheit, Jugend und Keuschheit. Der Wächter war in früheren Zeiten Gesetzeshüter im Dorf, heute sorgt er beim Chlausjagen für Ruhe und Ordnung. Der etwas trottelige Joggeli stellt einen Fuhrmann aus dem Bauernstand dar, während der Möörech mit einem traurigen Blick und in einer schwarzen Tracht das Alter, Elend und die Laster symbolisiert.

Am schrecklichsten sieht der Anführer der Horde aus. Der Root mit feurigem Gewand und einer dämonischen Maske soll unartigen Kindern Angst und Schrecken einjagen.

Uralter Keltenbrauch

Der Ursprung des Brauches liegt weitgehend im Dunkeln. Angeblich soll er auf keltische Umzüge aus heidnischen Zeiten zurückzuführen sein. Diese sehr alten Kulturbräuche haben die Christianisierung im 7. und 8. Jahrhundert überstanden.

Der kalte und dunkle Winter war geradezu ideal für dieses wilde Treiben. Nach alten Vorstellungen war diese Zeit beherrscht von dunklen Gestalten, Dämonen, Hexen, Windsbräuten und vor allem von der Wilden Jagd. Indem man in die Rolle der bösen Geister schlüpfte, hoffte man, diese wieder vertreiben zu können. Deshalb verkleideten sich die ledigen Burschen mit Fellen und Tierhäuten aller Art und banden sich Schellen und Ketten um den Leib, um mit möglichst viel Lärm in der Nacht durch die Orte und die Häuser zu poltern.