«Sie finden mich im Zimmer 1.05.» So hat es Andreas Schmid im E-Mail zur Terminvereinbarung für den Rundgang geschrieben. Beim Eintreffen steht die Türe zum Büro des KV-Schulleiters einen Spalt breit offen. Ein Zeichen des Willkommens. «Die Türe ist meistens offen», sagt Schmid. Er will den Schulbetrieb spüren, die Schüler sollen sich mit ihm austauschen können.

Auf den ersten Blick könnte man Andreas Schmid fast ein wenig beneiden, wenn nicht die Zukunft der Schule ungewiss wäre. Geht es nach den Plänen des Kantons, so droht dem KV Lenzburg das Aus. Und dies, obwohl erst vor drei Jahren 4,4 Millionen Franken in eine umfassende Sanierung investiert wurden. Daran hat sich der Kanton mit rund einer Million beteiligt.

Farbe Rot stimuliert

Waren all diese Investitionen vergebens? Viele davon sind beim Rundgang durch das Gebäude sichtbar – doch längst nicht alle. Aussen wie innen erstrahlt das mächtige Herrenhaus aus dem 18. Jahrhundert in neuem Glanz. Dicke grobe Mauern, düstere lange Gänge, schwere Decken – das war einmal: Dank dem neuen Beleuchtungskonzept und einer gelungenen Farbgebung in den Gängen und im Treppenhaus sei es im Innern des herrschaftlichen Gebäudes heller und freundlicher geworden, freut sich Schmid. Der gesamte Innenausbau wurde voll und ganz auf die Bedürfnisse des heutigen Nutzers und die kaufmännische Aus- und Weiterbildung zugeschnitten.

Elektro-Installationen für 830'000 Franken: Die Elektro-Installationen wurden komplett erneuert. Die allgemeinen Bereiche und die Unterrichtszimmer erhielten eine neue Beleuchtung. Im ganzen Haus wurde eine den aktuellen Bedürfnissen gerechte EDV-Verkabelung im ganzen Haus verlegt.

Elektro-Installationen für 830'000 Franken: Die Elektro-Installationen wurden komplett erneuert. Die allgemeinen Bereiche und die Unterrichtszimmer erhielten eine neue Beleuchtung. Im ganzen Haus wurde eine den aktuellen Bedürfnissen gerechte EDV-Verkabelung im ganzen Haus verlegt.

Für den Besucher am augenfälligsten ist das Farbenspiel im Hausinnern. Dezente Farbtöne dominieren Gänge und Räume. In Toilette und Lehrerzimmer hingegen überwiegt ein kräftiges Rot. Was auf den ersten Moment vielleicht etwas überrascht, ist beabsichtigt: Knallige Farben sollen dafür sorgen, dass «niemand zu lange sitzen bleibt», sagt Schmid, wohl leicht scherzend. Spielt der Schulleiter jetzt nur auf das stille Örtchen an oder denkt er dabei auch an die Kaffeepausen?

Wie dem auch sei: Bei der Sanierung wurde auch der Dachstock – im ursprünglichen Handelshaus als Lagerfläche genutzt – ausgebaut. In zwei neuen klimatisierten Zimmern steht modernste Kommunikationstechnologie für die Informatikschulung: Computer, Dokumentenkamera und audiovisueller Anlage gehören heute zu den täglichen Werkzeugen einer Lehrkraft.

Sanitär-Installationen für 220'000 Franken: Im Erdgeschoss wurde neu eine behindertengerechte Toilette eingebaut. Auch im 5. Stock wurde die sanitäre Einrichtung komplett erneuert. Sowohl Zuleitungen wie auch Ableitungen der sanitären Anlagen wurden im ganzen Haus komplett ersetzt.

Sanitär-Installationen für 220'000 Franken: Im Erdgeschoss wurde neu eine behindertengerechte Toilette eingebaut. Auch im 5. Stock wurde die sanitäre Einrichtung komplett erneuert. Sowohl Zuleitungen wie auch Ableitungen der sanitären Anlagen wurden im ganzen Haus komplett ersetzt.  

«Das Haus hat Geschichte, diese ist auch heute noch spürbar», sagt Andreas Schmid, zeigt auf die vorhandenen Stuckdecken. Vor drei Jahren wurden auch diese sorgfältig restauriert. Im sogenannten Stuckaturzimmer im zweiten Stock befindet sich sogar noch ein Kachelofen aus den Ursprungsjahren. Längst wird hier nicht mehr eingeheizt, im Raum werden Sitzungen abgehalten.

Neu haben die KV-Schüler einen zweiten Aufenthaltsraum erhalten. Auf der Südseite Richtung Müli-Märt, wo früher Fahrräder standen, herrscht ein reges Kommen und Gehen: Dort wird jetzt gearbeitet, gepicknickt und diskutiert.

Schule droht Schliessung

Doch wie lange noch? Die drittgrösste KV-Schule im Kanton und das einzige Kompetenzzentrum für die Berufsmaturität für Erwachsene steht auf Messers Schneide. Der Kanton plant eine bessere Auslastung der Berufsfachschulen und die Bildung von beruflichen Kompetenzzentren. Deshalb will er verschiedene Schulen schliessen. Mit auf dem Radar ist auch das KV Lenzburg.

280'000 Franken für Lüftungs- und Schallschutz-Installationen: Aus klimatischen Gründen blieb der oberste Stock bisher ungenutzt. Dank dem Einbau einer Lüftungsanlage konnten zwei Informatik-Zimmer in Betrieb genommen werden. Die Schalldämmungen an der Decke verbessern die Raumakustik im Gebäude deutlich.

280'000 Franken für Lüftungs- und Schallschutz-Installationen: Aus klimatischen Gründen blieb der oberste Stock bisher ungenutzt. Dank dem Einbau einer Lüftungsanlage konnten zwei Informatik-Zimmer in Betrieb genommen werden. Die Schalldämmungen an der Decke verbessern die Raumakustik im Gebäude deutlich.

«Man kann Bildung nicht einfach so verschieben», ärgert sich Andreas Schmid. Seit Wochen zieren Transparente die Fassade des KV Schulhauses in der Lenzburger Innenstadt. «Ein starkes Stück Lenzburg, auch in Zukunft!» steht auf riesigen Blachen. «Ich weiss beim besten Willen nicht, wo man sparen kann, wenn ein voll ausgelastetes Haus aufgelöst werden soll», sagt Schulleiter Andreas Schmid. Auch beim offiziellen Lenzburg schüttelt man den Kopf über das Ansinnen des Regierungsrats. In seiner Stellungnahme zur Anhörung stellte der Stadtrat vor drei Wochen die Frage: «Wurden mit der KV-Sanierung einfach vier Millionen Franken in den Sand gesetzt?»