Lenzburg
Kuschelkurs bei Überschreitungen der Kredite

Der Einwohnerrat zeigte sich bei Übermarchungen sehr zahm. Er hiess die Kreditabrechnungen für die Sanierung der Stadtbibliothek und des Wiligrabens, einer Strasse an der Grenze zu Staufen, gut.

Fritz Thut
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Der Lenzburger Einwohnerrat heisst die Sanierungen der Stadtbibliothek und des Wiligrabens zu – trotz Kreditüberschreitungen.

Der Lenzburger Einwohnerrat heisst die Sanierungen der Stadtbibliothek und des Wiligrabens zu – trotz Kreditüberschreitungen.

Pascal Meier

Die zwei Abrechnungen zum Schluss der donnerstäglichen Einwohnerratssitzung wären ein Steilpass gewesen für Abrechnungen. Andernorts hätten Exekutive und Verwaltung ihr Fett abgekriegt bei Krediten, die um 20 oder gar 36 Prozent übermarcht worden sind.

Doch das Lenzburger Parlament wurde seinem sanften Ruf – diesmal selbst zur Überraschung von Stadtratsmitgliedern – einmal mehr gerecht und hiess die Kreditabrechnungen für die Sanierung der Stadtbibliothek und des Wiligrabens, einer Strasse an der Grenze zu Staufen, einstimmig oder mit nur einer Enthaltung gut.

Mehr Reserven einplanen

Die Sanierung der Stadtbibliothek wurde rechtzeitig zum 200-Jahr-Jubiläum dieser städtischen Kultureinrichtung im November 2013 abgeschlossen. Für die Sanierung der Fassade, den Einbau eines Lifts, die neue Innenbeleuchtung und die umgestaltete WC-Anlage war im Mai 2013 ein Kredit von 335 000 Franken bewilligt worden.

Die nun präsentierte Abschlussrechnung beläuft sich auf über 402 000 Franken. Für die Überschreitung von 67 000 Franken fanden die Verantwortlichen schlüssige Erklärungen, wie Beat Hiller (GLP) als Sprecher der Geschäftsprüfungs- und Finanzkommission (GPFK) ausführte.

So man denn hätte tricksen wollen, hätte man laut Hiller durchaus können. Etwa wenn man die durch den Prüfungsbericht der Kontrollbehörden zusätzlichen Sanierungsarbeiten an der Elektroinstallation im Untergeschoss und im Estrich über das Konto Unterhaltsarbeiten Hochbau abgebucht hätte. Dies hat man wie auch die Entfernung von Kletterpflanzen an der Fassade «im Sinne der Einheit» auf dieses Projekt verbucht.

Wie stets bei einer Sanierung von historischen Gebäuden kamen im Verlaufe der Arbeiten verschiedene Aufgaben zutage, die dann teurer wurden als ursprünglich geplant. Hiller erwähnte hier Dachreparaturen, deren Notwendigkeit erst erkannt wurde, als das Baugerüst stand. Der GPFK-Sprecher zog daraus folgende Lehre: «Bei vergleichbaren Projekten an historischen Gebäuden muss künftig noch mehr für Unvorhersehbares budgetiert werden.» Man denke da an 20 Prozent.

Verlust an Vertrauen

Dass die Strassensanierung am Wiligraben über ein Drittel teurer ist als bewilligt, ist auf Fehler des Ingenieurbüros zurückzuführen. Es hat bei der Berechnung der Fläche «1300 Quadratmeter vergessen», wie Tobias Ammann (FDP) als GPFK-Sprecher festhielt. Nicht zuletzt wegen der langjährigen Partnerschaft wurde der Lapsus auf dem Stadtbauamt nicht bemerkt. Dem Grundsatz «Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser» sei hier nicht nachgelebt worden, so Ammann.

Das Büro verzichtete auf jenen Teil des Honorars für die Differenzfläche, weshalb der Stadt «kein Schaden im eigentlichen Sinn» entstanden sei. Aber sonst wo, wie Tobias Ammann bemerkte: «Durch dieses Versäumnis muss das Ingenieurbüro nicht nur eine finanzielle Einbusse hinnehmen, sondern auch einen gewissen Schaden punkto Vertrauen und Reputation.»