Rupperswil
Kurzaufenthalt im Altersheim Länzerthus boomt – bald folgt eigene Abteilung

Das Alterszentrum Länzerthus geht neue Wege: Es ist eine neue Abteilung mit 24 Ferienzimmern geplant. Das Bedürfnis für das temporäre Wohnen habe stark zugenommen, sagt Geschäftsführerin Therese Rickenbacher.

Pascal Meier
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Therese Rickenbacher Geschäftsführerin «Länzerthus»: «Das Bedürfnis für temporäres Wohnen hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen.»

Therese Rickenbacher Geschäftsführerin «Länzerthus»: «Das Bedürfnis für temporäres Wohnen hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen.»

ZVG

Der Anruf kam am frühen Nachmittag. Eine Ärztin kontaktierte Anfang Woche das Rupperswiler Alters- und Pflegeheim
Länzerthus, weil sich der Zustand einer älteren Patientin in ihrer Praxis verschlechtert hatte und diese nicht ins Spital wollte. Die Ärztin konnte die Frau nicht guten Gewissens nach Hause schicken und suchte eine Lösung. Das «Länzerthus»-Team stellte sofort ein Zimmer bereit und nahm die Frau 30 Minuten später in Empfang. Seither wohnt die Patientin temporär im Alterszentrum. Gut möglich, dass sie sich erholt und bald wieder nach Hause kann.

Kurzfristige Eintritte wie diese sind im «Länzerthus» Routine. In den vergangenen Jahren ist das Angebot für temporäres Wohnen in sogenannten Ferienzimmern ausgebaut worden. Mit dem bevorstehenden Neubau des Alterszentrums wird dieses Angebot nun massiv erweitert: Geplant ist eine eigene Abteilung mit 24 Ferienzimmern. «Das Bedürfnis für temporäres Wohnen hat stark zugenommen», begründet Geschäftsführerin Therese Rickenbacher diesen strategischen Entscheid.

Gestiegen ist die Nachfrage aus mehreren Gründen. Zum einen entlassen Spitäler ihre Patienten früher als vor Einführung der Fallpauschalen. Vor allem ältere Menschen brauchen nach einem Spitalaufenthalt Unterstützung. Diese erhalten sie im «Länzerthus» – genauso wie ältere Frauen und Männer aus Rupperswil und Umgebung, die sich nach einer Operation statt in der Reha in der Nähe von Familie und Freunden erholen möchten. Im Neubau ist dafür ein Fitnessraum geplant. Zudem kommt die Physiotherapie ins Haus. Die Gäste sollen Kraft schöpfen, um nach Hause gehen zu können. Deshalb wird das Essen wenn möglich nicht aufs Zimmer geliefert, sondern – nach einem gesunden Fussmarsch – im Restaurant serviert.

Die Anfrage für ein Ferienzimmer kommt zudem von Angehörigen. Etwa, wenn eine Frau ihren dementen Partner für zwei Wochen im «Länzerthus» wohnen lassen möchte, um sich zu entlasten. Oder wenn eine Übergangslösung bis zum Eintritt in ein anderes Heim nötig ist.

Gleichzeitig zur höheren Nachfrage nach Ferienzimmern schieben heute Menschen im hohen Alter den Umzug in ein Alters- oder Pflegeheim so weit wie möglich hinaus, auch mithilfe der Spitex, von Angehörigen und Nachbarn. So führt das «Länzerthus» zwar eine Warteliste von Senioren, die ihren Lebensabend hier verbringen möchten. Wird ein Zimmer frei, machen jedoch viele einen Rückzieher. «Diese Zimmer belegen wir dann temporär», sagt Therese Rickenbacher.

«Die Nachfrage wird zunehmen»

Das «Länzerthus» geht mit seinem Angebot an temporärem Wohnen viel weiter als die meisten Alters- und Pflegeheime. «Temporäres Wohnen in Altersheimen ist noch nicht stark verbreitet», sagt Beat Huwiler, Geschäftsführer des Vereins Aargauische Spitäler, Kliniken und Pflegeinstitutionen (VAKA). Vom Bedürfnis ist Huwiler überzeugt. «Die Nachfrage nach solcher Übergangspflege wird zunehmen, vor allem wegen der kürzeren Spitalaufenthalte durch die Fallpauschalen.»

Die vielen Ein- und Austritte durch temporäres Wohnen erfordern jedoch Flexibilität und bringen mehr Arbeit. Zudem kann oft erst nach dem Eintritt abgeklärt werden, wer den Aufenthalt bezahlt. Das ist ein Risiko. Die Vorteile überwiegen dennoch, auch in finanzieller Hinsicht: «Temporäres Wohnen spart dem Gesundheitswesen Geld», so Rickenbacher. «Pensionäre können nach der Genesung wieder nach Hause.» Das Modell lohne sich auch für das «Länzerthus»: «Unsere Ferienzimmer sind voll eingerichtet und können schneller neu belegt werden als Zimmer von langjährigen Bewohnern, welche nach deren Tod über einen längeren Zeitraum geräumt und oft renoviert werden müssen.»

Die Zahlen geben Rickenbacher Recht: Das «Länzerthus» ist zu rund 99 Prozent ausgelastet – trotz vieler Wechsel. In den vergangenen zwei Monaten gab es rund 20 Austritte durch Todesfälle oder Abreisen. Das ist ein Fünftel aller Pensionäre. Für Therese Rickenbacher ist deshalb klar: «Wir sind auf dem richtigen Weg.»

Das «Länzerthus» informiert am Samstag über den Neubau. Um 10 Uhr sind Nachbarn, Mitarbeitende, Bewohner und Angehörige eingeladen, um 13.30 Uhr die Einwohner der Trägergemeinden Rupperswil, Auenstein, Hunzenschwil und Schafisheim sowie weitere Interessierte.