Lenzburg

Kunst entsteht vor den Gästen mitten auf der Strasse

Voller Körpereinsatz: Patricia Murawski malt mit ihren Haaren.

Voller Körpereinsatz: Patricia Murawski malt mit ihren Haaren.

Bei der Vernissage der Ausstellung «Da war früher eine Wiese» an der Othmarsingerstrasse wurden die Gäste Zeugen, wie in Echtzeit Kunstwerke entstehen.

Lenzburg. Laute Rockmusik tönt aus einer Musikbox. Vor dem Bauwagen an der Othmarsingerstrasse steht barfuss eine junge Frau. Immer wieder tunkt sie ihre langen blonden Haare in einen Eimer mit schwarzer Farbe, steht breitbeinig hin und wirft den Kopf nach hinten, schwingt ihn energisch hin und her und um die eigene Achse. Überall spritzt, tropft und klatscht Farbe. Nach und nach entsteht zuerst auf zwei Leintüchern dann direkt auf dem Bauwagen ein Kunstwerk.

Die junge Frau heisst Patricia Murawski und ist eine der Künstlerinnen, die ihre Werke derzeit an der Othmarsingerstrasse ausstellen. Sie hat ihr Bild gestern an der Vernissage der Ausstellung «Da war früher eine Wiese» vor Publikum «gemalt». Die Ausstellung ist der Auftakt des Projekts «Transformator – Kunst im Quartier» der Kulturkommission Lenzburg. Es setzt sich mit den ständigen Veränderungen auseinander, der die Wohnsiedlungen in Lenzburg ausgesetzt sind.

Bewohner werden einbezogen

«Früher war die Othmarsingerstrasse die Hauptstrasse zwischen Aarau und Othmarsingen», sagte Stadtplanerin Helene Bisang in ihrer Rede. Heute ist der Charakter der Strasse unentschieden. Das will die Kulturkommission ändern. Nicht nur die Künstler, deren Werke im ganzen Quartier verteilt sind, sollen sich mit der Umgebung und deren Veränderung auseinandersetzen, sondern auch die Bewohner. Dazu wurde unter anderem ein Blog eingerichtet, auf dem jeder persönliche Fotos hochladen kann. Auch im Bauwagen können Bilder aufgehängt werden. Und sogar in die Kunstwerke selbst werden die Bewohner einbezogen. Für ihr Werk «living fabrics» hat Nesa Gschwend zum Beispiel alte Kleider von Lenzburgern verwendet.

«Kunst im Quartier» ist nebst einer Reihe an Kunstausstellungen ein sozialer Treffpunkt für Menschen aus den jeweiligen Wohngebieten. Dementsprechend gross war gestern das Interesse der Bewohner. An den Kunstwerken, den musikalischen Intermezzi und dem Apéro erfreuten sich Kinder und ältere Ehepaare gleichermassen. Sogar aus Bad Zurzach war ein Besucher angereist. Martin Landolt sagte: «Das Projekt ist eine super Idee. Sonst bringt man die Menschen nie so zusammen. Ich würde etwas Ähnliches auch gerne bei uns machen.»

Die Ausstellung dauert bis zum 24. 9. Der Bauwagen fungiert als Infopoint. Mehr Infos finden Sie hier.

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