Lenzburg
Kunst, angetrieben von vielen Zufällen

Cosimo Gritsch, erst 29-jährig, heimst «rote Punkte» und viel Anerkennung ein. Das Aargauer Kuratorium fördert mit dem «Primeur» Aargauer Künstlerinnen und Künstler aus dem Bereich der Bildenden Kunst.

Hubert keller
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Cosimo Gritsch vor seinen Werken in der Neuen Galerie 6. kel

Cosimo Gritsch vor seinen Werken in der Neuen Galerie 6. kel

Mit der Finanzierung und der Herausgabe einer Erstpublikation ermöglicht das Aargauer Kuratorium ausgewählten Kunstschaffenden eine erste umfangreiche Publikation ihres Werks, als Dokumentations- und Promotionsinstrument. Den «Primeur 2011» hat ein Künstler aus Lenzburg erhalten, Cosimo Gritsch.

Vier rote Punkte an der Wand

Cosimo Gritsch, 29-jährig, ist in Lenzburg aufgewachsen. Von 2001 bis 2006 studierte er Bildende Kunst an der Hochschule der Künste Bern. Seit 2006 hat er in diversen Einzel- und Gruppenausstellungen seine Werke gezeigt und hat von Stipendien profitieren dürfen. Zurzeit absolviert er das Masterstudium Art in Public Spheres an der Hochschule Luzern. Gegenwärtig stellt er in der Neuen Galerie 6 in der Altstadt von Aarau aus. Im gewölbten Galeriekeller zählt Cosimo Gritsch die roten Punkte, die anzeigen, welche Bilder bereits verkauft sind. Vier, den jungen Künstler freuts. «Kunst zu machen, die niemanden interessiert, das geht nicht», sagt der nicht sonderlich gesprächige Mann. Vier verkaufte Bilder, so kurz nach der Vernissage, das beweist mehr als nur Interesse.

Grosse Spannweite

Cosimo Gritsch konzentriert sich in seinem künstlerischen Schaffen ganz auf die Malerei. Die Spannweite seiner Bilder reicht von gegenständlichen Landschaftsdarstellungen und Stillleben bis zu Porträtmalerei.

Nach einem Atelieraufenthalt in Berlin hat Gritsch auch die abstrakte, mitunter konstruktivistische Gestaltungsform entdeckt. Wie aus einem Schachbrett herausgelöst bedecken schwarze Quadrate die weisse Wand des Ausstellungsraums.

Andreas Mattle, Vorstand des Vereins Kunstwollen, würdigte Gritschs Werk 2007 wie folgt: «Erst durch die aufmerksame Auseinandersetzung mit dem Motiv erlangt seine Malerei ihre wahre Bedeutung. Es ist die grosse Sensibilität für die Wiedergabe von Materialität und Oberflächen der dargestellten Gegenstände, welche die Malerei von Gritsch auszeichnet.»

Wie entsteht Kunst? «Sehr oft aus einem spontanen Einfall heraus», sagt Gritsch. «Es ist ein kreativer Prozess, der angetrieben wird von vielen Zufällen. Ich überlege mir nicht, sieht das Bild toll aus oder nicht, entweder stimmt es oder eben nicht.»

Feedback und Auseinandersetzung

Wichtig sei ihm das Feedback, das er von Freunden oder Ausstellungsbesuchern im Gespräch erhalte, sein Mentor an der Schule in Luzern ermögliche ihm die fachliche Auseinandersetzung mit seiner Kunst.

Auch wenn Stipendien und Atelieraufenthalte das Leben eines Künstlers erleichtern, von der Kunst allein kann er nicht leben.

Gritsch arbeitet gegenwärtig in der Küche des Seniorenzentrums Sunneziel in Meggen. Auch hier, wo er sich einen bescheidenen Lebensunterhalt verdient, dienen die Wände in den Korridoren immer wieder für Kunstausstellungen. Warum nicht seine?

Für den künstlerisch tätigen Küchengehilfen ein Experiment, das er zum Ausgangspunkt seiner Abschlussarbeit an der Hochschule nehmen will. Kunst im öffentlichen Raum zur Geltung bringen und dabei konventionelle Wege verlassen, diese Aufgabe fordere ihn heraus.

Und dann gibt es ja auch noch diesen «Primeur» – Anerkennung, Verpflichtung, aber auch Chance. Cosimo Gritsch macht sich ans Werk, sein Werk.

Ausstellung: Cosimo Gritsch, «Unterwegs», Neue Galerie 6, Milchgasse, Aarau, Öffnungszeiten: Do 18–20 Uhr, Sa/So 14–16 Uhr, bis 11. Februar.