Hunzenschwil

Kopflose Popmusik für das Tanzbein – Mundart-Band «De Maa ohni Chopf» mit neuem Album

Musiker Michel Schürmann ist im «Frohsinn» Hunzenschwil aufgewachsen. zVg

Musiker Michel Schürmann ist im «Frohsinn» Hunzenschwil aufgewachsen. zVg

Angeführt vom einem Aargauer, veröffentlicht die Mundart-Band «De Maa ohni Chopf» ihr zweites Album «Chrüzstross».

Ein Sonntagnachmittag in Zürich Wiedikon: Michel Schürmann, Singer-Songwriter von «De Maa ohni Chopf», sitzt in einem Café und ist in eine Zeitungslektüre versunken. Sein Look passt zum Bild eines Frontmannes: leicht zerzauste Haare, Dreitagebart und Jeanshemd. Sein Drink jedoch nicht – ein hausgemachter Eistee. Den Vormittag hat der gebürtige Hunzenschwiler vis-à-vis des Cafés, in seinem Bandraum, verbracht. «Meistens setze ich mich einfach hin, spiele ein wenig Gitarre und habe so vielleicht eine Idee zu einem Lied», sagt Schürmann. Seit 2015 tritt er zusammen mit dem Bassisten Michael Herzig sowie dem Schlagzeuger Lorenzo Demenga als «De Maa ohni Chopf» auf. Drei Jahre, nachdem sie ihr erstes Album «Späckthal» veröffentlichten, erscheint heute das zweite Werk der Band, «Chrüzstross». Es wird auf Spotify, itunes und www.dmoc.ch veröffentlicht.

Das Trio besteht aus einer etwas ungewöhnlichen Konstellation: Einem 44-jährigen Aargauer Singer-Songwriter, einen etwa zehn Jahre jüngeren Zürcher Schlagzeuger und einen rund zehn Jahre älteren Berner Bassisten. Darauf angesprochen, meint Schürmann lachend, dass sie eben eine Generationenband seien. «Unser Bassist kommt ursprünglich aus der Punkszene, unser Schlagzeuger hat seine Wurzeln in der Popmusik, und ich liege irgendwo dazwischen. Wir sind sehr unterschiedlich, aber es funktioniert einfach.»

«Frohsinn» und Freiamt

Seine ersten musikalischen Schritte unternahm Schürmann mit dem E-Bass in der Oberstufe. Den Grossteil seiner Jugend verbrachte er in Hunzenschwil: «Dort gehörte meinen Eltern eine Beiz namens ‹Frohsinn›. Unsere Wohnung befand sich gleich über der Beiz. Die Kundschaft bestand meistens aus den Dorfbewohnern und Lastwagenfahrern», erinnert er sich. «Mich hat es schon relativ früh nach Zürich gezogen. Darum hat mein Aargauer Dialekt eine Zürcher Einfärbung. Doch den Beizersohn aus Hunzenschwil und die Freiämter Wurzeln der Mutter bringt man nie ganz aus mir weg», meint er schmunzelnd.

Als Bassist hat Schürmann in verschiedenen Bands gespielt und konnte unter anderem am Heitere Open Air in Zofingen auftreten. 2006 wechselte er das Instrument, spielte statt E-Bass nun Gitarre und schlug sich als Solokünstler durch. Allerdings habe er nie von der Musik allein leben können. Heute ist Schürmann, der eine kaufmännische Lehre abgeschlossen hat, hauptberuflich als IT-Supporter tätig. Die Leidenschaft für die Musik hat ihn aber weiterhin zu Auftritten angetrieben. Nachdem er fast zehn Jahre lang solo durch Bars und Cafés getingelt war, hatte der Aargauer wieder Lust, in einer Band zu spielen.

Durch die Freundschaft mit Lorenzo Demenga und Michael Herzig kam schliesslich die Idee auf, zusammen als Band aufzutreten. Und wie ist das Trio auf den Bandnamen gekommen? «Den ‹Maa ohni Chopf› gab es bereits als Lied, mit dem ich früher solo aufgetreten bin. Irgendwie war das Lied bei den Leuten hängen geblieben und da machten wir den Songtitel kurzerhand zum Bandnamen», so der Songwriter. Ihren musikalischen Stil bezeichnen «De Maa ohni Chopf» selber als «kopflosen Indiepop». Was muss man sich darunter vorstellen? «Wir machen Musik, zu der man gut tanzen kann», erklärt Schürmann, der auch den grössten Teil der Lieder schreibt. «Natürlich sind mir die Texte als Songwriter wichtig, aber genauso wichtig ist, dass wir groovige Songs haben.»

Rührige Texte

Groovig sind die Lieder des Mundart-Trios allemal. Stilistisch reichen die Einflüsse auf dem neuen Album vom treibenden Indie-Rock («Chrüzstross») über Reggae-Elemente («Morn») bis zur 80er-Jahre-Nummer mit Synthieklängen («Ü50 Don Juan»).

Die Texte aus der Feder von Schürmann sind häufig von umgangssprachlichen Ausdrücken und ironischem Humor durchzogen. In «Zoo» vergleicht er sich etwa mit verschiedenen Tierarten: «Me seit, i heg s Härz vomne Tiger ond d Maniere vomne Aff.» Der Song «Morn» ist wiederum eine witzige Aufarbeitung von Verbesserungsvorsätzen: «Morn wird alles andersch, ja morn wird i en neue sii, mit putzte Schueh und wiisse Zäh, ihr gsähnds dänn scho.»

Der Hunzenschwiler schreibt aber nicht nur ironische Texte, sondern auch über die Auf und Abs von Beziehungen, wie die Lieder «Mond» oder «Henedrii» zeigen. Ginge es nach Schürmann, würden diese Themen sogar noch mehr Einklang im Repertoire der Band finden: «Manchmal drücken die Gefühle bei mir etwas zu fest durch. Ich kann vielleicht besser mit Kitsch umgehen als die anderen beiden», meint er lachend.

Während des Gesprächs mit Michel Schürmann neigt sich der Nachmittag allmählich dem Abend zu. Der Songwriter schaut auf die Uhr und sagt: «Weisst du was? Ich glaub, ich gönn mir jetzt noch ein Bierli.» Nun ist auch der passende Drink zum Frontmann-Look gefunden.

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